GfK-Studie: Deutsche Smartphone-Nutzer sind markentreu

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Eine internationale Studie zur Nutzung von Smartphones zeigt, dass deutsche Anwender ihrer Marke besonders treu sind. Und das hat nicht nur praktische Gründe.

Deutsche bleiben nicht nur ihrer Bank und ihrer Versicherung treu, sie bleiben auch ihrem Smartphone. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Marktforschungsinstituts GfK (Gesellschaft für Konsumforschung).

Hauptgründe für die Loyalität sind natürlich praktische Aspekte wie Bedienfreundlichkeit oder die Sammlung persönlicher Daten wie Adressbuch oder Terminkalender, die bei einem Wechsel der Betriebssystem-Plattform unter Umständen verloren gehen.

Dennoch scheint die große Markenloyalität typisch deutsch zu sein. Laut GfK gibt es nämlich »klare Unterschiede« zu den Anwendern in »den fünf größten westeuropäischen Ländern sowie Brasilien, China, Japan und den USA«, deren Handy-Kunden ebenfalls unter die Lupe genommen wurden.

Wechsel ist sehr schwierig

11 Prozent empfinden den Wechsel der Hausbank und zwölf Prozent den der Versicherung als »sehr schwierig«. Fast genau so sorgenvoll sehen die Deutschen dem Wechsel der Betriebssystem-Plattform entgegen. So glauben zehn Prozent der Befragten, dass ein Wechsel zwischen den Handy-Plattformen iPhone, Android, Blackberry und Windows Phone »sehr schwierig« sei.

Knapp 30 Prozent der Nutzer halten dies deshalb für schwierig, da sie dann Ihre persönlichen Daten sowie auf dem Handy gespeicherte Fotos oder Videoclips auf das neue Smartphone übertragen müssten. Und die bisher genutzten Apps stehen auf der anderen Betriebssystem-Plattform auch nicht zur Verfügung.

Hinzu kommen die persönlichen Einstellungen des Smartphones. Wer sich darauf einmal seinen E-Mail- oder Facebook-Zugang eingerichtet hat, wechselt ungern das Modell. Zumindest gaben in der GfK-Umfrage ein Viertel der deutschen Nutzer dies als Grund für die Treue an.

 

Wer sich einmal für ein Smartphone entschieden hat, bleibt der Marke und der Betriebssystem-Plattform meistens treu. Von links nach rechts: Blackberry Bold (RIM), LG Optimus (Windows Phone), Apple iPhone 4s (iOS), Motorola Razr (Android). (Fotos: Hersteller)

Je mehr Apps, desto treuer

Die Markenloyalität hat dabei auch etwas mit der Zahl der genutzten Apps zu tun. Je mehr Apps einer installiert hat und nutzt, umso höher die Wahrscheinlichkeit, dass er seinem Smartphone oder wenigstens der Marke treu bleibt.

Auch hier gibt es Unterschiede zwischen den deutschen Usern und dem internationalen Durchschnitt. Bei Nutzern, die sieben oder mehr Apps nutzen, bleiben international gesehen 70 Prozent ihrer Marke treu. In Deutschland sind dies nur 45 Prozent. Das praktische Argument für die Treue zur Marke ist also in Deutschland weniger stark ausgeprägt als in anderen Ländern.

Emotionale Ursachen der Markentreue

Es sind offenbar recht emotionale Aspekte, die deutsche Handy-Besitzer an ihre Marke binden. So haben satte 35 Prozent angegeben, dass sie andere Marken »einfach nicht mögen«.

Damit stellen die Deutschen ihre Markentreue besonders eindrucksvoll unter Beweis. Denn laut GfK haben im internationalen Durchschnitt nur 18 Prozent dies als Begründung genannt.

Amerikaner lieben Apps

Auch abgesehen vom Aspekt der Loyalität bringt die Studie einige interessante Details zu Tage. Die Begeisterung für die Apps ist offensichtlich in den USA am größten. 61 Prozent der dort Befragten Smartphone-Nutzer haben sieben oder mehr Apps auf ihrem Gerät. In China gehören 56 und in Brasilien 53 Prozent zu den App-Fans mit mindestens sieben Apps.

Die Zahlen für Europa: In Frankreich und Italien haben 46 Prozent mindestens sieben Apps auf dem Smartphone, in Spanien 43 und in Großbritannien 42 Prozent.

Unterschiede zeigen sich auch bei der Art der Nutzung. Deutsche nutzen das Smartphone hauptsächlich für praktische Zwecke wie Termine oder Adressen. Im Vergleich zum internationalen Durchschnitt sind die Deutschen längst nicht so stark von Videos oder Spielen auf dem Handy begeistert und sie lesen auch nicht so gern längere Texte auf dem Smartphone-Display.

Deutsche kommen mit der Bedienung schnell zurecht

Die GfK hat darüber hinaus auch Aspekte wie einfache Bedienung, Integration und Content untersucht. Hier scheinen die deutschen Anwender besonders gut mit ihrem Gerät zurechtzukommen. 77 Prozent meinten, dass die Anwendungen auf ihrem Gerät gut integriert sind, also problemlos miteinander funktionieren. International waren dies nur 71 Prozent.

83 Prozent der deutschen Anwender gaben an, dass ihnen die Bedienung des Geräts, bzw. das Starten von Apps »leicht fällt«. International waren dies im Schnitt nur 72 Prozent. Dabei ist eine einfache Bedienung vielfach auch ein Faktor der oben erwähnten Markentreue. Je einfacher dem Anwender die Nutzung erscheint, desto weniger wird er geneigt sein, die Betriebssystem-Plattform zu wechseln.

Viele Endgeräte, ein Inhalt

Insbesondere Cloud-Computing-Anbieter betonen häufig, wie wichtig es sei, dass man von ganz verschiedenen Geräten aus auf die gleichen Inhalte zugreifen kann. Doch nur 64 Prozent der Deutschen halten es für so wichtig. Der Durchschnitt liegt international bei 72 Prozent.

Je mehr Geräte einer nutzt, desto wichtiger wird allerdings dieser Aspekt. Nutzer, die sowohl Tablet-PC als auch Desktop-Rechner und Smartphone nutzen, gaben zu 80 Prozent an, dass sie den geräteunabhängigen Zugriff auf Inhalte für wichtig halten.

Für die Hersteller von Smartphones folgt aus der GfK-Studie, dass eine gutgemachte Bedienoberfläche und ein großes Angebot nützlicher Apps entscheidend dazu beitragen, dass der Käufer dem Smartphone auch treu bleibt. Selbst bei den so treuen deutschen Kunden ist das kein Schaden.