Facebook macht mit Kauf von Face.com bei Gesichtserkennung Ernst

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Das Start-up ist auf automatische Gesichtserkennung spezialisiert. Die dazu verwendte Software schätzt auch das Alter abgebildeter Personen. Sie kommt bereits bei Facebook zum Einsatz. Europäische Datenschützer sehen die damit möglichen Anwendungsfälle kritisch.

Facebook hat das das auf automatische Gesichtserkennung spezialisiert Start-up Face.com gekauft. Den Kaufpreis hat Facebook nicht genannt. Erste Berichte zu Übernahmeverhandlungen erwähnten im vergangene Monat ein Angebot in Höhe von 80 bis 100 Millionen Dollar. Das israelische Unternehmen stellt Entwicklern seit 2010 eine API zur Verfügung, über die sie die Gesichtserkennungstechnologie in eigene Anwendungen einbinden können.

Mit Photo Finder und Photo Tagger hat es auch das selbst zwei Facebook-Anwendungen veröffentlicht. Photo Finder erlaubt es Nutzern, nicht gekennzeichnete Fotos von sich und ihren Freunden bei Facebook zu finden. Photo Tagger ist für die automatische Erkennung und Kennzeichnung einer größeren Anzahl von Facebook-Fotos gedacht.

Seit April 2012 kann die Software von Face.com auch das Alter anhand abgebildeter Gesichter schätzen. Sie gibt dabei das minimale, das maximale und das geschätzte Alter an. Laut CEO Gil Hirsch könnte diese Funktion für die Software von Kindersicherungen bis zu “potenziell an der Realwelt orientierter Werbung” eingesetzt werden, die auf dem Alter der Konsumenten basiert. “Natürlich ist die Privatsphäre entscheidend – wie es bei Face.com immer der Fall ist”, erklärt Hirsch dazu.

Europäische Datenschützer sind davon nicht überzeugt. Beispielsweise verhandelt die irische Datenschutzbehörde derzeit mit Facebook über den zulässigen Einsatz der Gesichtserkennung. Sie ist zuständig, weil das US-Unternehmen seine Europazentrale auf der Insel hat. Der Hamburgische Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar hat aufgrund dieser Verhandlungen ein laufendes Verfahren gegen die Gesichtserkennungsfunktion von Facebook vorläufig unterbrochen. Er will zunächst die Gesprächsergebnisse abwarten und dann über das weitere Vorgehen entscheiden.

Jimmy Schulz, Obmann der FDP-Fraktion in der Bundestags-Enquete-Kommission “Internet und digitale Gesellschaft” sieht den Schritt ebenfalls skeptisch: “Die Technologie selbst ist faszinierend, könnte aber zu einer kompletten Abschaffung der Anonymität führen. Auf Bildern, die mit Überwachungskameras oder Handys gemacht werden, könnte grundsätzlich jedes Gesicht jeder Zeit identifiziert werden. Dadurch wäre es möglich, vereinfachte Bewegungsprofile zu erstellen.”

Seiner Ansicht nach ist es ein unerlässliches Grundprinzip unserer Gesellschaft, sich anonym und frei bewegen zu können, auf das jede Bürgerin und jeder Bürger ein Recht habe. Technologien wie Face.com dürften diese Freiheit in keiner Weise einschränken. “Als Gesetzgeber müssen wir uns zusammen mit der Gesellschaft einen Rahmen überlegen, innerhalb dessen solche Technologien verantwortungsvoll eingesetzt werden können. Prinzipien, wie die ausdrückliche Einwilligung der Nutzer, sind unerlässlich und müssen beibehalten werden”, so Schulz in einer Pressemitteilung.

[mit Material von Bernd Kling, ZDNet.de]

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