Umfrage: Die Hightech-Trends im Job

Allgemein

Eine von Dell und Intel in Auftrag gegebene Studie untersucht Veränderungen der Arbeitswelt. Deutsche sind Weltmeister in Sachen flexible Arbeitszeit aber sonst meistens nur Durchschnitt. Dafür geben sie sich besonders technikfreundlich  – mit einer merkwürdigen Ausnahme.

Wie sieht der Arbeitsplatz der Zukunft aus? Wie werden die Angestellten und Mitarbeiter mit PCs und Notebooks umgehen? Welche Rolle spielen Home Office und Telearbeit? Wie messen Unternehmen in Zukunft die Arbeitsleistung ihrer Mitarbeiter?

Solchen Fragen geht eine Studie des Marktforschungsunternehmens TNS Global nach. Die Studie mit dem Titel »The Evolving Workforce« entstand aus einer Befragung von 8360 Mitarbeiter von Unternehmen aus insgesamt elf Ländern, darunter auch Deutschland.

Zuvor hatten die Autoren der Studie eine Reihe von IT-Trends postuliert, die ihrer Meinung nach die Arbeitswelt der nächsten Jahre beherrschen werden (ITespresso berichtete). Im jetzt vorgestellten zweiten Teil geht es nicht mehr um kühne Thesen, sondern um konkrete Ergebnisse der Umfrage. Darin sind auch konkrete Zahlen zur Situation in Deutschland enthalten.

Präsentiert wurde die Studie von Dell-Manager Michael Müller (Head of Latitude Product Line Management, EMEA) und Andrew Mawson, Managing Director von Advanced Workplace Associates, einer Managementberatung, die sich um alle Aspekte rund um Personal und Arbeitsplätze kümmert.

Vorgestellt wurde »The Evolving Workforce« Anfang Dezember im Konferenzraum eines Hotels in München. Hier die interessantesten Ergebnisse.

Der klassische Bürojob dominiert

Glaubt man Trendforschern, dann scheint sich der klassische Arbeitstag im Büro gerade in rasender Geschwindigkeit aufzulösen. Alle arbeiten nur noch mobil oder vom Home Office aus. Doch die TNS-Umfrage zeigt: Soweit ist es noch lange nicht.

Die überwiegende Mehrheit nämlich 68 Prozent der Arbeitnehmer weltweit sitzen noch »ganz normal« in den Büros ihres Arbeitgebers. 15 Prozent arbeiten von zu Hause aus, zwölf Prozent in einer nicht genauer definierten externen Räumlichkeit und fünf Prozent sogar in öffentlichen Plätzen, also beispielsweise Cafés. Daneben sind 85 Prozent in Vollzeit tätig, nur 15 Prozent haben Teilzeitjobs.

TNS Global ist nach eigenen Angaben das weltweit größte Marktforschungsunternehmen, das im Auftrag von Unternehmen oder Organisationen Studien und Umfragen durchführt.

Auch in Deutschland gilt, dass die überwältigende Mehrheit der Mitarbeiter immer noch in den Räumlichkeiten des Unternehmens tätig ist. Dies gilt für 74 Prozent der Teilnehmer. 13 Prozent arbeiten in einem nicht näher definierten externen Ort, zehn Prozent zu Hause und immerhin schon vier Prozent an öffentlichen Plätzen.

Mitarbeiter wollen Geräte selbst wählen

Ein wichtiger Aspekt der Umfrage war, ob die Angestellten ihre PCs oder Notebooks selbst wählen können. Oder zumindest eine Auswahl aus Geräten haben, die der Arbeitgeber vorgibt. Dies ist weltweit im Schnitt bei 41 Prozent der Teilnehmer der Studie der Fall.

Bemerkenswert, dass der Wert in industriellen Schwellenländern deutlich höher liegt. 57 Prozent der befragten Studienteilnehmer aus Mexiko, 59 Prozent der Chinesen und 70 Prozent der indischen Teilnehmer gaben an, die Wahl zwischen verschiedenen Geräten zu haben.

In Deutschland haben dagegen nur 36 Prozent die Auswahl. In den technisch angeblich so fortgeschrittenen USA können nur 29 Prozent ihre PCs, Notebooks und Smartphones selbst aussuchen. Dagegen verwundert es nicht, dass die als konservativ geltenden Briten mit 27 Prozent Wahlfreiheit das Schlusslicht bilden.

Der Trend zur Wahlfreiheit wird jedoch stärker. 55 Prozent der Befragten weltweit denken, dass sie in zehn Jahren diese Wahlfreiheit hätten.

Hightech-Demokratie bei KMUs

Bei der Art und Weise wie neue Geräte ins Unternehmen kommen, gibt es in Deutschland deutliche Unterschiede zwischen großen und kleinen Unternehmen. Bei den KMUs können immerhin 46 Prozent der Mitarbeiter mitentscheiden, mit welchem PC oder Laptop sie ihre Aufgaben erledigen.

Bei großen Unternehmen hingegen sind es nur 30 Prozent. Das mag wiederum daran liegen, dass vor allem große Unternehmen auf eine effiziente und zentralisierte Administration angewiesen sind und sich deshalb weniger Individualität leisten können.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Internet-Nutzung. 62 Prozent der KMU-Angestellten möchten die Freiheit haben, Daten aus dem Web herunterzuladen, aber nur 32 Prozent der Angestellten aus großen Unternehmen beanspruchen dies.

Nur 16 Prozent der Angestellten in Deutschland glauben, dass der Arbeitgeber ihre E-Mails kontrolliert. (Grafik: Intel, Dell)

 

Berufliche und private Nutzung

Eine weitere Frage beschäftigte sich mit der zunehmenden Vermischung von beruflicher und privater Nutzung von Computern. Gefragt wurde, ob und wie wichtig es sei, dass privates und berufliches auch auf den Geräten getrennt werde. Auch hier gehören die Briten wieder zur konservativen Fraktion: Nur 29 Prozent halten es für wichtig, private und berufliche Nutzung auf demselben Gerät zu ermöglichen.

Im technologieverliebten Japan sind es 25 Prozent. Die Mehrheit ist eher dafür, für private und berufliche Nutzung auch verschiedene Geräte zu haben.

Demgegenüber sind 63 Prozent der Brasilianer, 67 Prozent der Chinesen und 73 Prozent der Mexikaner der Ansicht, dass beide Nutzungsarten auf ein und demselben Gerät erlaubt sein sollen. Deutschland gehört hier mit 40 Prozent ins Mittelfeld.

Die IT-Bedürfnisse der Angestellten

Zum Mittelfeld gehört Deutschland auch bei der Frage, ob der Arbeitgeber auch auf die IT-Bedürfnisse der Angestellten eingeht. Dies ist hier zu Lande bei immerhin 51 Prozent der Unternehmen der Fall. Die Spitzengruppe bilden auch hier wieder technisch ehrgeizige Schwellenländer wie Mexiko (78 Prozent), Indien (73 Prozent), Brasilien (67 Prozent) und China (56 Prozent).

Das Schlusslicht bilden gemeinsam Großbritannien und Japan, wo nur 43 beziehungsweise 39 Prozent der Unternehmen auf die IT-Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter eingehen.

E-Mails werden kontrolliert

Die Überwachung der Mails gehört sicher nicht zu den grundlegenden Bedürfnissen der Angestellten. Doch weltweit müssen 28 Prozent der Angestellten es sich gefallen lassen, dass ihre E-Mails zumindest gelegentlich unter die Lupe genommen werden. In Frankreich sind dies nur 18 Prozent.

Immerhin 34 Prozent der befragten US-amerikanischen Angestellten berichten über eine Überwachung ihrer Mails. In Indien sind es gar 50 Prozent.

Da haben es die Deutschen gut: Hier zu Lande berichten laut TNS im Schnitt nur 16 Prozent, dass ihr elektronischer Schriftverkehr mitgelesen wird. Bei den kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland glauben nur elf Prozent der Angestellten, dass Ihre Mails kontrolliert werden, bei den großen sind es 28 Prozent der Angestellten.

 

Guter Durchschnitt. Bei den meisten Hightech-Trends landet Deutschland im Mittelfeld. Die Grafik zeigt beispielsweise, dass (nur) 40 Prozent der deutschen Arbeitnehmer glauben, es sei wichtig, berufliche und private Nutzung auf einem Gerät zu ermöglichen. (Grafik: Intel, Dell)

Hightech-Firmen sind attraktiver

Dass Betriebe, die aktuelle Technik einsetzen, auch als attraktive Arbeitgeber gelten, liegt nahe. In Deutschland bescheinigen 75 Prozent der Befragten ihrem Arbeitgeber, technisch mit vorne dabei zu sein. Im konservativen Großbritannien gilt dies nur für 52 Prozent. Spitzenwerte erzielen hier wieder die aufstrebenden Nationen Mexiko (96 Prozent), Indien (85 Prozent) und Brasilien (84 Prozent). In diesen Ländern sind technologisch fortgeschrittene Unternehmen bei ihren Mitarbeitern hoch angesehen.

Deutsche glauben an Telearbeit

Sehr unterschiedlich sind auch die Meinungen darüber, ob Telearbeit in Zukunft dazu beiträgt, mehr Arbeit in gleicher Zeit zu leisten. 46 Prozent der Deutschen glauben daran, aber beispielsweise nur 32 Prozent der Japaner.

Wesentlich optimistischer sind die vier technisch aufstrebenden Nationen China, Mexiko, Brasilien und Indien. In diesen Ländern liegt die Überzeugung, dass Fernarbeit die Produktivität erhöht, zwischen 66 und 77 Prozent.

Dafür sind die Deutsche weltweit Spitzenreiter bei der flexiblen Einteilung ihrer Arbeitszeit. 67 Prozent können sich ihre Arbeitszeit einteilen. In den USA sind dies nur 55, in Großbritannien nur 51 Prozent und in Japan sogar nur 41 Prozent. Der weltweite Durchschnitt liegt bei 56 Prozent.

Allerdings hat die Flexibilität auch ihre Nachteile. So behaupten 43 Prozent der Angestellten weltweit, dass sie unter Druck stehen mehr und länger zu arbeiten. Der Druck wird offenbar als so groß empfunden, dass viele glauben, eine Steigerung sei gar nicht möglich. Dass der Druck in zehn Jahren noch zunehmen wird, glauben nämlich nur 41 Prozent.

Am meisten unter Druck fühlen sich die Inder und Chinesen mit 57 beziehungsweise 51 Prozent. Auch hier liegt Deutschland ziemlich im Mittelfeld. 42 Prozent fühlen sich unter Druck noch mehr zu arbeiten. Bemerkenswert: Im scheinbar so arbeitswütigen Japan und in den USA sind dies jeweils nur 32 Prozent.

Als Bedrohung wird vielfach das Outsourcing angesehen. Vor allem in Indien (44 Prozent) fürchten viele, ihren Job durch Outsourcing zu verlieren, in Deutschland sind es nur 26 Prozent. Der weltweite Schnitt liegt bei 28 Prozent.

Produktivität und Arbeitszeit

Dass die Produktivität mittlerweile in erster Linie an den Ergebnissen und weniger an den abgeleisteten Stunden gemessen wird, dürfte sich herumgesprochen haben. In Deutschland ist dies sowohl für die Mitarbeiter in kleinen und mittleren Unternehmen (62 Prozent) als auch in großen (60 Prozent) wichtig.

Tatsächlich wird schon in 75 Prozent der KMUs und 74 Prozent der großen Unternehmen der Fokus auf Ergebnisse und Arbeitsqualität gelegt.

Jüngere haben mehr Stress

Ein wichtiges Thema ist auch, ob unterschiedliche Generationen am Arbeitsplatz auch völlig unterschiedliche Einstellungen zur Technologie haben. Hier bringt die TNS-Umfrage überraschende Ergebnisse. So können weltweit jüngere Mitarbeiter nach Feierabend offenbar schlechter von der Arbeit abschalten. Zudem fühlen sie sich stärker unter Leistungsdruck als ihre erfahreneren Kollegen und fühlen sich häufiger überwacht.

Überdies haben die jüngeren Kollegen häufiger dass Gefühl, dass IT-Probleme eine Quelle stetigen Frusts sind.

In Deutschland sind offenbar gerade erfahrene Mitarbeiter überraschend technophil. So glauben 46 Prozent aus der Gruppe der 35- bis 44-Jährigen, dass ihnen die Arbeit mehr Spaß macht, wenn sie mehr Wahlfreiheit beim Einsatz der Technik haben. Bei den 45- bis 54-Jährigen ist die Zahl derer, die sich besonders zu Unternehmen mit aktuellen Gerätepark hingezogen fühlen, mit 83 Prozent besonders groß. Bei den 18- bis 24-Jährigen sind es nur 64 Prozent.

Dafür fühlen sich die Älteren mit 66 Prozent stärker unter Druck mit neuesten technischen Innovationen Schritt halten zu müssen. Bei den 18- bis 24-Jährigen fühlen nur 42 Prozent diesen Druck.

Zum Schluss die gute Nachricht: Die deutschen Angestellten sind ziemlich zufrieden mit ihrer Hardware-Ausstattung. So freuen sich 79 Prozent der Angestellten von KMUs, dass sie mit leistungsfähiger Hard-und Software arbeiten, bei den Großunternehmen sind es 78 Prozent.

8360 Mitarbeiter wurden befragt

Durchgeführt wurde die Studie bei insgesamt 8360 Mitarbeiter von Unternehmen aus insgesamt elf Ländern, darunter auch Deutschland. Laut TNS Global wurde ein repräsentativer Schnitt von Vollzeit- bzw. Teilzeitangestellten gewählt, die regelmäßig mit PC oder Laptop arbeiten.Dabei mussten die Befragten einen Online-Fragebogen bearbeiten. Insgesamt wurden den Teilnehmern 44 unterschiedliche Statements vorgelegt, zu denen sie ihre Meinung abgeben sollten. Von den 8360 Teilnehmern stammten 6186 aus der Privatwirtschaft und 2174 aus dem öffentlichen Sektor.

In Deutschland stammten 252 der Teilnehmer aus kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) sowie 136 aus großen Organisationen oder Unternehmen.

Die hier besprochenen Umfrageergebnisse bilden erst den zweiten Teil der Studie. Ein dritter Teil ist geplant. Bis Februar 2012 soll sich ein Expertengremium zusammensetzen und weitere Schlussfolgerungen ziehen.

Diese dürften dann für IT-Verantwortliche und Personalmanager gleichermaßen interessant sein. Denn der größte Produktivfaktor in Unternehmen ist wohl auch in Zukunft nicht der Kollege Computer, sondern der Mensch.