Revolutionäre Idee? Server als Ersatz der Zentralheizung

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Während Gas und Heizöl empfindlich teuer werden und damit die Gebäudekosten gewaltig erhöhen, besitzen Rechenzentren eines im Überfluss: Abwärme. US-Wissenschaftler, IT-Fachleute und Ingenieure denken gerade ernsthaft darüber nach, beides zum gegenseitigen Vorteil zu verschmelzen.

Die meisten Gebäude in der nördlichen Hemisphäre müssen das halbe Jahr über erwärmt, ihr Leitungswasser ständig erhitzt werden. Umgekehrt produzieren Server mehr Wärme als den Admins lieb ist und müssen oft mit kaltem Wasser gekühlt werden, um nicht außerhalb der Betriebstemperaturen zu liegen.

Es gibt schon vereinzelte Beispiele, wo Mikroturbinen die Abluft eines Serverraums in den Gebäuden verteilt, um sie so zu heizen. So hat die Universität von Toledo kürzlich ihr Rechenzentrum zur Heizzentrale umfunktioniert. Dabei wird auch das kalte Wasser aus der Leitung für die Serverkühlung benutzt, um das warme Wasser anschließend ins nächste Gebäude zu pumpen. Auch die Universität von Syracuse nutzt Mikroturbinen, um ein Nachbargebäude zu versorgen. Doch von einer praktikablen Fernwärmelösung ist das natürlich noch weit entfernt.

Forscherteams der University of Virginia und von Microsoft Research gehen nun ernsthaft daran, Potential und Möglichkeiten der künftigen Ausnutzung von neuen Installationen zu ergründen (PDF-Dokument). Da dem Internet wie dem Cloud Computing ein weiterhin enormes Wachstumspotential zugebilligt wird, dürfte entsprechend die Notwendigkeit für zahlreiche neue Data Centers zulegen.

Dabei ergebe sich die Chance, die Rechenzentren nicht in abgelegenen Gegenden oder Industriegebieten anzusiedeln, sondern sie in Wohn- und Bürogebäuden zu integrieren. Die US-Vordenker stellen sich ein zentrales Server-Kabinett vor, das integral mit Luftschächten und Wasseranschlüssen an die Haustechnik angeschlossen wird. Die Abluft ist gewöhnlich 40 bis 50 Grad warm, was für normale Gebäude absolut ausreichend sei.

Ideal sei es, wenn eine im Gebäude residierende Firma die Rechenleistung beziehen würde, aber auch eine Zusammenschaltung in die größeren Cloud-Systeme etwa von Amazon sei durchaus machbar. Dann wäre es eine wirkliche Wolke, die auch durch singuläre oder regionale Ausfälle nicht mehr ins Wanken zu bringen sei.

Für beide Seiten sei es ein Gewinn, denn die Gebäudekosten dürften sinken ebenso wie die Data-Center-Unterhaltung, denn für den Platz sei keine Miete erforderlich und eine kostspielige Kühlung entfällt ja ebenfalls. Das können pro Server 300 bis 400 Euro sein. Lediglich Service-Techniker müssen bei der physikalischen Wartung mehr herumfahren. Da heute ohnehin jeder Neubau seinen Internet-Anschluss erhält, wäre auch hier kein Problem. Ferndiagnose und Verschlüsselung können für die Betriebssicherheit sorgen. Bei größeren Gebäudevolumina mache dieses Konzept ökonomisch wie ökologisch ziemlichen Sinn und dürfte im Rahmen der Green-IT-Bemühungen schon bald erste Umsetzungen erfahren, sind sich die US-Wissenschaftler sicher.