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Macht Facebook Xing und Linkedin Konkurrenz?

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Private und berufliche Netzwerke waren bisher getrennte Welten. Facebook für Freunde, Xing und Linkedin für Geschäftspartner und Kollegen. Doch wie lange funktioniert die Trennung noch? Erste Warnsignale gibt es schon. Facebook hat die Chance längst erkannt und ein Mini-Netzwerk für Business-Kontakte eröffnet.

Facebook ist ein Ort für viele schöne Geschichten. Die Teilnehmer des sozialen Netzwerks stellen bunte Bilder hoch, berichten, was sie gerade machen und tauschen Gedanken aus. Bisher war dies alles rein privat. Business-Netzwerke wie Xing oder Linkedin freuen sich darüber, dass die Profis bei ihnen ein- und ausgehen. Im Prinzip ist das auch heute noch so. In den letzten zwei Jahren zeichnet sich aber eine Entwicklung ab, die den Business-Netzwerken künftig Probleme machen könnte.

Facebook als Marketing-Instrument

Es begann damit, dass Unternehmen anfingen, in Facebook auf Kundenfang zu gehen und Imagepflege zu betreiben. Sie wollten näher am Kunden sein und Feedback einsammeln, um auf diese Weise ihre Produkte noch besser zu vermarkten. Selbstständige, Freiberufler und Kleinstunternehmen waren lange skeptisch.

Doch spätestens, seit dem die 500-Millionen-Marke bei den Nutzern überschritten ist – Ende Dezember 2011 waren es 845 Millionen Nutzer -, haben sich auch die meisten der einstigen Facebook-Hasser, darunter viele Freiberufler, Medienprofis und Selbstständige angemeldet. Natürlich, in erster Linie, um einfach zu sehen, was sich auf dem bunten Marktplatz so tut. Und wenn man schon mal auf Facebook ist, trifft man sehr schnell die Leute, die man eigentlich nur beruflich kennt und mit denen man bis dahin höchstens ein paarmal telefoniert hat.

Xing ist die Nummer eins der beruflichen Netzwerke im deutschsprachigen Raum.

Berufliche Kontakte unter Freunden

Da liegt es nahe, sich über berufliche Themen auszutauschen. So gibt es schon eine ganze Reihe von Nutzern, die den Freundeskreis ganz unverhohlen für berufliche Zwecke nutzen. Sie verlinken auf Online-Artikel, bei denen ihre Firma gut dasteht oder weisen auf Trends hin, die zum Produkt-Portfolio des Unternehmens passen.

Macht Facebook auf diese Weise damit schon den klassischen Business-Netzwerken Xing und Linkedin Konkurrenz? Werden die Nutzer der Business-Netzwerke demnächst in Scharen zu Facebook desertieren?

Konkrete Anzeichen hierfür gibt es noch nicht, wohl aber einige Warnsignale.

Zumindest Gruppen, die es bei Xing für den privaten Austausch über Hobbys gibt, beispielsweise über Musik oder Kino, könnten sich irgendwann einmal erübrigen. Schließlich kann man das auf Facebook genauso gut tun.

Laut Linkedin sind viele Mitglieder gar nicht aktiv auf Jobsuche, erhalten aber trotzdem Arbeitsangebote.

Die begrenzte Online-Zeit

Hinzu kommt, dass das bunte Treiben der Freunde in Facebook durchaus einen gewissen Sog entwickelt. Es hat einfach einen hohen Unterhaltungswert zuzusehen, was die anderen so treiben. Die Zeit, die man in Facebook verplempert, fehlt dann irgendwann für die anderen Netzwerke. Das ist selbstverständlich eine Frage der persönlichen Disziplin, aber Online-Zeit ist nun mal ein begrenztes Gut.

Facebook könnte sich so gesehen schon zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten für die klassischen Business-Netzwerke entwickeln. Natürlich ist es noch lange nicht so weit. Zum Beispiel wegen der Datenschutzpolitik von Facebook. Die Regelungen sind für Geschäftsleute inakzeptabel. Hier liegt fürs erste der große Vorteil der Business-Portale. Die Premiumkunden zahlen bei Xing 5,55 Euro pro Monat und bleiben so von Datenschnorrern und lästiger Werbung verschont.

Das Statement von Xing

Auch die Manager von Xing und Linkedin beobachten die Entwicklung in Facebook. ITespresso hat die Unternehmen jeweils um eine Stellungnahme gebeten.

Das Statement von Xing-Sprecher Marc-Sven Kopka fällt selbstbewusst aus: “Xing ist die starke Nummer eins der beruflichen Netzwerke im deutschsprachigen Raum. Wir sind komplementär zu privaten Netzwerken wie etwa Facebook. Selbst wenn es mal um private Dinge geht, ist der Kontext bei Xing immer ein beruflicher. Das ist etwa so, wie wenn Sie in der Kaffeeküche des Unternehmens auch mal über Privates sprechen. So ist unser Produkt gestaltet, darauf ist unser Dienst zugeschnitten.

Aber auch die Tatsache, dass wir einen Schwerpunkt darauf legen, den Mitgliedern Gelegenheit zum ‘echten Kennenlernen’ bei Events und Veranstaltungen zu geben, zeigt, dass es bei Xing um andere Dinge geht als in privaten Netzwerken. Allein im vergangenen Jahr wurden 180.000 Veranstaltungen über Xing arrangiert.

Auch bei der Generation Y – den beruflichen Netzwerkern von morgen – sind wir sehr gut aufgestellt: Wie aus einer Studie von Potentialpark hervorgeht, wird Facebook von den meisten Befragten für private Zwecke genutzt, Xing hingegen zur Kontaktaufnahme mit Unternehmen. Zwischen privaten und professionellen Netzwerken wird es immer einen Unterschied geben.”

 

Das Statement von Linkedin

Linkedin-Manager Ariel Eckstein (Managing Director) glaubt ebenfalls, dass die User Berufliches und Privates trennen: “In erster Linie wollen unsere 150 Millionen Mitglieder ihre beruflichen und privaten Netzwerke auseinanderhalten: In einer global angelegten Umfrage haben 81 Prozent der befragten Linkedin-Mitglieder angegeben, dass sie eine Trennung in berufliche und private soziale Netzwerke bevorzugen. Eine weitere wichtige Anforderung unserer Mitglieder ist die kostenfreie Nutzung des Netzwerks – aktuell haben etwa 90 Prozent eine Basis-Mitgliedschaft.

 

Wir sehen, dass sich Berufstätige selbst dann auf Linkedin anmelden, wenn sie nicht aktiv auf Jobsuche sind. Sie haben so trotzdem Zugang zu einer viel größeren Anzahl an Arbeitsangeboten. Woher das kommt? Laut einer weiteren Studie von Linkedin sind nur 17 Prozent der Berufstätigen aktiv auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. Personalverantwortliche sind daher extrem interessiert an potenziellen Kandidaten, die derzeit nicht über einen Jobwechsel nachdenken – sich aber zum Beispiel über Linkedin kontaktieren lassen.

Eine wirkliche Verschmelzung des privaten und beruflichen Profils sehen wir bei der Mehrzahl der Nutzer noch nicht. Wir sind uns gleichzeitig bewusst, dass wir die Wünsche unserer Mitglieder stets im Auge behalten müssen – sollte sich der Wunsch nach einer größeren Einheit zwischen beruflichem und persönlichen Profil regen, wird Linkedin angemessen reagieren.”

Branchout: Business-Netzwerk in Facebook

Facebook wollte auf Anfrage keine Stellungnahme abgeben. Allerdings bietet das Unternehmen inzwischen selbst ein kleines Business-Netzwerk namens “Branchout” an. Ein Netzwerk der Profis im Netzwerk der Freunde. Ein klares Zeichen, dass Facebook sehr wohl auch die Profis im Blick hat. Keine gute Nachricht für die Manager von Xing und Linkedin.

Branchout ist der Business-Treffpunkt in Facebook.

Statement Social-Media-Experte Ossi Urchs

Dass die saubere Trennung zwischen Beruf und Privatleben nicht mehr lange durchzuhalten sein wird, glaubt auch der Web-2.0-Experte Ossi Urchs. “Früher war die Welt einmal fein säuberlich getrennt: Gearbeitet wurde im Büro, zu Hause sein, bedeutete, die Freizeit zu genießen. Das galt im richtigen Leben, wie in den sozialen Netzwerken des Web: Auf dem Büro-PC lief Xing, daheim traf man Freunde und Verwandte via Facebook. Doch so wie sich in Zeiten von Smartphones und iPad die klaren Grenzen von Arbeit und Freizeit immer mehr auflösen, streben auch immer mehr Kollegen, Kunden und Partner in den Kreis der Facebook-‘Freunde’.

Inzwischen gibt es sogar schon Apps für die Organisation der beruflichen Kontakte auf Facebook, wie etwa ‘Branchout’. Hier macht sich offensichtlich bemerkbar, was Eric Schmidt einmal die ‘Kehrseite des Netzwerk-Effekts’ nannte, eine gewisse Tendenz zur Monopolisierung. Und in der Tat stellen sich immer mehr Menschen die Frage, warum sie mühselig zwei Netzwerke aktiv managen sollen, wenn sowieso auch alle beruflichen Kontakte auf der ehemals nur privat genutzten Plattform zu finden sind.

Ob dies das Ende für Xing und Linkedin bedeutet, hängt allerdings wesentlich davon ab, wie sich Facebook weiterentwickelt: Für Datenschutz-Skandale und allzu unbedenklichen Umgang mit vertraulichen Nutzerdaten ist da kein Platz mehr. Dieses Vertrauen beruflicher Nutzer muss sich Facebook erst einmal (wieder) verdienen.”

Dem ist tatsächlich nichts hinzuzufügen.