Wohin will Google mit seinem Chrome-OS wirklich?

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Die Entwicklung des Cloud-Betriebssystems zieht sich, und Versuche, es zusammen mit Hardwareherstellern zum erfolgreichen Produkt zu machen, stoßen bislang nicht gerade auf großes Interesse bei den Käufern. Dennoch experimentiert Google weiter, nun auch gemeinsam mit dem Partner Sony. Die Bemühungen sind nicht umsonst: Möglicherweise tröpfeln sie als einzelne Funktionen in andere Produkte ein.

Anfangs sah es so aus, als ob Google mit ChromeOS auf den Trend zum Cloud Computing setzt: Ein Betriebssystem, das selbst ein intelligenter Webbrowser ist, sollte wohl unabhängig von Hardware den Weg zu den im Rechenzentrum gehosteten Anwendungen ebnen.

Schon im Dezember 2010 ließ sich Google vom taiwanischen Auftragsfertiger Inventec das erste ChromeOS-Notebook »Cr 48« (im Namen von Google-Partner Samsung) liefern, um es an Tester zu verteilen. Ausgetestet wurden vor allem die Probleme mit der Online-Verbindung – denn ein Cloud-Betriebssystem benötigt eine ständige Internet-Verbindung – ein Problem, das auch die VPN-Nutzung per Mobilfunk mit sich bringt.

Wechselt die Funkzelle im Mobilfunknetz, muss die Verbindung irgendwie aufrechterhalten werden, der Status offline gespeichert – oder kurze Unterbrechungen erlauben und sie »stoßweise« ins Rechenzentrum übertragen, sobald die Verbindung wieder da und abgesichert ist.

Dieses technische Problem scheint noch nicht ganz gelöst zu sein. Zwar haben die Google-Entwickler zusammen mit den Hardware-Herstellern Acer und Samsung erste ChromeOS-Notebooks produziert, doch diese waren kein großer Erfolg. Offenbar scheinen die Nutzer lieber »richtige« Betriebssysteme zu nutzen, und zum Kostensparen bei Client-PCs eignen sich Virtualisierungslösungen von Microsoft, VMWare und anderen hervorragend. Wer benötigt da noch ein reines Cloud-Betriebssystem, wenn er all die Power eines physischen Rechners als virtuelle Lösung erhalten kann?

Der Versuch, durch ein reines Online-Betriebssystem die Unternehmenskunden zu erreichen, war zu weit vorausgedacht – virtuelle Rechner auf dem Firmenserver mit preiswerten Thin Clients gepaart lösen die Problematik zahlreicher Firmen bereits.

Und so sucht Google nach weiteren Wegen, sein System fest im Markt zu etablieren – so, wie es im Mobilfunk bereits mit Android gelungen ist. Der Internet-Riese experimentiert mit verschiedenen Hardware-Modellen, vom sagenumwobenen und wenig erfolgreichen Google TV bis zu intelligenten Stereoanlagen oder kleinen PDAs – zumindest hatte Google seine Prototypen dafür bei der Telekommunikationsbehörde FCC angemeldet. Ob hier ChromeOS zum Einsatz kommen soll, ist jedoch noch keineswegs ausgemacht.

Die Versuche, dennoch im Notebook-Geschäft mit dem eigenen System Fuß zu fassen, laufen trotz anderer Bemühungen unermüdlich weiter. So hat sich nun auch Sony zu Wort gemeldet und kündigt ein »Chromebook« an. Die Dokument dazu seien bereits im September eingereicht worden, berichtet TechweekEurope, doch publiziert wurden sie erst vor Kurzem: Darin steht, das Sony Vaio VCC11 erwähne die Funktion »Starte mit ChromeOS« – das klingt, als habe der japanische Hersteller ein Dualboot-System entwickelt, das auch noch ein anderes Betriebssystem starten kann, wenn denn erwünscht.

Das Chrome-Betriebssystem gewinnt durch den neuen Anbieter Sony wieder Gewicht in den Medien, aber bei potenziellen Kunden mangelt es noch an Interesse. Chrome-OS-Geräte verwalten bislang weder lokalen Speicher noch funktionieren sie ohne Onlineverbindung.

So schreibt Joe Brockmeier von ReadWriteWeb nicht ohne Grund: »Früher oder später ist ChromeOS zum Sterben verurteilt

Doch noch ist nicht alle Hoffnung aufgegeben: Die Entwicklungen des »Chromium«-Projektes fließen auf die eine oder andere Art auch in Android ein – und kommen so eventuell unter anderem Namen auf den Markt.

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