Internetzugang verändert Wählerverhalten in Deutschland kaum

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Trotz aller Aufregung um die Möglichkeiten der Informationsverbreitung über das Internet und aller Beispiele, wie sich die Massen mit Social Media bewegen lassen, bleiben Auswirkungen auf das Wählerverhalten wenigstens in Deutschland weitgehend aus – so das Ergebnis einer aktuellen, großangelegten Studie. Lediglich die Wahlbeteiligung geht deutlich zurück.

Für das unter dem Titel E-Lections: Voting Behaviour and the Internet veröffentlichte Papier haben von Oliver Falck, Robert Gold und Stephan Heblich von CESifo – einem Ableger des bekannteren Münchener IFO-Instituts – eine Vielzahl von Daten über Kommunal-, Landtags- und Bundestagswahlen zu unterschiedlichen Zeitpunkten mit Daten verknüpft, die die Verfügbarkeit von Breitband-Internetzugängen in rund 12.000 Ortschaften dokumentieren. Die Struktur der Daten lasse es zu, das Wahlverhalten vor und nachdem das Internet in den einzelnen Ortschaften Einzug gehalten hat, zu vergleichen.

Die Autoren der Studie haben mehrere Aspekte untersucht. Neben den Auswirkungen auf die Wahlbeteiligung gehört dazu auch, ob sich die Ergebnisse für einzelne Parteien durch die Verfügbarkeit des Internet verändert haben – sowohl die der großen Volksparteien, als auch die der kleinen Parteien am rechten und linken Rand. In beiden Fällen müssen Internet-Enthusiasten enttäuscht werden: Zumindest lasse sich eine Kausalbeziehung nicht offensichtlich erkennen. Feststellbare Veränderungen könnten auch durch andere Effekte hervorgerufen sein, zum Beispiel, dadurch dass Anhänger bestimmter Parteien verstärkt in städtische Regionen umgezogen sind.

Rückläufige Wahlbeteiligung

Ganz ohne Auswirkungen blieb das Internet jedoch nicht: Laut der Studie hat die Komplettversorgung mit Breitbandinternet dazu geführt, dass die Wahlbeteiligung zwischen 1,9 und 2,5 Prozentpunkte zurückging. Bei einer durchschnittlichen Wahlbeteiligung von 64,4 Prozent führt das zu 3 bis 3,9 Prozent weniger Stimmzetteln in den Urnen. Das ist den Autoren der Studie zufolge mit der flächendeckenden Einführung des Fernsehens in den USA in den 40er und 50er Jahren vergleichbar: Damals ging die Wahlbeteiligung bei Kongresswahlen um rund 2 Prozent zurück.

Fragezeichen bei der Piratenpartei

Ausnahme sind in Deutschland Kommunalwahlen. Hier konnten keine “Interneteffekte” festgestellt werden. Auch die – im Zusammenhang mit dem Aufstieg der Piratenpartei oft ins Feld geführte Argument -, dass einige Parteien stärker als andere vom Internet profitieren, bestätigen die Zahlen der Münchener nicht: Im Gegenteil, Parteien am Rand des politischen Spektrums scheinen durch die Verfügbarkeit des Internets eher Wähler verloren zu haben. Allerdings decken die Zahlen nur die Zeit vor der Piratenpartei ab. Ob sie ohne Internet überhaupt möglich wäre, sehen die CESifo-Forscher als Thema einer weiteren Studie.

Die geringen Auswirkungen auf kleine Parteien im Untersuchungszeitraum erklären sich die Autoren damit, dass früher die Stimmabgabe für eine Splitterpartei ohne Aussicht auf Regierungsbeteiligung oder Einzug in das zu wählende Gremium ein Akt war, sein Missfallen zum Ausdruck zu bringen. Mit breitbandigem Internetzugang, Blogs und Social Media hätten die Wähler aber nun weitaus bessere und feiner justierbare Möglichkeiten, ihren Ansichten Ausdruck zu verleihen. Das ist aber nur eine Hypothese: Sie zu untersuchen, sei Thema einer neuen Studie. Wir sind gespannt …

(Bild links oben: Nmedia – Fotolia.com)

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