Wie Telekommunikations-Unternehmen noch Profite aus der Datenflut ziehen können

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Vodafone zeige wie kein anderes Unternehmen, wie sich Geld durch kluge Bandbreitenplanung sparen lasse, erklären die Marktforscher der Yankee Group. Die technischen und wirtschaftlichen Entwickungen werden hier einfach richtig kombiniert – was nicht alle Telekommunikations-Unternehmen erreichen können.

Gewinne aus der stetigen Erhöhung des Datenverkehrs zu schöpfen fällt den Telekommunikations-Anbietern immer schwerer, denn der Preiskampf um die Flatrates wird immer härter – die Summe, die sich pro übertragenem Gigabyte verdienen lässt, wird immer geringer.

Oft verdienen die Betreiber von App-Shops weitaus mehr als die reinen »Datendurchschubser«. Doch beim Weitersenden der Daten an die Smartphones hätten viele Telekommunikationsfirmen noch nicht erkannt, wie sie die hohen Datenmengen verkleinern könnten und so den ARPU (Average Return per User) erhöhen, heißt es bei der Yankee Group. Bezahlt wird die tatsächlich vom Nutzer an das Telekommunikationsnetz übertragene Datenmenge – aber nicht unbedingt das im Netz weitertransportierte (oft durch Komprimierung verkleinerte) Aufkommen.

Komprimieren statt nur Weiterleiten

Die Marktforscher der Yankee Group sehen dazu mit Wohlwollen auf die Arbeiten von Vodafone, denn der Profit entstehe hier durch die Summierung mehrerer Kostenspar- und Einkommens-Effekte. Am allerwichtigsten sei die Datenkomprimierung und gutes Traffic Management – in Europa habe man bei Vodafone etwa den Datenverkehr durch Videos um 15 bis 30 Prozent reduziert und zudem viel Geld in neue (durch gute Hardware selbst komprimierende) Techniken wie LTE investiert.

Wenngleich die Datenmenge des durchschnittlichen Vodafone-Smartphone-Nutzers von 100 MByte in drei Monaten auf 130 MByte in drei Monaten gestiegen sei, habe man es durch gezieltes Reduzieren des Traffics von USB-Modem-Nutzern von 1,6 GByte auf 1,4 GByte wieder ausgeglichen. In anderen Worten: Das Geschäftsmodell sei durch gezielten Ausbau des Smartphone-Traffics wieder tragbar geworden.

Mobil bringt mehr als Festnetz

Die gar nicht so billig zufriedenzustellenden Arcor-Kunden im Festnetzbetrieb werden gezielt durch Marketing-Aktionen und günstigere Preise für Smartphones und das mobile Surfen ersetzt. In nur sechs Monaten habe es Vodafone geschafft, den mobilen Datenverkehr von 12 Prozent der anfallenden Informationsmenge auf 21 Prozent zu steigern. Die Prepaid-Pläne, die Nutzer dazu bringen, im Voraus für bestimmte Datenmengen zu bezahlen, machen es dem Provider auch möglich, das Datenaufkommen und den Netzausbau entsprechend einzuplanen – statt nur auf den tatsächlich anfallenden Traffic verspätet zu reagieren.

Insbesondere Vodafone in Großbritannien hat mit eigenen Mobiltelefonen, die gemeinsam mit Facebook entwickelt wurden, wieder die Kontrolle auch über Endgeräte gewonnen. Diese geht vielen Herstellern durch  Betriebssysteme und darin voreingestellte Shops (etwa bei Apple, Google oder Amazon) verloren.

Digitale Weiterbildung bringt auch Telefonfirmen vowärts

Mobile Datenservices statt Reservierung fixer Bandbreiten für Gespräche sind die Zukunft vieler Telekommunikations-Unternehmen. Das haben allerdings viele noch nicht erkannt – insbesondere in den ehemaligen Staatsbetrieben, in denen oft nicht mehr genug in Hightech-Weiterbildung investiert wird. Die meist noch auf Analogtechnik ausgebildeten Telekommunikations-Elektroniker können mit der schönen neuen mobilen Onlinewelt vielfach nichts anfangen. IT siegt letztendlich gegenüber altem Funk-Know-how. Gemeinsam sind beide Welten unschlagbar – wenn sie geschäftlich richtig kombiniert werden.

(Bildquelle: titelio – Fotolia.com)

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