Praxistest: IT viel härter im Nehmen als gedacht

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Der Modebegriff »Stresstest« hat offenbar einige Praktiker in der IT-Branche dazu bewegt, mal echte Hardware aus Serverraum und Rechenzentrum einem Krisentest zu unterziehen. Falls zum Beispiel die Kühlung ausfällt. Das Ergebnis war besser als bei den Banken.

Wir ahnen wohl alle, dass Staatsbudget, Banken und Konzernbilanzen eine echte Krise kaum überleben dürften. Bei der IT-Hardware verhält es sich umgekehrt: Sie ist im Ernstfall viel tougher als wir alle denken. So schafft es ein Rechenzentrum in Überschwemmungsgebieten sogar, im Zelt zu arbeiten – bei hoher Luftfeuchtigkeit. Oder ohne Kühlung. Oder in einer staubigen Blechhütte.

Bei diesen Behauptungen handelt es sich nicht etwa um vollmundige Versprechungen der Hersteller und Händler, sondern um die jüngsten Ergebnisse diverser Unternehmen und IT-Abteilungen, die einfach mal wissen wollten, wie viel Stress ihre Rechner im Ernstfall wirklich aushalten würden – weit jenseits der empfohlenen Komfortzonen aus Temperatur und Luftqualität.

So fand Microsoft vor ein paar Jahren schon heraus, dass ein bisschen Regen, Herbstlaub in den Lüftern und unkontrollierte natürliche Temperaturschwankungen im Serverbetrieb keine negativen Effekte haben müssen. Zwei Angestellte hatten die Idee für ihr Wetterexperiment und stopften fünf ausgewachsene Server in ein klassisches, durch Metallstöckchen errichtetes Zelt. Ohne Kühlung, in vollem Betrieb und vor allem durch fast alle Jahreszeiten hindurch, denn der Testbetrieb ging von November bis Juni. Kühlungsexperte Christian Belady und IT-Manager Sean James waren selbst verblüfft, dass ihre HP-Server (DL585) im Zelt nicht einen Aussetzer produzierten.

»Natürlich empfehle ich jetzt nicht, Rechenzentren in Zelten zu errichten oder sich spezielle Serverräume zu schenken, sondern unser Experiment illustriert nur die Möglichkeiten. Die Branche könnte bei den Vorgaben weniger restriktiv sein und damit auch einiges an Kosten sparen«, führte  Belady in seinem Blog aus.

Eine aktuelle Bestätigung jenes Praxistests liefert soeben David Filas, ein Rechenzentrumsingenieur, der für eine Klinik arbeitet. Im kalten Michigan kam er auf die Idee, frisch ausgemusterte Server zu einem Feldeinsatz zu schicken, um ihre wahre Belastungsgrenze festzustellen. Da kam ihm die Generatorenhütte auf dem Gelände gerade recht: Keine Temperaturregelung, nachts saukalt, tags warm, staubig, dreckig und bei laufendem Generator noch wärmer und mit leichtem Öl- und Russdunst in der Luft. Bis Januar nächsten Jahres sollen die armen Server nebst Peripherie und Netzwerk-Equipment in der unwürdigen Hütte vor sich hin arbeiten – ohne Wartung oder Hilfe.
Filas will mit diesem Extremtexts seine Kollegen überzeugen, dass die Hardware gar nicht so empfindlich ist wie die meisten glauben.

Die ersten Monate hat das Equipment schon problemlos durchstanden, trotz der großen saisonalen Bandbreite in Michigan. Solche praktischen Tests wurden auch von anderen durchgeführt. So veröffentlichte jüngst Intel Corp. eine Studie, bei dem im praktischen Versuch Rechenzentren nur mit normaler Außenluft gekühlt wurden. Es gab bewusst keine Kontrollen für die Luftfeuchtigkeit und nur einen minimalen Filter, der die gröbsten Pollen und Insekten abgehalten hat. Ergebnis: Es funktioniert und spart Unsummen für Klimaanlage und deren Betriebskosten.