E-Schrott: Belastung oder wertvolle Ressource?

Green-ITInnovation

Elektronikschrott ist problematisch. Aber die Lösung könnte elektronischen Geräten einen menschlicheren Lebenszyklus verschaffen, der Rohstoffe spart und die Lebensqualität erhöht, sagt Peter Judge.

Seit vielen Jahren wird Elektroschrott als Problem empfunden, aber was wäre, wenn wir unsere Einstellung dazu ändern und diese Art von Abfall als Ressource wahrnehmen würden?

Sich mit ausrangierten Geräten herumschlagen zu müssen ist das Letzte, was viele von uns tun wollen. Neben der Hardware müssen wir uns darüber hinaus auch über Sicherheitsfragen Gedanken machen und gewährleisten, dass keine geschäftlichen oder persönlichen Informationen auf den Geräten verbleiben. Aber wenn man sich der Verantwortung stellt, kann dies in der Tat befriedigend sein.

Eine wahre Fundgrube für Edelmetalle
Wenn wir mit E-Schrott klug umgehen würden, brächte dies sowohl der Wirtschaft als auch der Umwelt Vorteile. Ein solches Verhalten würde zu einem nachhaltigen Lebenszyklus für elektronische Geräte beitragen, was darüber hinaus auch die Rechte derjenigen Menschen stärken würde, die diese Geräte fertigen und entsorgen.
Das Verbraucherverhalten zeigt deutlich das Problem auf, dass sich aus unserer Ignoranz ergibt. In Großbritannien werden jedes Jahr 17 Millionen Handys und andere Elektronikgeräte im Hausmüll entsorgt, obwohl es Verwertungssysteme dafür gibt; bei den meisten davon wird sogar in der einen oder anderen Form eine Vergütung für diejenigen Geräte angeboten, die noch funktionsfähig sind.

In der Geschäftswelt stellt sich die Sachlage auf beängstigende Weise ähnlich dar – nur ist dort der Maßstab größer und es fällt mehr Papierkram an.

Der Wert von ausrangierten IT-Geräten an sich ist recht hoch. Sie können kommerziell wiederverwendet oder gespendet werden, wie zum Beispiel der gemeinnützigen Organisation Computer Aid, die PCs und Handys wieder instand setzt, die dann in Entwicklungsländern einen zweiten Frühling erleben.

Falls das Gerät nicht mehr reparabel ist, kann es als Alternative dazu entsorgt werden; die darin enthaltenen Edelmetalle werden zurückgewonnen. Metalle wie Gallium, Indium und Selen sind knapp, und für sie gelten nicht die üblichen Regeln von Angebot und Nachfrage. Es handelt sich dabei um „Trittbrettfahrer“-Elemente, im Prinzip sind es Nebenprodukte aus der durch Industrieriesen betriebene Kupfer-, Aluminium- und Zinkherstellung, daher kann die Produktion nicht einfach durch intensiveren Bergbau und ergiebigere Abbauverfahren erhöht werden.

Da Elektroschrott einen höheren Anteil an diesen Metallen hat als kommerziell nutzbare Erzvorkommen, ist es offensichtlich, dass E-Schrott nun eine wichtige natürliche Ressource darstellt, notwendig für die Herstellung der nächsten Generation von elektronischen Geräten.

Natürliche Ressource
Angesichts dieser Tatsache es ist überraschend, dass eine gesetzliche Richtlinie wie die europäische WEEE-Verordnung (Waste Electrical and Electronic Equipment) überhaupt nötig ist. Dieser Krempel ist so wertvoll, dass man uns erst gar nicht sagen müsste, dass wir ihn wiederverwerten sollen! Wie wir wissen, sind die meisten Menschen aber nur halbherzig bei der Sache, wenn es ums Recyceln geht, daher legt diese Richtlinie den Prozentsatz an Elektronikschrott fest, der der Wiederverwertung zugeführt werden soll.

Dieser Ansatz wird dafür kritisiert, dass darin das Potenzial für Abfallwiederverwendung nicht ausgeschöpft wird und dass ein bürokratisches System geschaffen wird, das „Geschäftemacher“ anzieht. Unternehmen sind dazu verpflichtet, sicherzustellen, dass ihr Elektronikschrott einen richtlinienkonformen Prozess durchläuft, was zur Folge hat (sagen manche), dass Abfallverwerter die Möglichkeit haben, Preise festzulegen, die den Materialwert des Abfalls nicht berücksichtigen.

Wie immer bei solchen Systemen ist es einfacher, Kritik zu üben an derartigen gesetzlichen Richtlinien, anstatt eine Alternative anzubieten. Ohne Rechtssprechung würde die Geschäftemacherei noch stärker ins Kraut schießen und noch mehr Abfall würde schließlich in giftigen Abfallaufbereitungsanlagen in Entwicklungsländern landen.
In diesen Anlagen, in Ländern wie zum Beispiel Ghana, werden elektronische Geräte in einer toxischen Umgebung zerlegt. Der Wert von Elektronikschrott ist wohlbekannt, der Wert eines menschlichen Lebens nicht, und es gibt viele Opfer.

In gewisser Weise sind diese Anlagen ein Spiegelbild zu denjenigen, in denen diese Elektronikgeräte hergestellt werden. Es hat den Anschein, als würden diese Geräte unter ausbeuterischen Bedingungen in den neuen Volkswirtschaften im Fernen Osten hergestellt, dann in die Industriestaaten transportiert und wenn sie im Müll gelandet sind, finden sie ihren Weg zurück in die Entwicklungsländer, wo die Verwertung dieser Technik-Spielzeuge noch mehr Leid verursacht.
Die Entsorgung in der Dritten Welt ist meist illegal, während die Herstellungsprozesse normalerweise durch lokale Gesetze geregelt sind, aber die Proteste gegen das Unternehmen Foxconn, das Geräte für Apple und viele andere Firmen fertigt, haben gezeigt, dass die Arbeitsbedingungen in den Fabriken deutlich härter sind, als wir es beiEntwicklungsländern akzeptieren würden.

Elektronikschrott wird auch in Zukunft ein Problem darstellen. Es handelt sich dabei um ein Problem, das nur gelöst werden kann, wenn wir uns der größeren Frage stellen, nämlich wie wir den Lebenszyklus unserer Geräte handhaben, zusammen mit den Materialien, die dafür nötig sind … und den Leben der Menschen, die sie fertigen und entsorgen