Cisco bezichtigt Huawei der Nachahmung

Netzwerke

Cisco-Manager haben sich in einer Analystenkonferenz kritisch über den chinesischen Rivalen Huawei geäußert. Im Mittelpunkt steht der Vorwurf, wenig innovativ zu sein und stattdessen Cisco zu kopieren. Die beiden Firmen sahen sich schon einmal wegen Patentstreitigkeiten vor Gericht.

Cisco hat solide Quartalsergebnisse vorgelegt, aber zugleich einen skeptischen Ausblick gegeben. Im vergangen Quartal erzielte das Unternehmen einen Gewinn von 2,2 Milliarden Dollar oder 0,40 Dollar je Aktie. Der Umsatz betrug 11,6 Milliarden Dollar und damit 6,6 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Der Non-GAAP-Gewinn lag bei 0,48 Dollar je Aktie.

Die Wall Street hatte 0,47 Cent je Aktie bei einem Umsatz von 11,59 Milliarden Dollar erwartet. Der weltgrößte Netzwerkausrüster konnte damit weit bessere Ergebnisse präsentieren als seine Rivalen Juniper, Riverbed und Polycom. “In einer Zeit zurückhaltender IT-Ausgaben übertreffen wir weiterhin unsere Mitbewerber”, sagte Ciscos CEO John Chambers. Vor allem aufgrund der Schuldenkrise in Europa befürchtet er jedoch geringere Investitionen im laufenden Vierteljahr.

Cisco-Präsident John Chambers (Bild: Cisco)

In der Analystenkonferenz zu den Quartalsergebnissen wurde hielt sich Chambers mit deutlichen Äußerungen über den chinesischen Netzwerkrivalen Huawei nicht zurück. Beide Unternehmen stehen in einem angespannten Wettbewerb. Cisco möchte in Huaweis Heimatmarkt China expandieren. Huawei dagegen strebt eine größere Rolle im US-Markt an, in dem jedoch seine Verbindungen zur chinesischen Regierung Bedenken auslösen. Die enge Verknüpfung Huaweis mit der chinesischen Regierung bereitet allerdings auch deutschen Behörden Sorgen.

“Ich möchte auf Huaweis Zahlen hinweisen”, legte der Cisco-Chef los. “Sie waren 11 Prozent höher als im Vorjahr. Dabei bedienen sie alles von Tablets bis zu Servern, von Rechenzentren bis zu herkömmlicher Netzwerktechnik. Wir werden sehen, ob sie sich damit nicht zu sehr verzetteln.” Angesichts der Unterstützung durch die chinesische Regierung, etwa mit Krediten in Höhe von 40 Milliarden Dollar, sei es keine besonders beeindruckende Zahl.

Ciscos Vice President Rob Lloyd hielt sich ebensowenig zurück. “Unsere Kunden achten ganz besonders auf Innovation”, sagte er. “Da geschieht so viel. Und wie wir wissen, sehen sie Innovation von Cisco, aber nicht von Huawei. Wir möchten ganz klar sagen, dass Nachahmung nicht Innovation ist. Und ich glaube, unsere Kunden erkennen das.” Es ist nicht das erste Mal, dass Cisco Huawei der Imitation bezichtigt. Es führte sogar schon zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung, die in einem Vergleich mündete.

Mit der auf der CeBIT vorgeführten neuen Generation seiner Telepresence-Lösung macht Huawei Cisco, das den Markt nach HPs Ausstieg derzeit weitgehend beherrscht, auch in diesem Segment Konkurrenz (Bild: ITespresso).

Bill Plummer, Vice President von Huawei Technologies, reagierte auf die neuen Vorwürfe mit einer bedächtigen Erklärung: “Es ist genügend Raum für Wettbewerb im Enterprise-Bereich.” Huawei setze dabei auf seine innovativen und sicheren Lösungen, die weltweit anerkannt seien.

Dass der verbale Schlagabtausch gerade jetzt stattfindet, hat seinen Grund: In dieser Woche hat Huawei unter dem Namen CloudEngine die neue Generation seiner Switches für Cloud-Rechenzentren im Markt eingeführt. Es positioniert sich damit eindeutig gegen die Angebote von Cisco. Auch die jüngste Generation seines Telepresence-Systems steht im direkten Wettbewerb mit Ciscos Angeboten.


[mit Material von Larry Dignan, ZDNet.com]