KomponentenMobileTabletTestsTests MobileWorkspace

Test: Eee Pad Transformer Prime TF201

0 0 Keine Kommentare

Wer “Tablet” hört, denkt oft instinktiv ans iPad. Bisher ist es keinem Hersteller gelungen, Apple die Vorherrschaft auf dem boomenden Markt für Tablet-PCs streitig zu machen. Die größten Chancen haben Geräte mit Googles Android als Betriebssystem. Allerdings: Bis jetzt hat noch keines aus der Masse herausgestochen. Mit dem Eee Pad Transformer Prime hat sich das jetzt aber geändert.

Mit einer sauberen Verarbeitung, schicker Alu-Optik, potenter Ausstattung und der Idee, einen Tablet-PC bei Bedarf flott in ein Notebook zu verwandeln, rüttelt Hersteller Asus am Thron von Apple. Das iPad wird wohl kaum so schnell herunterfallen, doch es wird ungemütlicher dort oben – wie unser Test zeigt. Ausgeliefert wird das Eee Pad Transformer Prime mit Android 3.2, eine Version, die schon über ein halbes Jahr alt ist. Per WLAN-Verbindung gelingt aber ein schnelles Update auf Android 4.0.3, immerhin die zweitaktuellste Fassung von Googles mobilem Betriebssystem.

Die Bedienung ist an den Einsatz auf Tablet-PCs angepasst und muss sich kaum hinter der äußerst intuitiven Benutzerführung von iOS verstecken. Hier hat Google vor allem im Gegensatz zu Android 2.x, das tatsächlich noch auf einigen Tablets vorinstalliert wird, dazugelernt. Asus hat die Benutzeroberfläche wiederum selbst weiter angepasst – typisch für das Android-Universum mit seinen zahlreichen Geräten von vielen verschiedenen Herstellern. So kommt das Transformer zum Beispiel mit einer eigenen Bildschirmtastatur, die sich bequemer nutzen lässt als das Standard-Keyboard von Android. Zudem können User mit wenigen Handgriffen einen Screenshot erstellen und über ein spezielles Widget schnell zu den Einstellungen gelangen. Asus installiert einige Apps vor – etwa ein brauchbare Office-Anwendung und ein Zugangs-Tool zum eigenen Cloud-Speicher (8 GByte gibt es gratis).

Kein GPS trotz GPS-Empfänger
Asus liefert das Eee Pad Transformer Prime in zwei Versionen aus: Für 599 Euro gibt es entweder die 32-GByte-Fassung mit Docking-Station (Details dazu weiter unten) oder die 64-GByte-Variante ohne Dock. Immerhin ist diese separat für etwa 150 Euro erhältlich.

Das Tablet besticht durch sein scharfes ISP-Display im 16:10-Format mit einer Auflösung von 1280 x 800 Pixeln. Zwar spiegelt der Bildschirm sehr stark, doch ist das mittlerweile bei fast allen Tablet-PCs und auch Notebooks der Fall. Die Hersteller geben hier den knackigen Farben Vorzug vor der Möglichkeit, bei sonnigem Wetter unter freiem Himmel zu arbeiten. Allerdings: Dank des sehr hellen Displays – es erreicht einen Wert von überragenden 580 Candela pro Quadratmeter – lässt es sich auch bei heller Umgebung vergleichsweise gut ablesen.

Die Rückseite besteht aus Aluminium, was nicht nur edel aussieht und hässliche Fingerabdrücke verhindert, sondern sich auch gut anfasst. So liegt der Tablet-PC trotz seiner Tiefe von nur 8 Millimetern angenehm in der Hand. Aber es gibt auch Nachteile, denn scheinbar dämpft das Alugehäuse die Funkverbindungen. Im Test wurden nicht alle Drahtlosnetzwerke in der Umgebung angezeigt, deren Empfang auf zwei Windows-Notebooks und einem Android-Smartphone keine Probleme bereiteten. Zugegeben: Dabei handelte es sich um schwache Signale. Der GPS-Empfänger macht deutlich mehr Probleme: Selbst nach zehn Minuten konnte der Testkandidat nur einen einzigen Satelliten ausfindig machen – zu wenig für eine Positionsbestimmung. Asus hat das Problem mittlerweile bestätigt. Da auch das Update der GPS-Firmware keine echte Abhilfe schaffte, wurde diese Funktion einfach aus den Spezifikationen entfernt. Offiziell taugt das Transformer Prime also nicht zur Standortbestimmung – peinlich!

Hochleistungs-Androide
Zu Gute kommt dem Transformer Prime eindeutig sein starkes Herz(-stück): der Nvidia Tegra 3. Die Quadcore-CPU mit jeweils 1,4 GHz und einer speziellen Grafikeinheit erreicht in Kombination mit 1 GByte Arbeitsspeicher und Android 4 Spitzenwerte – zumindest im Vergleich zu anderen Android-Tablets. Denn immer noch ist das iPad in Sachen Performance das Maß aller Dinge. Das zeigte auch unser Benchmark, bei dem Apples Tablet durchweg vorne lag (siehe Messergebnisse unten). Diese Daten deckten sich auch mit unserem subjektiven Empfinden: Zwar reagiert das Asus-Tablet beim Navigieren durch die Menüs und Startbildschirme flotter als alle bisher gesehenen Android-Tablets. Aber was das Zoomen und den Wechsel zwischen Hoch- und Querformat angehen, reicht es nicht an Apple heran. Trotzdem: Das Transformer Prime ist für die Android-Welt ein großer Schritt nach vorne.

Und weil der Tegra-3-Chip nicht immer mit voller Leistung arbeitet, sondern je nach Anforderung taktet und für einfache Rechenaufgaben sogar einen schwächeren, aber Energie sparenden Prozessorkern besitzt, legt auch die Akkulaufzeit gute Werte hin: Im Dauereinsatz als Videoplayer bei mittlerer Helligkeit waren es immerhin sechseinhalb Stunden, bis der Akku (3300 mAh) wieder ans Ladekabel musste. Bei weniger anspruchsvollen Tätigkeiten kratzt die Laufzeit an der 10-Stunden-Marke, was für ein Tablet mit dieser Ausstattung ausgesprochen gut ist.

Nur UMTS fehlt
Apropos Ausstattung: Ein UMTS-Modem hat Asus nicht eingebaut. Internet per Mobilfunknetz geht also nicht direkt. Zwei Lösungen sind aber denkbar: Das Tethering über das Smartphone macht Surfen mit der – durchs Handy erreichbaren Höchstgeschwindigkeit, etwa über LTE-Netze – möglich. Und die Installation einer USB-Lösung ist über die Dockingstation erreichbar. Auch die ist mobil, doch sie macht das Gerät definitiv schwerer: Zu den 586 Gramm für das Pad kommen noch 537 Gramm für das „Mobile Dock“ hinzu. Doch mit zusammen 1,12 Kilogramm erreicht das Eee Pad Transformer Prime immer noch die ultraleichten Notebooks.

Das Pad verfügt immerhin über zwei Kameras: Die Linse auf der Rückseite kommt mit LED-Blitz und schießt Fotos mit 8 Megapixeln. Bei gutem Licht sind diese sehr gelungen. Aber wie bei so vielen Kameras in Tablets und Smartphones kommt es bei Aufnahmen im Dämmerlicht zu Bildrauschen. Daher sollte man die Digicam eher für spontane Schnappschüsse nutzen – so spontan man mit einem Tablet-PC eben sein kann. Hinzu kommt eine 1,2-Megapixel-Kamera für Videochats über dem Display. Auf der linken Seite finden Benutzer zudem einen Einschub für microSD-Karten sowie einen Mini-HDMI-Port. Letzterer zaubert auch 1080p-Videos auf einen entsprechenden Monitor. Das ist mehr, als das interne Display schafft. Auf der rechten Seite ist schließlich der Kopfhörerausgang, auf der Unterseite der Anschluss für das Netzkabel – leider ein proprietäres Modell. Kurios: Mit einem anderen als dem mitgelieferten USB-Netzteil konnten wir den Testkandidaten nicht aufladen.

Aus Tablet mach Netbook
Die ansteckbare Docking-Station bietet eine ganze Reihe von Annehmlichkeiten: Auf der Tastatur lässt sich trotz des engen Rasters angenehm tippen – vielleicht nicht ganz so schnell wie auf einem guten Notebook-Keyboard, aber die Tasten haben einen klaren Druckpunkt. Über die obere Reihe erreicht der Benutzer spezielle Funktionen, um etwa den Bildschirm heller/dunkler zu machen, WLAN und Bluetooth ein-/auszuschalten und den Browser zu starten. Allerdings ist die Auswahl nicht sehr gut durchdacht, denn eine eigene Taste für Screenshots kommt sicher nur selten zum Einsatz. Dafür fehlt aber die Entfernen-Taste, was wohl öfter stören dürfte. Mit dem Trackpad steuert man den Mauszeiger über den Touchscreen, alternativ lässt sich eine Computermaus anschließen – sehr praktisch. Denn die Docking-Station bietet einen vollwertigen USB-2.0-Port, an dem man auch USB-Sticks anschließen und sofort nutzen kann. Davon dürfen Apple-User nur träumen. Ebenfalls an Bord sind ein SD-Kartenleser und vor allem ein zusätzlicher Akku (2900 mAh). Damit verdoppelt sich die Kapazität beinahe und die Laufzeit steigt auf bis zu 15 Stunden – das ist mehr als ordentlich.

Fazit
Das Asus Eee Pad Transformer Prime ist derzeit das beste Android-Tablet auf dem Markt. Leistung, Akkulaufzeit und Ausstattung sind sehr gut. Einziger Schwachpunkt ist der kaum brauchbare GPS-Chip, der – so paradox es klingt – unter der hochwertigen Verarbeitung des Gehäuses leidet. In Verbindung mit Android 4 ist das Tablet ein ernstzunehmender Konkurrent fürs iPad, auch wenn es nicht ganz dessen Performance erreicht. Mit der Docking-Station verwandelt es sich in ein Netbook, mit dem man vernünftig arbeiten kann.

Eee Pad Transformer Prime TF201
Hersteller: Asus
Internet: www.asus.de
Preis: 599 Euro (32 GByte mit Dock, 64 GByte ohne Dock), 150 Euro (Dock)

ITespresso.de-Logo Gut

Note: gut
Akku-Laufzeit (20%): sehr gut
Leistung (25%): gut
Bedienung (20%): sehr gut
Ergonomie (10%): sehr gut
Ausstattung (25%): gut

Technische Daten
Betriebssystem: Android 4.0.3 (Ice Cream Sandwich)
Display: 10,1 Zoll kapazitiver Touchscreen, 1280 x 800 Pixel, 16:10
Prozessor: Nvidia Tegra 3 Quadcore (1,4 GHz)
Arbeitsspeicher: 1 GByte
Speicher: 32 oder 64 GByte, erweiterbar durch microSD-Karte (zusätzlicher SD-Kartenleser im Dock)
Abmessungen: 263 x 181 x 9 (mit Dock x 20 Millimeter)
Gewicht: 589 Gramm (mit Dock 1134 Gramm)
Anschlüsse: 3,5-mm-Klinke (für Kopfhörer oder Mikrofon), Mini-HDMI, microSD-Karten-Slot (Dock: USB 2.0, SD-Karten-Slot)
Connectivity: Wi-Fi 802.11b/gn@2,4 GHz, Bluetooth 2.1+DER, GPS
Webcam:  8 Megapixel mit LED (Rückseite), 1,2 Megapixel (Vorderseite)
Bedienelemente:  Lautstärkewippe, Ein/Aus-Taster (Dock: vollwertige Tastatur, Schieber zum Lösen der Arretierung)

Benchmarks:
GLBenchmark 2.1 (3D-Performance): Eee Pad / iPad 2 (Bilder pro Sekunde*)
Egypt Standard 50 / 59
Egypt High: n.a. / 59
Egypt Offscreen: 62 / 90
Pro Standard: 55 / 60
Pro High: n.a. / 59
Pro Offscreen: 76 / 147
* je höher, desto besser

Sunspider (JavaScript-Performance*)
Eee Pad: 2500 Millisekunden
iPad 2: 1793 Millisekunden
* je kürzer, desto besser

Bildergalerie Transformer Prime:

no images were found