Ein Firmenblog? Die haben doch einen an der Waffel …

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Gerade kleine und mittelgroße Firmen sind bei der Nutzung sozialer Medien und Netze zögerlich: Sie sehen entweder nicht den Nutzen oder haben nicht die Ressourcen dafür – oder beides. Ein aktuelles Beispiel zeigt jedoch, dass es auch anders geht, als es Großkonzerne wie Daimler und BMW vormachen – und dass dieser andere Weg erfolgreich sein kann.

Kleine und mittlere Firmen tun sich schon mit Werbung schwer: Für viele ist alles, was über die auf Druck ehemaliger Schulfreunde zustande gekommene Anzeige im Jubiläumsblättchen “100 Jahr Turnverein” oder dem Eintrag in den Gelben Seiten hinausgeht schon reine Geldverschwendung. Noch viel schwieriger wird es bei Öffentlichkeitsarbeit: Die erschöpft sich oft im Fototermin für das Lokalblatt wenn wieder einmal drei Auszubildende anfangen. Wer so arbeitet, der braucht wirklich keine Präsenz bei Facebook, keinen eigenen Channel bei YouTube und keinen Firmenblog. Aber möglicherweise verpasst er etwas.

Eine aktuelle Umfrage unter ITespresso-Lesern zeigt große Zurückhaltung bei der beruflichen Nutzung Sozialer Netze (Bild: ITespresso).

Laut einer Meldung des Bitkom just von heute setzen inzwischen 47 Prozent aller Unternehmen in Deutschland auf soziale Medien. Hauptsächlich verfolgen sie damit Ziele im Marketing, Vertrieb und bei der Mitarbeitersuche. Die beliebtesten Anwendungen sind Soziale Netze und Blogs. Aber: Der Mittelstand ist wesentlich weniger aktiv als die großen Unternehmen. Insgesamt wollen die Firmen mit ihrem Engagement in erster Linie Ziele den Bekanntheitsgrad steigern (82 Prozent), neue Kunden gewinnen (72 Prozent) oder Kundenbeziehungen pflegen (68 Prozent).

36 Prozent der Firmen nutzen Blogs

Nach den Ergebnissen der Studie sind 86 Prozent der Unternehmen, die Social Media nutzen, in externen Social Networks aktiv. Im Ranking der meistgenutzten Anwendungen folgen Blogs mit 36 Prozent und Video-Plattformen mit 28 Prozent. Im Rahmen der Studie wurden ebenfalls die organisatorischen Voraussetzungen für den Einsatz sozialer Medien untersucht. Dabei zeigen sich große Unterschiede zwischen größeren und kleineren Unternehmen. So haben 86 Prozent der Firmen mit mehr als 500 Beschäftigten eigene Mitarbeiter, die für die Steuerung der Social-Media-Aktivitäten verantwortlich sind. Bei mittelständischen Unternehmen sind es nur 41 Prozent.

38 Prozent der Befragten sind bislang nicht im Social Web aktiv. 62 Prozent Gruppe begründen dies damit, dass sie mit Social Media ihre Zielgruppen nicht erreichen. Die Hälfte hat rechtliche Bedenken, insbesondere hinsichtlich des Datenschutzes. Und 45 Prozent sagen, soziale Medien passten nicht zu ihrer “Unternehmenskultur”.

47 Prozent der deutschen Unternehmen setzten soziale Medien ein, weitere 15 Prozent haben konkrete Pläne, damit zu beginnnen (Bild: Bitkom).

Unternehmenskultur. So so. Definieren sie doch bitte einmal Unternehmenskultur. Mein leiser Verdacht ist ja, dass der Großteil der Firmen, die diese Antwort gegeben haben, einfach befürchten, dass mit all dem modernen Zeig Hinz und Kunz Informationen über ihre Firma in die Welt hinausposaunen – ohne dass der Chef weiß, was da vor sich geht. Aber ich sag Ihnen etwas: Das tut ein Teil der Mitarbeiter sowieso.

Da wäre es doch schlauer, sich an die alte Stammtischregel zu halten, nach der nur über die gelästert wird, die nicht anwesend sind. Wer da ist, hat – zumindest für dieses Mal – nichts zu befürchten. Also, auf geht’s ins Social Web.

Ein vorbildlicher Firmen-Blog

Dass damit kein unendlicher Aufwand verbunden und kein bombastischer Auftritt verbunden sein muss, zeigt der Blog des Unternehmens Hans Freitag aus Verden an der Aller. Wenn sich Frau Merkel für einen ausländischen Staatsgast einmal einen typischen deutschen Mittelständler heraussuchen muss – und das Gefühl hat, schon genug von Maschinen- und Schraubenhersteller gesehen zu haben – dann empfehle ich ihr das Unternehmen aufs Wärmste.

Es hat schließlich alle Voraussetzungen, die man dafür braucht: Der Exportanteil liegt mit 30 Prozent bei einem gesunden Wert. Mit Abnehmern in Österreich, Italien, Dänemark und den USA beliefert man ganz unterschiedliche Märkte. Außerdem gibt es laut Unternehmen “modernste Produktionsanlagen” und natürlich rund 330 Mitarbeiter zu sehen. Und am Ende der Firmenführung einen Keks. Richtig: Bei Hans Freitag werden täglich 130 Tonnen knusprige Kekse und Waffeln hergestellt.

Braucht so ein Unternehmen einen Blog? Der Familienbetrieb hat sich dafür entschieden. Obwohl meinem Gefühl nach die wenigsten der 130 Tonnen den Weg zum Verbraucher als “Hans-Freitag-Keks” finden. Vieles kommt mir aus großen Handelsketten bekannt vor. Daraus macht das Unternehmen auch kein Geheimnis – muss es ja auch nicht, weiß man doch, wie anspruchsvoll die als Geschäftspartner sind. Einen kleinen Onlineshop gibt es zwar, aber auch der wird eher das Taschengeld aufbessern, als den Betrieb am Laufen halten.

Dennoch hat man sich wie gesagt einen Blog gegönnt: Den Keksblog. Und – jetzt kommt das Besondere daran – der wurde soeben als Unternehmensblog des Jahres mit dem “Deutschen Preis für Onlinekommunikation” ausgezeichnet. Der Preis wird jährlich vom Fachmagazin “Pressesprecher” verliehen. Dafür, so wird mancher Chef granteln, kann man sich auch nichts kaufen. Das stimmt. Dennoch ist es ein schöner Erfolg. Und vielleicht für den einen oder andren doch ein Anreiz, mal über einen eigenen Firmenblog nachzudenken. Wenn Sie nicht wissen, was Sie da reinschreiben sollen, dann schauen Sie sich einfach mal den Keksblog an …

Mehr als backe, backe Kuchen - die Onlineaktivitäten der Keksbäckerei Hans Freitag (Screnshot: ITespresso).

Tipp: Wie gut kennen Sie Soziale Netzwerke? Testen Sie Ihr Wissen – mit 15 Fragen auf silicon.de.

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