Google lächelt, während Flash leise Servus sagt

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Im Konkurrenzkampf mit Apple nahm Flash früher eine zentrale Stellung bei Google ein, doch jetzt sieht es so aus, als wäre HTML5 ausreichend, meint Clint Boulton.

Als Adobe Anfang dieses Monats öffentlich bekanntgab, die Entwicklung seines mobilen Flash Player Plugins für Smartphones und Tablets einzustellen, lag die Vermutung nahe, dass Google dies in Rage bringen würde. Denn schließlich konnte Google Flash stets als wirksames Verkaufsargument für sein mobiles Betriebssystem Android nutzen. Obwohl der kürzlich verstorbene Apple-Gründer Steve Jobs die Technik als zu langsam und zu leistungsschwach kritisiert hatte, um auf den iPhones und iPads des Unternehmens zum Einsatz zu kommen, setzte Google Flash stets groß in Szene.

Flash ist Schnee von gestern

Als Vic Gundotra, Senior Vice President bei Google, beispielsweise bei der Veranstaltung Google I/O im Mai 2010 Android 2.2 Froyo vorstellte, hob er die Tatsache hervor, dass die Froyo-Smartphones Flash-Inhalte darstellen konnten. »Es hat sich herausgestellt, dass die Menschen im Internet Flash nutzen«, sagte Gundotra – ein Seitenhieb auf Apple, das sich weigerte, die Flash-Technik auf dem iPhone und dem iPad zu unterstützen.

Dies trifft nicht nur auf Google zu. Android-OEMs auf der ganzen Welt sind Fürsprecher der Flash-Technik, um sich wettbewerbstechnisch von Apples mobilen Endgeräten zu differenzieren. Samsung, der größte Android-OEM, schreibt auf seiner Webseite: «Surfen Sie im Internet ohne Grenzen. Viele führende Webseiten nutzen funktionsreiche Flash-Anwendungen; egal, ob Sie im Netz surfen oder Multimedia-Inhalte online betrachten – Ihnen wird nichts entgehen.«

Und Google will mit seiner Android-4.0-Plattform namens Ice Cream Sandwich Flash unterstützen.

Obwohl Google dies niemals offiziell zugeben würde, kann das Unternehmen sich nun gar nicht weit genug von Adobes Software, die ihren letzten Gang angetreten hat, distanzieren. Dem Unternehmen nahestehende Quellen haben der Redaktion mitgeteilt, dass Google überglücklich darüber ist, dass Adobe nun auf HTML5 umsteigt – das Pferd, auf das der Suchmaschinen-Riese gesetzt hat.

Tatsächlich war eines der Ziele von Google, als das Unternehmen im April 2010 die Webanwendung Text und Tabellen generalüberholen ließ, die Unterstützung für HTML5 zu verbessern. Darüber hinaus entledigte sich das Unternehmen der Software Gears, um sich darauf zu konzentrieren, Offline-Funktionen für Texte & Tabellen, Google Mail und Kalender auf HTML5-Basis hinzuzufügen.

Google experimentiert außerdem mit einigen der attraktiveren, visuell ansprechenden HTML5-Elemente im Zusammenhang mit dem Chrome Webbrowser. Chrome Experiments ist ein Vorzeigeprojekt für kreative Web-Experimente, die meisten davon wurden in HTML5, Canvas, SVG und WebGL programmiert.

»The Wilderness Downtown« ist eine interaktive Interpretation eines Liedes von Arcade Fire namens »We Used To Wait« und wurde in HTML5 unter Einbindung von Video-, Audio- und Canvas-Elementen programmiert.

»3 Dreams of Black« ist ein interaktiver Film von Chris Milk und Google, der die Fähigkeiten von WebGL in den Mittelpunkt stellt. WebGL ist eng mit dem HTML5 Canvas-Element verknüpft; hardwarebeschleunigte 3D-Grafiken können mithilfe von WebGL im Browser dargestellt werden, ohne dass auf zusätzliche Plugins zurückgegriffen werden muss. Flash kann so etwas nicht leisten, Leute.

Brauchen wir nur noch HTML5?

Al Hilwa, Analyst bei IDC, sagte gegenüber der Redaktion, dass Google, so sehr sich das Unternehmen in Zukunft auch HTML5 verpflichtet sieht, trotzdem die Konsequenzen für Flash-Entwickler abmildern wird.

»Es besteht kein Zweifel, dass Google ein klarer Unterstützer von Web-Technologien ist und ich bin ziemlich sicher, dass das Unternehmen so schnell wie möglich auf HTML5 umsteigen will«, sagt Hilwa. »Dies war zumindest bei Google Chrome der Fall. Aber Google will auch in Bezug auf Apple in jeder Hinsicht wettbewerbsfähig bleiben und Flash als Teil des mobilen Browsererlebnisses war dabei eine wichtige Trumpfkarte für Android. Nun, da mehr Endgeräte auf Android-Basis verkauft werden als iPhones, hat dies keine große Bedeutung mehr. Die Integration von Flash in die Desktop-Version von Google Chrome ist ein kluger Schachzug, unabhängig davon, was im Bereich mobile Endgeräte geschieht.«

Danny Winokur, Vice President und Leiter der Abteilung Interaktive Entwicklung bei Adobe, hat es in einem Blogeintrag am besten ausgedrückt: »HTML5 wird nun von allen wichtigen mobilen Endgeräten allgemein unterstützt, in manchen Fällen sogar ausschließlich. Dadurch ist HTML5 am besten für die Erstellung und Nutzung von Inhalten im Browser über eine Vielzahl mobiler Plattformen hinweg geeignet. Wir sind davon begeistert und werden auch weiterhin mit den wichtigen Unternehmen der HTML-Community, darunter Google, Apple, Microsoft und RIM, zusammenarbeiten, um Innovationen bei HTML5 voranzutreiben, die diese Unternehmen wiederum in die Entwicklung ihrer mobilen Browser einfließen lassen können.«

Sie können darauf wetten, dass Google dem aus vollem Herzen zustimmt.