Windows-8-Tablets brauchen Apps, Kampfpreise und einen angeschlagenen Androiden

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Nicholas Kolakowski erklärt, wie Microsoft Apple ein Stück seines Tablet-Marktanteils abjagen kann.

Was muss Microsofts Betriebssystem Windows 8 mitbringen, um den Tablet-Markt zu erobern? Antwort: einen attraktiven Einstiegspreis und vollen Funktionsumfang, außerdem muss Googles Android etwas an Strahlkraft verlieren.

Für Tablets wie für alle anderen Produkte auf dieser Erde gilt: sie verkaufen sich normalerweise besser, je weniger verfügbares Einkommen für ihren Kauf eingesetzt werden muss. Laut neuen Schätzungen der Marktforschungsfirma IHS hat sich für Amazon die Entscheidung, den Kindle Fire für 199 US-Dollar (ca. 150 EUR) anzubieten, ordentlich ausgezahlt; im vierten Quartal letzten Jahres verkaufte das Unternehmen davon 3,9 Millionen Stück. Obwohl Amazon damit deutlich hinter Apple liegt, das im selben Zeitraum 15,4 Millionen iPads absetzte, konnte sich das Online-Versandhaus damit vor allen anderen Unternehmen in dieser Sparte platzieren.

Der Preis muss sinken

Darüber hinaus könnte der niedrige Einstiegspreis für den Kindle Fire anderen Android-Tablets auf dem Markt empfindlich schaden. “Die gestiegenen Absatzzahlen für die iPad-Konkurrenten im vierten Quartal wurden mit erheblichen finanziellen Einbußen erkauft”, schreibt die IHS-Analystin Rhoda Alexander im Begleitmaterial zu den Marktzahlen. „Dabei wurden die Preise für die meisten der miteinander konkurrierenden Android-Tablets durch die Bank gesenkt, eine Reihe von Herstellern haben sogar Geräte im Rahmen von Marketing-Aktionen für andere elektronische Produkte verschenkt.“

Trotz seines eindrucksvollen Marktanteils bei mobilen Betriebssystemen stehen dem Androiden erhebliche Herausforderungen seitens seiner Wettbewerber bevor. Microsoft behauptet, dass Android seine Patentrechte verletzt und konnte damit eine wachsende Anzahl von Herstellern dazu verpflichten, Lizenzgebühren für jedes verkaufte Android-Gerät zu zahlen. In der Zwischenzeit setzt Apple seinen kostspieligen Kreuzzug fort, die Anbieter des Betriebssystems (von dem der kürzlich verstorbene Steve Jobs behauptete, dass es sich dabei um ein „gestohlenes“ Produkt handeln würde) solange zu verklagen, bis sie in Vergessenheit geraten.

Dies könnte sich für Microsoft im großen Stil auszahlen. „Im Kielwasser der Kampfpreise, die mit dem Kindle Fire und dem Nook ihren Einzug in den Markt hielten, und angesichts der bevorstehenden Übernahme von Motorola Mobility durch Google“, heißt es bei IHS in den Anmerkungen, „richten Hersteller und Marken-Anbieter ihr Augenmerk auf Windows 8 als eine profitablere Alternative.“

Egal ob Android schwächelt oder nicht: damit Windows 8 auf Tablet-PCs zu einer Erfolgsgeschichte wird, müssen auf jeden Fall noch weitere Faktoren stimmen. Einer davon ist die Erschwinglichkeit. Wenn die letzten beiden Jahre eines gezeigt haben, dann ist es die Tatsache, dass Tablets, die sich preislich auf einer Linie mit dem iPad befinden, es schwer haben, bei Verbrauchern und Unternehmen Anklang zu finden. Tatsächlich ist es so, dass das einzige Kriterium, der zuverlässig bei Produkten wie den PlayBooks von Research in Motion und den TouchPads von Hewlett-Packard für Käuferanstürme sorgte, ein massiv gesenkter Preis war. Beim Kindle Fire kann man ebenfalls das Argument ins Feld führen, dass sein Kostenpunkt von 199 US-Dollar der Hauptgrund für den Erfolg dieses Produktes im vierten Quartal war, und nicht unbedingt der einfache Zugang zu einer Vielzahl von Streaming-Angeboten und E-Books.

Zusammengefasst heißt dies, dass Windows-8-Tablets das iPad preislich unterbieten müssen, besonders dann, wenn Microsoft und seine Partner Apple schnell Marktanteile abtrotzen wollen.

Der App-Markt braucht mehr Auswahl

Zweitens müssen Windows-8-Tablets den vollen Funktionsumfang bieten. Wenn es eine weitere Lektion gibt, die die Tablet-Branche den Herstellern erteilt hat, dann die, dass Tablets, die über schmale App-Ökosysteme verfügen, oft kurz nach ihrer Markteinführung auf spektakuläre Weise scheitern. Microsoft scheint sich dieses Problems bewusst zu sein. Seit Monaten ermutigt das Unternehmen Entwickler, Apps für den Windows 8 App Store zu erstellen. Darüber hinaus wird Windows on ARM (die Architektur, die hinter den meisten Tablets, die heutzutage auf dem Markt erhältlich sind, steckt) eine modifizierte Version der nächsten Office-Ausgabe enthalten, die den Decknamen „Office 15“ trägt. Mit diesem vollem Funktionsumfang – „keine Kompromisse“, wie die Führungsriege von Microsoft gerne betont – will der Konzern Windows-8-Tablets sowohl von Mitbewerbern wie dem Kindle Fire, das im Prinzip als mobile Verkaufsplattform für Amazon-Content dient, als auch von Android-Tablets, deren Funktionsumfang möglicherweise nicht ganz so opulent ausfällt, absetzen.

Die größte Frage ist, ob Windows 8 sich gegen das iPad mit seiner erstklassigen Hardware, einem riesigen App-Ökosystem und einer millionenstarken Nutzerbasis durchsetzen kann. Selbst wenn Microsoft wie gehabt reagiert, auf seinen langen Atem verweist und dabei über Jahre hinweg enorm viel Geld und Aufwand investiert, um größere Stücke des Marktes zu erobern, wird Apple sich selbst für geringe Zuwächse bei den Marktanteilen mächtig ins Zeug legen.

(Quelle: eWEEK USA 2012. Ziff Davis Enterprise Inc.)