CeBIT auf wackeligem Kurs

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Angesichts sinkender Besucherzahlen und starker Konkurrenz durch IFA, CES und MWC verlor die CeBIT in den letzten Jahren an Bedeutung. 2012 hat sich die Messe wenigstens teilweise erholt. Der Erfolg steht aber auf wackligen Beinen. Die CeBIT braucht neue Konzepte – und ein gutes Online-Angebot.

Eigentlich geht es immer zu schnell. Wochenlang hatten News-Portale ihre Seiten mit CeBIT-Vorberichterstattung gefüllt. Doch kaum beginnt die eigentliche Veranstaltung, ist sie schon wieder zu Ende. Seit Samstagabend ist die CeBIT 2012 Geschichte. Die Deutsche Messe AG zeigt sich zufrieden.

Die CeBIT war in den letzten Jahren immer mehr ins Visier der Kritiker geraten. Was musste sich der Veranstalter nicht alles anhören. Die sinkenden Besucher- und Ausstellerzahlen wurden als Indiz genommen, dass sich die Messe überlebt hat. Die glamouröse IFA in Berlin, die CES in Las Vegas und nicht zuletzt der Mobile World Congress (MWC) schienen der alten Tante aus Hannover den Rang abzulaufen.

CeBIT war gestern. IT-Profis und Experten treffen sich jetzt auf Roadshows und Hausmessen, das war der allgemeine Tenor.

Doch so pessimistisch und abfällig, wie sich viele Kritiker in den letzten Jahren geäußert haben, konnte man schon das Gefühl bekommen, dass hier das Aushängeschild des Hightech-Standorts Deutschlands allzu leichtsinnig niedergemacht wurde.

Vielleicht waren einige Aussteller auch nur sauer wegen der hohen Standmieten, die die Deutsche Messe in den Boomzeiten nehmen konnte.

Nach Jahren der Stagnation hat sich die CeBIT wieder etwas erholt und gilt nach wie vor als die wichtigste Veranstaltung für IT-Profis. (Foto: Deutsche Messe)

 

Seit 2011 ist die CeBIT wieder stabil

Trotz aller in Teilen auch berechtigter Kritik. Für den Hightech-Standort Deutschland ist die CeBIT nun mal das Beste, was wir haben. Seit 2011 hat sich die Veranstaltung wieder stabilisiert und es geht langsam aufwärts.

Die CeBIT hatte auch dieses Jahr in etwa so viele Besucher und so viele Aussteller wie 2011. Insgesamt kamen vergangenes Jahr 339 000 Besucher aus 90 Nationen auf die Messe. Dieses Jahr waren es 4200 Unternehmen aus 70 Ländern und ebenfalls über 300 000 Besucher. Durch den Streik dürften einige Tausend potenzielle Besucher ferngeblieben sein.

Den irrsinnigen Andrang wie zur Jahrtausendwende wird es mit Sicherheit nicht mehr geben. Zur Erinnerung: 2001 kamen 830 000 Menschen.

Auch die Heimanwender werden auf der CeBIT nicht mehr so mit tollen Produktneuheiten verwöhnt wie früher. Was Technik-Gadgets, Notebooks und Smartphones betrifft, haben CES und Mobile World Congress schon das meiste abgeräumt.

Keine Frage, die Messe ist kleiner geworden. Man könnte auch sagen, sie hat sich gesundgeschrumpft. Für Profis und Geschäftsleute ist sie aber immer noch das wichtigste Branchenereignis des Jahres.

Geschäftspartner aus dem Ausland

Auch Geschäftspartner aus dem Ausland sehen offenbar keinen Grund, der CeBIT fernzubleiben. So war die wirtschaftlich erstarkende Türkei 2011 Partnerland, der türkische Ministerpräsident Erdogan kam persönlich zur Eröffnung. Dieses Jahr konnte Brasilien als Partnerland gewonnen werden und Präsidentin Dilma Rousseff machte ihre Aufwartung. Benötigt man mehr Beweise dafür, dass die deutsche IT-Messe auch international geschätzt wird?

CeBIT online

Allerdings werden sich die Veranstalter etwas einfallen lassen müssen, um die verhalten positive Entwicklung halten zu können.Sie könnten beispielsweise versuchen, denjenigen, die keine Möglichkeit haben, nach Hannover zu kommen, eine Plattform zu bieten. Denkbar wäre eine Art CeBIT online. Erste Ansätze dazu gibt es ja schon, beispielsweise mit Web TV-Formaten wie Studio Mittelstand oder den Live-Video-Streams von der Eröffnungsveranstaltung und großen Pressekonferenzen.

Diese Angebote sollte man noch deutlich ausbauen. Etwa, indem die Aussteller auf den Webseiten der CeBIT ihre Produkte und Services vorstellen, Live-Demos und Videos zeigen und Chat-Foren einrichten, in denen Spezialisten Fragen beantworten. Dann könnten auch diejenigen Hightech-Interessierten ihren Informationshunger stillen, die keine Zeit haben, vier Tage lang auf dem Messegelände im Halbstundentakt von Termin zu Termin zu hetzen.

Möglicherweise basteln die Verantwortlichen sowieso schon daran, ihr Online-Angebot auszubauen. Das ist dringend nötig. Denn der Druck von Konkurrenz-Veranstaltungen wie der »Handy-Messe« MWC in Barcelona wird die nächsten Jahre noch stärker werden. Nur mit den in der IT-Branche so viel beschworenen Innovationen wird die CeBIT ihre Bedeutung als Aushängeschild des Hightech-Standorts Deutschland behalten.