INTERVIEW

Prof. Dr. Michael Dowling Institut für Innovation und Technology Management an der Universität Regensburg

App Economy: »Am Ende bleiben die Großen übrig«

Mit mobilen Geräten wie Smartphones und Tablets sowie einer schnellen Breitband-Verbindung können Nutzer auf Apps, also kleine, meist webbasierte Anwendungen, zugreifen. Wir sprachen mit Professor Dr. Michael Dowling vom Lehrstuhl für Innovations- und Technologiemanagement an der Universität von Regensburg über die Chancen der App Economy in den nächsten Jahren.

von Stefan Girschner 0

Die App Economy beschreibt als Begriff das wirtschaftliche Umfeld von Softwareanwendungen für mobile Endgeräte und für daran angeschlossene Dienste. Das iPhone von Apple war 2007 eines der ersten Smartphones, das auf Anwendungen in Form von Apps setzte. Mit dem App Store unter dem iTunes-Dienst etablierte der US-amerikanische Hersteller auch gleich den passenden Marketplace.

Andere Hersteller und Anbieter folgten, wenngleich zunächst eher zögerlich, und entwickelten ebenfalls Betriebssysteme, die für die Nutzung von Programmen ausgelegt sind. So führte Google das Betriebssystem Android ein und Microsoft entwickelte Windows 7 komplett neu.  Auch RIM modernisierte die Blackberry-Plattform, ebenso wie Nokia Symbian. Dass nun dieser neue Trend für die IT-Branche immer wichtiger wird, zeigte auch die im November 2011 veranstaltete Fachkonferenz des Münchner Kreises mit dem Thema »App Economy – Paradigmenwechsel oder Evolution?«.

App Economy Grafik Smartphones

Der Anteil von Smartphones im Mobiltelefonmarkt wächst stark an: Nokia Symbian, Google Android und Apple kommen zusammen auf einen Marktanteil von über 81 Prozent.

Allerdings hat sich noch nicht herauskristallisiert, ob Entwickler, Hersteller und Provider mit ihren App-Angeboten eher mit Werbung und Abonnements oder durch andere Einnahmequellen Erfolg haben werden. Es sprechen jedoch viele Gründe dafür, dass die App Economy in den nächsten Jahren erheblich an Bedeutung gewinnen wird. Unklar ist noch, welche Entwicklungsstrategien und Plattformen, welche Wettbewerber und welche Geschäftsmodelle sich in welchem Umfang im privaten und geschäftlichen Bereich durchsetzen werden.

App Economy Grafik Tablets

Die beliebtesten Betriebssysteme für Tablets sind derzeit Apple iOS, Nokia Symbian und Google Android.

ITespresso.de sprach mit Prof. Dr. Michael Dowling vom Lehrstuhl für Innovations- und Technologiemanagement an der Universität Regensburg.

ITespresso: Herr Prof. Dowling, könnten Sie uns zunächst erklären, was die Fachwelt unter dem Begriff  »App Economy« versteht?

Prof. Dr. Michael Dowling: Mit der App-Economy-Konferenz des Münchner Kreis im November des vergangenen Jahres wollten wir etwas weiter denken, als Apps für Smartphones nur für Vergnügungszwecke zu betrachten. Die meisten Apps, von denen man gehört hat, sind Spiele oder Applikationen zum Abruf medialer Informationen. Unsere These bei dieser Tagung war, dass die Weiterentwicklung dieser Programme auch aufgrund wirtschaftlicher Ziele erfolgt. Der Mehrwert von Apps liegt nicht nur darin, dass ich diese in einen App Marketplace zu einem bestimmten Preis stelle, sondern dass auch Firmen betriebswirtschaftliche Prozesse nicht nur über herkömmliche PC-Netzwerke, sondern auch über Mobilfunknetze abwickeln können. Dieser Aspekt beschreibt also die Verwandlung von Apps zum Vergnügen zu Business-Apps.

Inwieweit wird die Verwendung von Apps in Verbindung mit Social-Web-Anwendungen und mobilen Endgeräten auch die bisher bestehende Arbeitswelt verändern? Und wie schnell werden die Veränderungen sichtbar werden, in zwei oder fünf Jahren?

Die Veränderungen sind schon jetzt sichtbar. SAP bietet zum Beispiel Business-Apps an, die in einzelnen Fällen bis zu 25.000 Euro kosten. Mit diesen lassen sich Geschäftsprozess-Anwendungen mobil abrufen, man braucht also keinen herkömmlichen PC mehr für den Abruf der Daten. Die Entwicklung des Business-App-Bereichs hat schon begonnen.

Worin sehen Sie den Hauptnutzen solcher Business-Apps, insbesondere aus dem Blickwinkel der Anwender?

Der Hauptvorteil liegt darin, dass der Anwender nicht mehr allein auf den PC angewiesen ist. So sind die geschäftsrelevanten Informationen immer direkt abrufbar. Für manche Anwendungen werden aber nur bestimmte Plattformen wie iPad oder andere Tablets sinnvoll sein, da Smartphones wie das iPhone ein zu kleines Display haben. Aber es wird auch Applikationen geben, für deren Nutzung ein Apple iPhone ausreicht. So lassen sich geschäftliche Vorgänge von unterwegs aus abwickeln: Zum Beispiel kann ein Außendienstmitarbeiter bei Kundenbesuchen die Informationen per Tastatur oder Spracheingabe schnell in sein mobiles Gerät eingeben, die dann automatisch an das Firmen-Netzwerk weitergeleitet werden.

Unternehmen können also mithilfe von Apps Ihren Kundenservice wie auch die Kundenloyalität verbessern.

Dies ist schon jetzt möglich, wie zum Beispiel die Consumer-orientierte Anwendung von Lufthansa zeigt. Damit gibt die Fluggesellschaft ihren Kunden die Möglichkeit, an deutschen Flughäfen papierlos einzuchecken. Es erhöht zugleich die Loyalität gegenüber Lufthansa. Der Trend geht auch dahin, dass es immer mehr B-to-B-Anwendungen geben wird, die Transaktionen zwischen Unternehmen ermöglichen.

Welche Auswirkungen wird das starke Wachstum der App Economy für die traditionelle Softwareindustrie haben? Werden sich bei den Softwareherstellern die Geschäftsmodelle verändern?

Die Softwarehersteller denken schon daran, dass es künftig immer mehr mobile Applikationen geben wird. Es wird aber auch neue Anbieter geben. Die Idee von Apps ist es, dass man ein kleines Programm nur für eine ganz spezielle Anwendung entwickelt, anstatt eine PC-basiere Software zu entwickeln. Es gibt auch neue Möglichkeiten für die Anbieter, insbesondere durch App Marketplaces oder Stores. Natürlich stellt sich für solche Distributionswege auch die Frage, wie werde ich bekannt und wie bringe ich Anwender dazu, mein Programm herunterzuladen.

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