Briten ermitteln erneut wegen Googles WLAN-Datensammlung

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Einen großen Frageboge muss der Suchriese nun beantworten, um im Sinne des britischen Datenschutzes zu klären, ob die Google-Manager von der Datensammlung wussten.

Die britische Datenschutzbehörde Information Commissioners Office (ICO) hat das Ermittlungsverfahren gegen Google wegen der Sammlung von Daten aus unverschlüsselten WLAN-Netzen durch Street-View-Fahrzeuge wieder eröffnet. In einem Brief (PDF) an Googles Vice President Alan Eustace verlangt der Chef der Behörde Steve Eckersley Antworten zu sieben Fragen, die klären sollen, warum die Daten ausgespäht wurden.

Großbritannien reagiert damit auf den Untersuchungsbericht der US-Kommunikationsbehörde FCC. Daraus geht hervor, dass der für die Schnüffelsoftware verantwortliche Programmierer nicht allein gehandelt hat und seine Kollegen schon 2007 über die Fähigkeiten der Anwendung informierte.

Die FCC stellte zwar keine Verstöße gegen US-Abhörgesetze fest, kam aber zu dem Schluss, dass Google die Untersuchungen “vorsätzlich behindert und verzögert” hat. Dafür verhängte sie eine Geldstrafe von 25.000 Dollar.

Das ICO möchte nun von Google erfahren, “welche Arten von Daten und sensiblen persönlichen Informationen” in Großbritannien mitgeschnitten wurden. Google soll zudem darlegen, ab wann das Management von der Datensammlung wusste und warum die Behörde bei einem Besuch von Google in London im Juli 2010 nicht umfassend informiert wurde.

Darüber hinaus bezieht sich das ICO in seinem Brief auf das Datenschutzgesetz Data Protection Act 1998. Demnach soll Google erläutern, welche Maßnahmen bei der Entwicklung und der Einführung von Street View ergriffen wurden, um Verstöße gegen den Datenschutz zu verhindern. Google soll darüber hinaus Dokumente über die Entwicklung der Schnüffelsoftware vorlegen. Sie sollen zeigen, ob Google die Anwendung speziell zur Sammlung von Daten konzipiert hat oder nicht.

Google hatte 2010 eingeräumt, dass es in den Jahren zuvor bei weltweiten Street-View-Fahrten auch Daten aus ungesicherten WLAN-Netzen aufgezeichnet und gespeichert hatte. Damals gab das Unternehmen an, die Informationen seien irrtümlicherweise mitgeschnitten worden. Trotzdem rief das Vorgehen Regulierungsbehörden weltweit, unter anderem auch in Europa, auf den Plan.

Hierzulande dauern die Ermittlungen noch an. Im Mai hatte die New York Times berichtet, der Hamburgische Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar erwarte, dass die neuen Erkenntnisse aus dem Abschlussbericht der FCC die laufenden Untersuchungen beeinflussen werden. “Das ist offensichtlich eine vollkommen andere Situation als anfangs angenommen. Uns war gesagt worden, es war ein einfacher Fehler. Aber jetzt erfahren wir, dass es kein Fehler war und dass Leute im Unternehmen wussten, dass die Informationen mitgeschnitten werden”, zitiert die Zeitung Caspar.

[mit Material von Zack Whittaker, ZDNet.com]