»Was Apple für Consumer ist, ist IBM fürs Business«

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IBM hat zum Jahresauftakt seine Verkaufsstrategie präsentiert: Im Mittelpunkt stehen die Themen smarter Commerce und soziale Netzwerke.

Der Channel Kick-Off von IBM am 2. Februar 2012 in Mannheim, auf dem IBM seine Strategie für 2012 vorstellte, wurde überschattet von der Meldung des »Handelsblatts« am Tag zuvor, das Unternehmen wolle sich von bis zu 8.000 Mitarbeitern trennen. Die offizielle Stellungnahme dazu lautete: »Die Geschichte im Handelsblatt beruht auf Spekulationen und diese werden nicht kommentiert.« Tatsächlich ist IBM Deutschland bereits in den vergangenen Jahren geschrumpft. 2003 betrug die Mitarbeiterzahl noch 29.000, 2009 waren es 23.000, aktuell sind es 20.000. Wenn bis 2015 8.000 Stellen wegfallen, blieben noch 12.000 übrig. In den Gängen der Mannheimer Konferenz war zu hören, eine Zahl von 8000 Stellen weniger, selbst wenn die Zahl stimme, sei bis 2015 durch normale Fluktuation zu erreichen und deshalb sei keine Entlassungswelle zu erwarten.

Martina Koederitz, sei Mai 2011 Vorsitzende der Geschäftsführung der IBM Deutschland, nahm zu diesem Punkt keine Stellung, setzte dafür aber andere Schwerpunkte: »2011 war für uns ein spezielles Jahr mit Atomausstieg, Eurokrise, aber auch unserer 100-Jahr-Feier.« Sie sieht eine gute Basis für die Zukunft, in der Deutschland der Motor sein kann, wenn sich neue Geschäftsmöglichkeiten ergeben. Deutschland ist der viergrößte IT-Markt weltweit und damit laut Koederitz auch für IBM von strategischer Bedeutung. Software und Services sind dabei die treibenden Faktoren für das Geschäft von IBM, das spiegelt sich im deutschen Markt: »Wir haben frühzeitig begonnen, den Shift hin zu Software und Services zu schaffen«, betont Koederitz. Es sei eine Hinwendung zu höherwertigen Lösungen, die der ehemalige CEO Palmisano schon 2006 als Ziel formuliert habe: IBM will das Vorbild eines global integrierten Unternehmen sein, das produktiver und agiler ist und die größere Breite des Know-hows der 420.000 IBM-Mitarbeiter nutzt.

Koederitz setzt auf eine klare Vision mit drei Botschaften: Erstens das 2008 vorgestellte Konzept des smarter Planet, das von vielen Kritikern damals als Marketing eingeschätzt wurde. Dieses sei jetzt in der Realität angekommen, und werde auch beim Wettbewerb ernst genommen. Es gehe um Kernherausforderung für die Welt und Deutschland in technischer, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Hinsicht, die zu bewältigen sind. Der Treiber sei die technische Durchdringung der Märkte mit einem rasanten Anstieg der Transistoren. Das Internet der Dinge bietet Potenziale, aber auch Herausforderungen.

Zum zweiten geht es für die Kunden darum, die Informationen im Riesen-Netzwerks des Internets für ihr Unternehmen zu nutzen. Ein echter Wendepunkt seien die erzielbaren Mehrwerte durch aktive Nutzung von Daten in Echtzeit, mit Big Data und Business Analytics. Die Globalisierung sei für Deutschland ein enormer Treiber, es komme darauf an, intelligente Technologien zu nutzen, um neue Märkte zu erschließen. Die Erwartungshaltung der Kunden gestiegen sei, Unternehmen müssten darauf reagieren, um die Kunden zu halten.

Die dritte Botschaft ist für Koederitz die demographische Entwicklung: In Deutschland wird die Bevölkerung älter, qualifiziertes Personal wird künftig schwerer zu finden sein. Weltweit gibt es Wachstumsmärkte, die IBM mit dem Konzept smarter Cities adressiert. 2008 hat zu diesem Thema ein erster Event in Berlin stattgefunden, in dem die Facetten beleuchtet wurden. Eine Neueinrichtung von Versorgungseinrichtungen und Bildungssystem ist geboten, so Koederitz. »Vignette und Ampel sind nicht mehr technologisch auf dem aktuellen Stand.« Es gehe darum, die Lebensqualität zu steigern. IT-Technologie und Services können helfen, Systeme intelligent zu machen. Zu beobachten sei die Verschmelzung von Branchen, Grenzen fallen in der Versorgungsinfrastruktur. Unternehmen aus allen Branchen treffen sich, um Veränderungen miteinander zu gestalten. Um die Energieversorgung in Zukunft sicherzustellen, brauchen wir Innovation und Veränderung.

Für IBM ergeben sich daraus großartige Chancen und Big Blue hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2015 die Nummer eins als Technologie- und Transformationspartner zu werden. Kompetenz und Know-how sollen gemeinsam mit den Kunden gestalten werden: »Das Thema Vernetzung steht auf der Tagesordnung. Jeder CIO fragt, wie muss meine Infrastruktur aussehen. Der Weg geht zum infozentrischen Modell mit Informationen in Echtzeit.« Die analytische Fähigkeit im Unternehmen wird ein differenzierender Faktor. Die Schnittstelle zum Kunden muss geschaffen werden, um über ihn mehr zu erfahren und dadurch mehr Geschäft zu ermöglichen. IBM hat in den letzten 18 Monaten Lösungen für Smarter Commerce entwickelt, die eine solche differenzierende Komponente sein können. »Soziale Netzwerke wollen alle CIOs mit der Business Strategie verknüpfen, um die Millennium Generation zu erreichen.« Die Heranwachsenden haben Ansprüche, die bedient werden wollen, wenn Firmen morgen als Arbeitgeber attraktiv sein wollen.

Die Herausforderung liege jetzt auf dem Tisch. Für IBM sei dies eine Chance, bei Veränderung zu helfen, Wert und Nutzen zu schaffen, die Differenzierung bei den Kunden zu erweitern und die Entscheider von morgen anzusprechen. Die Aufgabe für 2012 sei es, Expertise ins Business bringen: Nicht mehr die IT-Abteilung entscheidet über IT-Anschaffungen, sondern die Bereiche. »Was Apple für die Consumer, ist IBM fürs Business«, rief Koederitz aus.