Trend: Apps werden erwachsen

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In rasender Geschwindigkeit erobern die Tablet-PCs die Geschäftswelt. Die Business-Apps waren bisher meist preisgünstige Produktivitäts-Tools. Das Marktforschungsunternehmen Gartner sagt nun einen grundlegenden Wandel voraus.

Den Consumermarkt haben sie längst erobert, nun etablieren sie sich auch im Büro. Immer mehr Unternehmen werden in den nächsten Jahren und Monaten die Flachrechner an ihre Mitarbeiter ausgeben. Auch die etablieren Softwarehersteller nehmen die Tablets ernst und entwickeln ausgewachsene Anwendungen für das Geschäftsleben.

Das ist in etwa die Quintessenz eines aktuellen Reports von Gartner. Gartner-Vizepräsident und Analyst David Willis sagt, bisher hätten sich Entwickler in den kommerziellen App Stores hauptsächlich auf Tools für die persönliche Produktivität konzentriert. Doch inzwischen entwickeln große Softwarehersteller auch viel umfassendere Anwendungen für Firmen.

Enterprise-Software auf dem Tablet-PC

Dabei geht es längst nicht nur um ein paar Produktivitäts-Tools, sondern auch um die klassischen Geschäftsanwendungen aus den Bereichen ERP (Enterprise Resource Planning) und CRM (Customer Relationship Management). Für die Software-Anbieter werden sich nach Einschätzung von Gartner-Analyst Willis vor allem dann Marktchancen ergeben, wenn sie nicht einfach vorhandene Desktop-Software auf das Tablet-Format übertragen, sondern eigene angepasste Tablet-Anwendungen entwickeln.

 

Der Fujitsu Stylistic Q550 lässt sich leicht ins Unternehmensnetzwerk integrieren. Das Display hat eine Diagonale von 25,7 Zentimetern (10,1 Zoll). (Foto: Fujitsu)

900 Millionen Tablet-PCs ab 2016

Auch für Hardware-Basis ist gesorgt. 2011 wird der Verkauf von Tablets und Smartphones insgesamt um 44 Prozent größer sein als auf dem PC-Markt. Ende 2014 werden Mobilgeräte mit Apples iOS, Googles Android oder Microsofts Windows 8 die Zahl der klassischen PC-Systeme deutlich übersteigen.

Gartners Verkaufsprognose für den weltweiten Absatz von Media-Tablets ist beeindruckend. 63,6 Millionen Tablets werden allein 2011 verkauft, ein Anstieg um 261 Prozent gegenüber 2010, da waren es noch 17,6 Millionen Geräte. Die Verkaufskurve wird weiter steil ansteigen. Im Jahr 2015 werden laut Gartner 326,3 Millionen Geräte verkauft werden. Und 2016 sind dann mehr als 900 Millionen Tablet-PCs im Einsatz.

Dells Latitude ST mit 25,7-cm-Display (10,1 Zoll) arbeitet mit Windows 7 und ist ebenfalls für professionelle Anwender gedacht. Dell will die Geräte auch im Gesundheitswesen und auf dem Bildungssektor etablieren. (Foto: Dell)

Profi-Tablets von Dell und Co

Hersteller wie Dell, HP, Asus oder Fujitsu haben den Trend längst erkannt und bieten Tablet-Rechner für professionelle Anwender an. Diese Geräte unterscheiden sich von den Consumermodellen in der Regel vor allem durch zusätzliche Sicherheitsfunktionen.

Der Einzug der Flachrechner in die Businesswelt wird nach Einschätzung der Gartner-Analysten vor allem von Spitzenmanagern vorangetrieben. Diese nehmen sich die Freiheit, ihre privat genutzten Geräte ins Büro mitzunehmen und dort für ihre Aufgaben zu benutzen. Auf diese Weise werden Geschäftsprozesse verändert. Die mobilen Tablets sind überall da nützlich, wo der schnelle spontane Einsatz gefragt ist.

HPs Slate 2 arbeitet mit Windows Professional 7. Aufgrund der Bildschirmdiagonale von nur 22,6 Zentimetern (8,9 Zoll) ist das Slate-Modell in erster Linie für den mobilen Einsatz konzipiert. (Bild: HP)

Ersatz für das Klemmbrett

Geschäftsführer beispielsweise setzen Tablets gern ein, um Informationsmaterial für Meetings an die Teilnehmer zu senden. Sales-Mitarbeiter benutzen sie im Gespräch mit dem Kunden oder um eine Übersicht über ihre Verkäufe zu bekommen. Marketingspezialisten bauen ganze Kampagnen auf Tablet-PCs auf.

Auch in den Bereichen Fertigung und Wartung werden die Tablet-Rechner immer häufiger gesichtet. Waren die Techniker früher mit dem guten alten Klemmbrett unterwegs oder schleppten dicke Handbücher mit, genügt heute ein handlicher Tablet-Rechner, um Daten abzurufen oder einzutragen. Auch in Krankenhäuser sind Ärzte und Krankenschwestern mit Tablets unterwegs.

Die Apps der Zukunft

Gartner nennt darüber hinaus eine Reihe von Kategorien, in denen Software-Hersteller in Zukunft gute Chancen haben.
• Business Intelligence
• Geschützte E-Mail-Umgebungen, in denen geschäftliche Mails von den privaten getrennt werden
• Kollaborationsanwendungen für Meetings
• Utilities für das Sharing und Verteilen von Dokumenten
• Applikationen für ERP (Enterprise Resource Planning), CRM (Customer Relationship Management), SCM (Software Configuration Management) und Messaging
• Mobile Systeme für Ärzte, Pflegepersonal und Therapeuten
• Virtuelle Desktop-Umgebungen, die unterwegs einen sicheren Zugriff auf Desktop-Anwendungen erlauben
• Business-Anwendungen für soziale Netzwerke
• Verteilung von vertraulichen Dokumenten und Reports

 

Wurde erst im September vorgestellt: Das 12-Zoll-Tablet Asus Eee Slate B121 ist für Geschäftsanwender gedacht. Als Zubehör ist eine externe Bluetooth-Tastatur erhältlich. (Foto: Asus)

IT-Verantwortliche sollten die Tablet-Applikationen aber vor dem Einsatz sehr genau untersuchen und dabei Kriterien wie Funktionalität, Integration in den Geschäftsprozess, Bedienerfreundlichkeit, Netzwerkanbindung und Sicherheit anlegen.

Für welche Software und welche Business-Apps sich die Unternehmen auch entscheiden, als ausgemachte Sache unter den Experten gilt jedenfalls, dass der Einzug von Tablet-PCs im Unternehmen nicht mehr zu stoppen ist.