Ist Zynga wirklich eine Milliarde US-Dollar wert?

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Der größte Börsenstart einer IT-Firma seit Google will ungeheuerliche Summen einnehmen – der Hersteller ist vor allem durch Faceook-Onlinespiele wie Farmville bekannt geworden. Die Abhängigkeit vom sozialen Netzwerk bereitet den Investoren offenbar keine Sorgen. Solch grenzenloses Vertrauen verursachte im Jahr 2000 schon einmal einen weltweiten Wirtschaftszusammenbruch.

Vergangenen Freitag ging Zyga an die Börse und erinnerte mit seinem Selbstbewusstsein an die Onlinemarktstarts aus den 90er-Jahren – auch damals war das Vertrauen in die Marktchancen der Internet-Unternehmen grenzenlos. Bis es im Jahr 2000 zum Dotcom-Crash kam.

Der Markt allerdings hat sich inzwischen sehr verändert, und so ist es inzwischen üblich, dass Investoren darauf achten, dass die Börsenstarter wirklich Geld verdienen und keine Luftschlösser sind.

Obwohl Zynga tatsächlich viel Geld verdient, bleiben die Bedenken zahlreicher Skeptiker: Statt Web-2.0-Boom werde es künftig einen Dotcom-Crash 2.0 geben, behauptete etwa Investoren-Legende Warren Buffet im März (wir berichteten).

Und so starteten viele Unternehmen lieber langsam, bevor sie sicher waren, die Börsen als Geldmaschine verwenden zu können und warteten lieber – »langsam anfangen im gebückten Gang«, nannte das im Juni das Börsenmagazin Bloomberg.

Und jetzt scheint alle Angst verloren – der LinkedIn-Börsengang lief erfolgreich und Facbook wird inzwischen auf einen unglaublichen Wert von 100 Milliarden Dollar eingeschätzt. Dagegen ist die eine Milliarde, die Zynga angeht, wirklich nur marginal.

Und so setzte der Spielehersteller, der reichlich mit Kapital aus Russland ausgestattet wurde, seit vergangener Woche sehr selbstbewusst auf den Wert von hundert Millionen Aktien zu je 10 Dollar und startte schließlich seinen IPO.

Kritikern macht zwar die Abhängigkeit des noch immer nicht an die Börse gegangenen sozialen Netzes Facebook Sorgen – von Washington Post über Wall Street Journal, Bloomberg und andere Wirtschaftsexperten hinweg überwiegen die Kritiken. Sie alle zitieren Analysten, die das verlangsamte Wachstum von Facebook auch auf das – von Facebook sehr abhängige – Zynga übertragen wollen.

Weit gefehlt: Der Anbieter de sozialen Spiele versucht längst, in andere Welten und Netze zu expandieren und sucht neue Mitarbeiter dafür. Und so darf man den Kritikern in diesem Falle kaum Glauben schenken, denn das Geschäft mit Onlinespielen ist längst ein Milliardenspiel. Zynga wird diese »kleine« Summe wohl schon in wenigen Jahren als Jahresumsatz einnehmen. Und die Hinwendung des Herstellers zu Mobilspielern und anderen sozialen Netzen spricht eine Sprache für sich: Das Unternehmen will sich über kurz oder lang von der Facebook-Abhängigkeit befreien und seine Spiele unabhängig von den bestehenden Social Networks verkaufen – und vielleicht sogar ein eigenes gründen.

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