Qualcomm und Fraunhofer als Innovations-Trainer

PolitikRechtStart-UpUnternehmen

Eine mobile Lernplattform für Innovationen haben der Chipspezialist Qualcomm und das Fraunhofer Institut vorgestellt. “L2Pro” soll Mittelständlern und kleinen Unternehmen helfen, ihr geistiges Eigentum zu schützen und zu vermarkten. Eine zentrale Rolle spielen dabei Patente.

Deutsche Unternehmen gehören zu den innovativsten der Welt. Dieser Eindruck zumindest drängt sich auf, wenn man die Statistiken des Europäischen Patentamts (European Patent Office, EPO) studiert. So stammten 2011 knapp 14 Prozent aller Patentanmeldungen der 38 EPO-Mitgliedsstaaten aus Deutschland.

Damit liegt Deutschland beispielsweise weit vor Frankreich, das nur 5 Prozent vorzuweisen hat. Nur Amerikaner (24 Prozent) und Japaner (19 Prozent) haben mehr Anmeldungen bei der EPO eingereicht. Insgesamt reichten deutsche Unternehmen im vergangenen Jahr genau 33.181 Patente ein.

Wenig Patente von kleinen Unternehmen

Der Wermutstropfen dabei: Das Patentgeschehen wird weitgehend von großen Unternehmen beherrscht: 53 Prozent aller Patentanmeldungen in Bayern stammen von nur 30 Anmeldern, zumeist von großen Herstellern wie Philips, Samsung, LG oder Sony.

Aber kleinere Unternehmen nutzen die Möglichkeiten der Patentierung nicht ausreichend. Sie fürchten nicht nur den bürokratischen Aufwand, sondern vor allem die Kosten für eine Patentierung. Auch die rechtliche Durchsetzung von Patenten kann teuer werden.

Chipspezialist Qualcomm, selbst mit 1482 Patenten einer der fleißigsten EPO-Kunden, will nun mithelfen, dass auch kleinere Unternehmen stärker zum Zug kommen. Gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) hat das Unternehmen nun eine Lern-Plattform namens “L2Pro” vorgestellt. Die Plattform soll kleineren Unternehmen in Sachen Innovationen und Patente auf die Sprünge helfen.

Sie stellten die mobile Lernplattform “L2Pro” vor: Derek Aberle (Executive Vice President und Group President, Qualcomm), Professor Joachim Warschat (Head of Technology und Innovation Management, Fraunhofer-Gesellschaft), Sabine Kruspig (Director Computers, EPO) und Ronald Mertz, Ministerialrat im Bayerischen Wirtschaftsministerium (von links nach rechts).

L2Pro: Learn to Protect

“L2Pro” heißt “Learn to Protect, Secure and Maximize your Innovations” und soll den “teilnehmenden kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMUs) entsprechende Trainings und den Austausch von Best Practices zu ermöglichen”.

Für den Anfang ist der Zugang zur neuen Plattform auf 30 Pilotteilnehmer begrenzt, 15 aus Deutschland und 15 aus Großbritannien.

Am Projekt beteiligt sind außerdem das United Kingdom Intellectual Property Office, das United Kingdom Trade & Investment Department sowie das Projekt “ip4inno”. Letzeres wiederum ist selbst eine Trainingsplattform des Europäischen Patentamts, die in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut realisiert wurde.

Die Homepage der Lernplattform “ip4inno”.

Die etwas sperrige Bezeichnung “ip4inno” steht für “Intellectual Property for Innovation”. Die Seite wendet sich an “Geschäftsberater und Technology Transfer Officer”, die selbst als Innovations-Trainer für Start-ups und KMUs tätig.

Auf der Webseite finden sich insgesamt über 60 Stunden Material für IP-Strategie-Training. Unter anderem werden hier jeweils dreistündige Lernmodule zu Themen wie “IP-Lizensierung oder Bewertung” und “Finanzierung von IP” angeboten. Auch zur Suche nach Patenten in der EPO-Datenbank Espacenet gibt es Lerneinheiten. Dort sind über 70 Millionen Patentdokumente aus aller Welt einsehbar. Die Lernmaterialien werden auch als Powerpoint-Präsentationen oder Online-Workshops angeboten.

Die Europäische Patentorganisation hat Dienststellen in München, Den Haag und Berlin. Insgesamt arbeiten 4000 Prüfer an den Patentanträgen. Das Bild zeigt das Patentamt in München (Foto EPO).

Lern-Plattform für Manager auf der Reise

“L2Pro” ist also letztlich ein Ableger von “ip4inno”. Der Hauptunterschied zum Mutterprojekt, ist wohl ein technischer. So ist “L2Pro” als mobile Lernplattform angelegt, die auch unterwegs mit Smartphones, Notebooks oder Tablet-Computern erreichbar ist. Nicht umsonst ist Qualcomm ja ein auf Mobiltechnik spezialisiertes Unternehmen. Bei Anwendern bekannt geworden ist der Hersteller aus San Diego beispielsweise durch dem Snapdragon-Prozessor, der in einigen Smartphones wie beispielsweise den Lumia-Modellen von Nokia oder dem Samsung Galaxy S3 verbaut sind.

Eine Webadresse für “L2Pro” konnten die Initiatoren allerdings noch nicht angeben. Diese wird wohl beim Start des Projekts nachgereicht.

Patentamt unterstützt kleine Unternehmen

Qualcomm-CEO Derek Aberle (links)
Qualcomm-CEO Derek Aberle (links) auf der Podiumsdiskussion in München.

Vorgestellt wurde L2Pro auf einer Veranstaltung des Patentamts in München. Sabine Kruspig, Vertreterin des Patentamts, nutzte die Veranstaltung auch für ein bisschen Imagepflege in eigener Sache. Die EPO sei keineswegs nur für die großen Unternehmen da, sondern wolle auch die Mittelständler und die Kleinen unterstützen. Auch dies ein Grund, warum das Patentamt einen Saal im Münchner Dienstgebäude für die Vorstellung des “L2Pro” zur Verfügung stellte.

Die EPO ist übrigens keine EU-Organisation, sondern eine zwischenstaatliche Organisation. Das 1977 gegründete Europäische Patentamt hat Sitze in München, Den Haag und Berlin. Die Organisation finanziert sich laut Kruspig ausschließlich aus Einnahmen aus Patentgebühren. Insgesamt arbeiten 7000 Bedienstete im Patentamt, davon 4000 als Prüfer.

Staat muss Schutz für geistiges Eigentum organisieren

Doch nicht nur Wirtschaft und zwischenstaatliche Organisationen wie die EPO sind gefordert. Bei der Vorstellung der Lernplattform sagte Ronald Mertz, Ministerialrat im Bayerischen Wirtschaftsministerium: “Wenn der Staat mehr Innovationen von den Unternehmen erwartet, muss er auch einen gut funktionierenden Schutz des geistigen Eigentums organisieren, damit sich die Investitionen auch rentieren”.

So oder so, kleine Unternehmen mit guten Ideen und Innovationen im Portfolio sollten auf alle Fälle prüfen, ob es nicht sinnvoll wäre, diese als Patent schützen zu lassen. Eine einzige Patentanmeldung schützt die jeweilige Erfindung in immerhin 38 Mitgliedsstaaten der Europäischen Patentorganisation.