Cloud Computing: Große Versprechen für kleine Unternehmen

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Immer mehr kleine Unternehmen planen den Einstieg ins Cloud Computing. Doch offensichtlich kennen sich viele nicht mit den technischen Grundlagen aus. Ein Informationstag bei Microsoft sollte das ändern.

Den Job eines Cloud Computing-Beraters muss man sich wohl als ziemlich anstrengend vorstellen. Denn es sind seit Jahren immer dieselben Fragen, mit denen die potenziellen Kunden ihn löchern. Wie ist das mit der Datensicherheit? Können Unbefugte nicht auf die Unternehmensdaten in der Cloud zugreifen? Wie läuft das mit den Backups? Sind die Daten wirklich sicher? Wie ist die rechtliche Situation? Sind die Cloud-Anwendungen genauso einfach zu bedienen wie eine normale Desktop-Anwendung?

Um diese immer wiederkehrenden Fragen einmal unabhängig von Produkten und ganz grundsätzlich zu klären, hat Microsoft jetzt eine Reihe von potenziellen Kunden und Geschäftspartnern zu einer Info-Veranstaltung geladen. Als Partner hatte Microsoft das Unternehmen Runtime Blue engagiert. Runtime Blue bietet Lösungen auf der Basis von Microsofts Cloud-Plattform Windows Azure.

In Microsofts Executive Briefing Center wurden Software-Hersteller, Berater und Integratoren über die grundlegenden Vorteile von Cloud Computing aufgeklärt.

In der Münchner Niederlassung des Software-Riesen waren Berater, Softwarehersteller, IT-Verantwortliche und Integratoren eingeladen. Jeder Teilnehmer bekam einen schönen Notizblock mit der Aufschrift “Microsoft Executive Briefing Center” auf den Platz gelegt. So durften sich die Kunden wichtig fühlen.

Private oder Public Cloud

Offensichtlich herrscht beim Thema Cloud Computing nicht nur in Hinblick auf die eingangs genannten Fragen eine Menge Verwirrung. Das zumindest glaubt Markus Eilers, Mitglied der Geschäftsleitung von Runtime Blue. “Alle reden über Cloud Computing, keiner weiß, was das ist.” Laut Eilers fällt vielen beispielsweise die Unterscheidung von Public und Private Cloud schwer. Diese Unklarheit ist wohl auch darauf zurückzuführen, dass Marktforscher und Cloud-Anbieter diese Begriffe oft unterschiedlich verwenden.

Grundsätzlich kann gesagt werden, dass die Rechenzentren der Public Cloud für viele Kunden zugänglich sind. Eine Private Cloud hingegen ist letztlich eine Kombination von Servern innerhalb eines Unternehmens, auf die die Mitarbeiter über das Netzwerk zugreifen. Solche Private Clouds kommen in der Regel eher für große Unternehmen wie BMW oder Siemens infrage, die sich damit unabhängig von externen Dienstleistern machen.

Auch Kleinstfirmen nutzen die Cloud

Trotz der vorherrschenden Unsicherheit bei Begrifflichkeit und Technik-Know-how dieser noch verhältnismäßig jungen Technik planen laut Microsoft inzwischen 75 Prozent der deutschen Unternehmen in diesem Jahr schon mit der Cloud.Auch sehr kleine Betriebe mit bis zu zehn Mitarbeitern springen auf den Cloud-Zug auf. Ein Trend, der auch vom Marktforschungsunternehmen IDC bestätigt wird. So erklärte IDC-Geschäftsführer Wafa Moussavi-Amin kürzlich, dass auch die Zahl der Cloud-Skeptiker kontinuierlich zurückgehe. “Die Sicherheitsbedenken nehmen ab.”

Microsofts Portal “Cloudaufgaben gemacht” informiert über Themen wie Compliance und Datenschutz.

Doch was sind die Vorteile der Cloud?
Als Hauptvorteil nennt Markus Eilers Agilität und Flexibilität. Unternehmen könnten damit im Wettbewerb schneller und flexibler reagieren. Sie können beispielsweise für bestimmte Projekte die dafür nötigen Software-Features freischalten oder die gebuchte Rechenleistung erhöhen lassen – und sei´s nur für einige Stunden. Die Kosten spielen bei der Entscheidung für oder gegen Cloud laut Eilers eine eher zweitrangige Rolle.

Windows Azure in drei Varianten

Wer diese Vorteile mit Microsofts Cloud-Angeboten nutzen will, hat bei Windows Azure grundsätzlich die Wahl zwischen drei Varianten. Infrastructure as a Service (IaaS), Platform as a Service (PaaS) und Software as a Service (SaaS). Während der Cloud-Anbieter bei IaaS lediglich Server, Rechenpower und die grundlegende Infrastruktur bereitstellt und der Kunde sich deshalb selbst um Konfiguration, Patches und Datensicherheit kümmern muss, liefert SaaS die komplette Lösung inklusive Wartung, Konfiguration und Software-Updates. Der Kunde kann sich dann ganz um sein Geschäft kümmern.

Für Raimund Schlotman, den CEO von Runtime Blue ist SaaS deshalb die ideale Variante. Der Cloud-Anbieter kümmert sich um die Technik, das Unternehmen kann sich auf seine Geschäftsprozesse konzentrieren.

Wie funktioniert Microsofts Cloud-Plattform Windows Azure? Das erklärt Jochen Katz, Technologieberater für Windows Azure.

Befreiung von der Technik

Bei Cloud Computing geht es also in gewisser Weise darum, die Unternehmen von der starken Technisierung des Arbeitsalltags wieder zu befreien. Dafür ist aber laut Schlotmann eine neue Denkweise nötig, vor allem bei den IT-Verantwortlichen. Diese müssten sich in Zukunft stärker um Geschäftsprozesse kümmern und weniger um Applikationen und Features. Das sei “für viele ein sehr großer Schritt.”

Sicherheitsbedenken bleiben

Nicht ganz ausräumen konnten die Veranstalter die Sicherheitsbedenken bei den Beteiligten. Ein Teilnehmer meinte: “Ich würde sofort in die Cloud einsteigen, wenn diese Sicherheitshürden überwunden werden.” Das Gegenargument des Runtime Blue-Chefs lautete: Die hohen Sicherheitsanforderungen, die Skeptiker den Cloud-Dienstleistern entgegenhielten, sollten sie genau so an die hauseigene IT stellen. Und diese ist im Zweifelsfall auch nicht sicherer als eine von einem Vertragspartner betriebene Lösung.

Cloud und Compliance

In das gleiche Horn stieß auch Microsofts Jochen Katz. Katz ist Technologieberater für Windows Azure in Deutschland. Er stellte Microsofts Cloud-Plattform Azure vor. Windows Azure erfülle sämtliche Compliancevorlagen, und werde sogar von der renommierten Datenschützer-Vereinigung “Düsseldorfer Kreis” als sehr sicher angesehen. Der Düsseldorfer Kreis ist die Oberste Datenschutzaufsichtsbehörde für den nicht-öffentlichen Bereich.

Katze wies weiter darauf hin, dass Windows Azure den Kunden selbst entscheiden lässt, wo die Daten gespeichert werden. Grundsätzlich besteht die Wahl zwischen drei Regionen: USA, Asien und Europa. Innerhalb der Regionen kann der Kunde die Städte auswählen, in denen Microsofts Rechenzentren stehen. So kann er zum Beispiel in Europa sich für Dublin oder Amsterdam entscheiden. So ist sichergestellt, dass die Daten und die Software auch den europäischen Datenschutzrichtlinien unterliegen.

Microsoft betreibt weltweit knapp 100 Rechenzentren. Verwaltet werden sie von der Microsoft Division Global Foundation Services.

Auch Microsofts Webservice Office 365 läuft mittlerweile auf Windows Azure. Die datenschutzrechtlichen Vorgaben der EU sind laut Microsoft inzwischen bei Office 365 realisiert, ebenso für Dynamics CRM Online.

Wer sich als Selbstständiger oder Chef eines kleinen Unternehmens mit den Aspekten Compliance und Datenschutz in der Cloud vertraut machen will, sollte sich die Seite “Cloudaufgaben gemacht” ansehen. Dort finden sich entsprechende Infos, relativ einfach und gut verständlich aufbereitet.

Die Homepage des Unternehmens Runtime Blue. Der Microsoft-Partner stellt Cloud-Lösungen in Kombination mit Windows Azure vor.

Wirkung auf das Geschäft

Trotzdem sollte sich kein Unternehmen für die Cloud entscheiden, nur weil das im Trend liegt oder die Technik beeindruckt. Die entscheidende Frage lautet: Macht die angebotene Lösung das Unternehmen wirklich leistungsfähiger und flexibler? Denn genau das ist es ja, was die Cloud Computing-Berater immer versprechen.