
Surfen mit iPad und Co: “Datenstau nicht ausgeschlossen”
Ciena-Manager Eugen Gebhard erklärt im Interview mit ITespresso, warum der Siegeszug der Tablet-PCs für die Mobilfunkprovider zum Problem werden könnte, was diese tun müssen, um den rasant steigenden Anforderungen an die Bandbreite zu genügen – und ob Tablet-PCs auch für kleine Unternehmen sinnvoll sind.
Tablet-PCs stellen auch für die Mobilfunkprovider eine Herausforderung dar. Denn diese müssen die Kapazitäten bereitstellen, damit Anwender mit den Geräten im Internet surfen und Apps herunterladen können. Vor allem das neue Apple iPad mit dem hochauflösenden Display benötigt viel Bandbreite. Eugen Gebhard, Managing Director Central Europe, beim Netzwerk-Spezialisten Ciena erklärt, wie die Provider mit dieser Herausforderung umgehen sollten. Das Interview wurde per E-Mail geführt.
ITespresso: Apples neues iPad besitzt ein hochauflösendes Display. Dementsprechend sind auch die übers Mobilfunknetz heruntergeladenen Dateien wesentlich größer. Andere Tablet-Hersteller werden mit hochauflösenden Displays nachziehen. Bedroht das die Kapazität der Mobilfunkprovider?
Eugen Gebhard: Das Wort Bedrohung ist an dieser Stelle vielleicht etwas zu stark. Aber in jedem Fall müssen die Betreiber prüfen, wie sie ihre Netze ausbauen können, um den steigenden Bandbreitenanforderungen zu begegnen und gleichzeitig die Kosten im Griff zu behalten.
Diese Entwicklung hat aber natürlich nicht nur etwas mit dem neuen iPad zu tun. Generell werden die Anwendungen auf mobilen Geräten immer beliebter. Im gleichen Maße steigen auch die Anforderungen an die Netze der Betreiber. Laut dem Branchenverband Bitkom sind beispielsweise die über Mobilfunknetze übertragenen Daten im letzten Jahr um 65 Prozent auf 108 Millionen Gigabyte angestiegen.
ITespresso: Was können die Provider jetzt tun?
Der Schlüssel für die Mobilfunkbetreiber wird sein, sicherzustellen, dass die Backhaul-Komponente des Netzwerks das bewältigen kann.
ITespresso: Was soll das Backhaul genau leisten?
Gebhard: Es verbindet die Basisstationen mit dem Core-Netz und hat einen hohen Einfluss auf die Qualität der Dienste. Netzbetreiber müssen ihre Backhaul-Netzwerke optimieren, damit diese in der Lage sind, Dienste mit hoher Bandbreite reibungslos bereitzustellen.
ITespresso: Erwarten Sie, dass es für die Anwender von Smartphones und Tablet-PCs beim Download Engpässe und Datenstau geben wird?
Gebhard: Über kurz oder lang kann das durchaus passieren. Der Absatz von Smartphones sowie von Tablets steigt weiterhin rasant und damit einher geht natürlich auch die Menge der übertragenen Daten. Diesen Fortschritt gibt es allerdings nicht umsonst: Wenn die Netzwerkinfrastruktur, die diese Dienste erst ermöglicht, nicht mit dem Nutzungsverhalten Schritt hält, können Nutzer die neuen Möglichkeiten nicht voll ausnutzen.
Wenn Netzwerkanbieter vermeiden wollen, Kunden an Wettbewerber zu verlieren, die einen schnelleren und stabileren Service bieten, müssen sie bereits heute die richtigen Schritte einleiten.

Mobilgeräte wie Apples iPad mit seinem hochauflösenden Display belasten die Kapazitäten der Mobilfunkprovider. (Foto: Apple)
ITespresso: Wie sehen Sie die Situation der Mobilfunkprovider in Deutschland hinsichtlich Kapazität, Bandbreite und technischer Ausstattung?
Gebhard: Der heute weit verbreitete 3G-Standard HSPA (High Speed Packet Access) ermöglicht prinzipiell die Nutzung von interaktiven mobilen Anwendungen. Deren zunehmende Beliebtheit sorgt für Kapazitätsprobleme im Legacy-Netzwerk, denn vor allem in Ballungszentren kommen die Dienste durch die Bandbreitenbeschränkung bei der HSPA-Übertragung nicht in der nötigen Qualität an. Im Vergleich zum 3G-Netz muss das Backhaul nun viel größere Datenvolumina verarbeiten, insgesamt Hunderte von Megabit pro Sekunde.
Nur wenn das Backhaul leistungsstark genug ist, wird es nicht zum Engpass für den Benutzerkomfort der Kunden kommen. Hier besteht noch Nachholbedarf, besonders wenn die Voraussagen von Analysten und Branchenverbänden zutreffen und die Datenübertragungsraten weiter so enorm ansteigen.
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