Facebook lockt Entwickler mit eigenem App Center

Darüber können plattformunabhängige HTML5-Apps zum Kauf angeboten werden. Interessenten an Apps für Android und iOS werden von dort zu Google Play und Apples App Store weitergeleitet. Im App Center finden nur Anwendungen mit Log-in über Facebook Platz.

von Bernd Kling 0


Facebook will über sein App Center selbst Apps verkaufen und auf Apps anderer Stores verweisen. Ein Starttermin steht noch nicht fest. Die Eröffnung ist für “die kommenden Wochen” zugesagt. Das App Center soll dann via Web sowie die Facebook-Apps für iOS und Android zugänglich sein.

Laut Facebooks Entwickler-Blog sollen die 900 Millionen Nutzer des Netzwerks im App Center künftig Anwendungen wie Draw Something, Pinterest, Spotify, Battle Pirates oder Viddy finden. Zur Auflistung kommen alle Apps infrage, die Facebook-Richtlinien für Entwickler entsprechen. Ebenso wie Apple behält sich Facebook eine Prüfung sowie das Recht vor, Anwendungen auch zu entfernen. Es dürfen sowohl mobile Apps als auch Web-Apps einschließlich der Canvas-Apps sein, die als Web-Apps in Facebook-Seiten eingebunden sind. Jede aufgelistete Anwendung erhält eine Seite, die über ihre Besonderheiten informiert.

Das App Center ist Store und Ausstellungsraum zugleich. Bei mobilen Apps leitet es zu Google Play und Apples App Store weiter. Bei Apps für iOS und Android verdient Facebook daher nicht mit. Es will aber offenbar die Chance nutzen, Social-Apps herauszustellen und zu fördern, die das Log-in über Facebook nutzen – was ohnehin eine unabdingbare Voraussetzung ist, um in das App Center aufgenommen zu werden.

Je mehr Nutzer sich im Sozialen Netz bewegen, desto mehr erfährt Facebook über sie und kann es für noch gezieltere Werbung einsetzen. Das gilt selbst dann, wenn Anwendungen nur das Log-in-Feature nutzen. Gleichzeitig dürfte Facebook daran liegen, dass sich Nutzer nicht anderweitig einloggen, etwa über Google oder das von Apple bevorzugte Twitter. Facebooks App Center scheint daher auch darauf ausgerichtet zu sein, das Wachstum anderer Sozialer Netze zu auszubremsen.

Facebook bietet selbst plattformunabhängige HTML5-Apps an und behält die branchenüblichen 30 Prozent vom Verkaufspreis ein. Aber auch hier dürften weniger die durch den Verkauf erzielbaren Einnahmen im Vordergrund stehen. Es ist zu Facebooks Vorteil, wenn es Entwickler dazu bringen kann, Apps für HTML5 statt für proprietäre Betriebssysteme zu entwickeln. Wenn eine Anwendung auf einer mobilen Plattform läuft, sammelt diese die Daten über die Nutzer und sichert sich die Werbeeinnahmen. Von Facebook verkaufte HTML5-Apps kommen an Apples geschlossenem Modell vorbei, das auch die Werbeeinnahmen für sich reklamiert.

Es ist sicher kein Zufall, dass Facebook das App Center kurz vor dem Börsengang ankündigt. Das Soziale Netz verzeichnet zwar deutliches Wachstum bei der mobilen Nutzung, musste im Börsenprospekt aber wiederholt auf die Schwierigkeit hinweisen, nennenswerte Gewinne mit mobilem Traffic zu erzielen. Mit dem App Center beweist Facebook zumindest, dass es aktiv nach neuen Einnahmen sucht.

[mit Material von Rafe Needleman, News.com]

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