Google verliert große Kunden an OpenStreetMap

Open SourceSoftware

Websites, die bislang Google Maps in ihre Angebote integriert haben, klagen über die von Google Ende 2011 eingeführten Gebühren. Sie suchen nach Alternativen und wenden sich oft OpenStreetMap zu.

Ende vergangenen Jahres hatte der Google die Lizenzbedingungen für kommerzielle Nutzer seines Kartendienstes geändert. Dadurch wurde die kostenlose Nutzung eingeschränkt: Wenn über 90 Tage hinweg täglich über 25.000 Kartenansichten abgerufen werden, ist der Dienst nicht mehr kostenffrei, sondern wird kostenpflichtig. Laut Google soll das nur 0,35 Prozent aller Websites betreffen, die Google Maps einsetzen. Das seien rund 4000 Kunden.

Vielen davon ist das Angebot nun aber zu teuer. Sebastian Delmont vom Immobiliensuchdienst StreetEasy rechnete in einem Blogeintrag vor, dass sein Dienst jährlich bis zu 800.000 Dollar beahlen müsste. Die Google-Vertreter hätten zwar Nachlässe angeboten, aber die Forderung sei noch immer viel zu hoch gewesen.

StreetEasy entschied sich, seine eigenen Karten zu entwickeln und dabei auf Angebote wie OpenStreetMap und MapBox zurückzugreifen. Dabei gehe es nicht nur um das Geld, sondern auch um eine bessere Kontrolle über die Kartenansichten: Mit den nicht an Google abgeführten Gebühren lasse sich laut Delmont mehr als ein guter Entwickler bezahlen, um die Karten anzupassen, damit sie nicht aussehen wie alle anderen Kartendarstellungen online.

Ein noch prominenterer Abgang ist Foursquare. Der Dienst will in Zukunft ebenfalls die Open-Source-Alternative OpenStreetMap (OSM) nutzen. Deren Kartendaten entstehen aus der Mitarbeit zahlreicher freiwilliger Unterstützer, die sie auch laufend aktualisieren. Die OpenStreetMap Foundation kann inzwischen auf 500.000 registrierte Nutzer verweisen.

Steve Coast, der Gründer von OpenStreetMap, ließ sich vor rund 16 Monaten von Microsoft anwerben, das inzwischen OSM zu unterstützen scheint, um Google Maps etws entgegensetzen zu können. Die New York Times berichtet unter Berufung auf Branchenquellen, Coast sei zwar bei Bing Maps tätig, arbeite aber an Open-Source-Software, die Entwicklern die Nutzung von OpenStreetMap erleichtern soll. Während Google Geldspenden für OSM tätigte, habe Microsoft dem Projekt weit wertvollere Kartendaten geschenkt.

Von Google Maps ein Stück weit entfernt hat sich auch Apple, das mit der neuen iOS-Version von iPhoto erstmals auf einen anderen Kartenanbieter setzt. Die Mobilvariante der Bildbearbeitung nutzt anders als das Desktop-Pendant OpenStreetMap. Dem Beispiel könnten zahlreiche weitere Nutzer von Google Maps folgen. Die neue Gebührenstruktur gilt erst seit Anfang des Jahres und sieht eine Schonfrist von 90 Tagen vor.

[mit Material von Bernd Kling, ZDNet.de]

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