LTE: fünf Mythen und die Realität

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Bis vor kurzem wurden primär Produkte mit LTE-Modems für stationäres Internet angeboten. Nun kommen Angebote für LTE-Broadband Dongles und die mobile Internetnutzung mit Smartphones auf den Markt. Dr. Michael Optitz von der Unternehmensberatung Arthur D. Little nimmt das zum Anlaß, fünf hartnäckige Mythen um LTE im Detail zu betrachten.

Dr. Michael Optitz, der Autor dieses Expertenbeitrags für ITespresso, ist Leiter TIME-Practice Zentraleuropa bei der Unternehmensberatung Arthur D. Little (Bild: Arthur D. Little).

Mythos 1: “LTE hat in Gebäuden eine schwache Netzabdeckung im Bereich von Datenservices.”

De facto haben sich die Frequenzbänder um 800 MHz und 1800 MHz in Tests als ausreichend stark erwiesen. In besonders kritischen Fällen können zudem zusätzlich aufgestellte Femto-/Pico oder Mikrozellen das Problem der Netzabdeckung in Gebäuden lösen. Diese könnten auch privat installiert werden. Zudem werden Mobilfunknetzbetreiber die Abdeckung in Gebäuden mit UMTS-900 MHz-Funkzellen weiter verbessern. Hinzu kommt, zumindest in Städten, ein LTE Ausbau auf dem 2600-MHz-Frequenzband.

Mythos 2: “Es gibt gar nicht genügend Smartphones, die schon über das LTE-Netz senden und empfangen können.”

Das Smartphone boomt: Auf der International Consumer Electronics Show (CES) und dem diesjährigen Mobile World Congress haben viele Smartphone-Hersteller 4G-fähige Geräte vorgestellt, darunter Apple, HTC oder Samsung.

Der starke Wettbewerb unter den Herstellern sorgt von selbst dafür, dass bald die meisten neuen Smartphones auch LTE-fähig sein werden. Zudem bringen Netzanbieter in Deutschland die ersten LTE-Angebote mit Smartphones – zum Beispiel von HTC und Samsung – auf den Markt. Eine Übersicht über Geräte und Verfügbarkeit findet sich zum Beispiel auf der Site mobiles-internet-lte.de

Mythos 3: “Die LTE-Tarife werden teuer bleiben und so eine Ausbreitung im Massenmarkt erschweren.”

Tatsächlich sind die ersten LTE-Tarife Premiumprodukte. Wie im europäischen LTE-Vorreiterland Schweden dürften aber auch in Deutschland die LTE-Tarife relativ zügig sinken – je nachdem, wie hoch der Kundenzulauf sein wird. Ein rapider LTE-Uptake ist keinesfalls bewiesen.

Mythos 4: “LTE ist lediglich für den Mobilfunk, nicht aber für Übertragung per Festnetz geeignet.”

Technisch ist es möglich, LTE mit stationären Modems auch als Festnetz-Breitbandservice anzubieten. Genau diese Dienste sind bislang in Deutschland am erfolgreichsten.

Mythos 5: “LTE ist nicht für Sprachübertragungen sondern nur für reinen Datentransport geeignet.

Lösungen, die es auch erlauben, über LTE zu telefonieren, sind kurz vor dem Durchbruch. Der Anbieter Yoigo hat bereits angekündigt, Telefonate noch in diesem Jahr als Voice-over IP (VoIP) übertragen zu können. Auch Qualcomm und Ericsson haben positive Tests bereits bestätigt. Bei Smartphones arbeiten die Mobilfunknetzbetreiber zudem an einer hybriden Lösung: Smartphones bleiben im “Stand-by” Betrieb auf 3G, um Sprachanrufe empfangen und tätigen zu können – parallel zu Datenverbindungen über das LTE-Netz.

Trotz dieser positiven Nachrichten müssen sich die Nutzer im Alltag letztlich aber auch wieder mit einer ganz anderen Surf-Geschwindigkeit zufrieden geben, als meist suggeriert wird: “Die von Lieferanten versprochene Spektraleffizienz, also der Durchsatz pro MHz an Spektrum, wird im Betrieb praktisch nicht erreicht. Von den meist diskutierten 100 Mbit pro Sekunde werden die Netzbetreiber nur 10 bis 20 Mbit/s liefern können, in Abhängigkeit von der Anzahl an Nutzern, die mit ihrem Smartphone auf eine LTE-Zelle zugreifen.

Während Kundenzahlen für LTE-Dienste als “Festnetzbreitbandersatz” in Deutschland recht gut sind, bleibt daher mit Spannung zu erwarten, wie hoch die Kundennachfrage nach LTE-Diensten für Smartphones und LTE-Dongles sein wird.

Was Netzbetreiber jetzt tun sollten

Nach unserer Einschätzung sollten die Netzbetreiber europaweit auf Kooperationen setzen, um das LTE-Netz im Sinne des Konsumenten auszubauen. Mit Kooperationen können signifikant Netzausbau- und –betriebskosten eingespart werden bei gleichzeitig verbesserter Netzabdeckung. Weitere Beispiele für strategische Kooperationen der Telekommunikationsnetzbetreiber sowie zum Stand und den Planungen des LTE-Netzausbaus in europäischen Ländern finden Interessierte in der kostenlos zum Download bereitstehenden Publikation LTE Spectrum and Network Strategies.

Bei einer Umfrage von ITespresso im Juni 2012 sah mehr als jeder Fünfte Befragte für sich als Mobilfunkkunde keine Vorteile durch LTE. 37 Prozent wollten erst die Einführung geeigneter Produkte abwarten, um sich dann mit der Technologie zu beschäftigen (Grafik: ITespresso).