Finanzbranche erklärt Cloud-Anbietern ihre Anforderungen

CloudNetzwerke

Die stark regulierte Finanzbranche macht in ihren Tests der Industrie vor, welche Anforderungen sie an Cloud-Angebote hat. Ein Technikservice-Unternehmen für das Bankgewerbe hat die Cloud-Trends für 2012 zusammengefasst – unsere Analyse dieser Forderungen zeigt: Noch ist Cloud-Computing im Unternehmen nicht am Ziel angelangt.

Die »Finanz Informatik Technologie Service GmbH & Co. KG« beschreibt in ihrer aktuellen Meldung die »Cloud Trends 2012 für die Finanzbranche« – und fasst damit kurz all das zusammen, woran die Cloud-Service-Anbieter für andere Branchen noch arbeiten müssen.

Zuallererst würden zahlreiche Testphasen abgeschlossen werden und die Services tatsächlich aktiv in die Cloud ausgelagert werden müssen. Bei den Banken und Finanzinstituten seien dies vor allem Cloud-Dienste, die exakt auf die Anforderungen der Branche zugeschnitten seien. Diese Spezialisierung auf spezielle Branchenanforderungen sieht auch die ITespresso-Redaktion am Aufkommen der Pressemeldungen zum Thema Cloud Computing: Oft sprechen die Dienste nur eine sehr kleine und genau definierte Zielgruppe an. Die Spezialisierung in diesem Segment wird weitergehen.

Was der Finanz-IT-Dienstleister fi-ts ebenfalls als Trend sieht, ist die Interaktion verschiedener Cloud-Anbieter. Kurz und gut aus Sicht der IT-Verantwortlichen: Cloud-Standards zum Austausch von Infrastrukturen und Daten werden sich entwickeln und durchsetzen. Erst, wenn dies passiert ist, werden sich deutlich mehr Unternehmen mit Sicht auf ihre Investitionssicherheit für Cloud-Services entscheiden.

Erste Anfänge sind bereits gemacht: So gibt es ein Cloud Standards Customer Council, das sich bereits aktiv um kundenfreundliche Standards bemüht, und die Allianz »OpenStack«, die Webhoster Rackspace begründete und mittlerweile auch HP, Cisco und Dell mit aufgenommen hatte, tut ein Weiteres dazu. Auch Facebook und Canonical haben sich der offenen Inititaive angeschlossen.

In der Finanzbranche fordert man zudem ein übergreifendes Management der Cloud-Dienste besonders im Hinblick auf Identity Management. Übergreifende IT-Management-Dienste für Cloud-Infrastrukturen gibt es bereits zuhauf, doch das Identity-Management ist bislang noch ein Stiefkind bei vielen Anbietern – übergreifende Standards mögen zwar schon einige existieren, doch kompatibel sind sie noch lange nicht – und sicher erst recht nicht.

In Deutschland sehr erfolgreich mit Identity-Management-Systemen war bis voriges Jahr die Völcker Informatik AG, die inzwischen von Quest Software erworben wurde. Deren Identity-Management-Lösung zeigt zwar die richtige Richtung für plattformübergreifendes Identity-Management auf – doch ein offener Standard ist sie bei Weitem noch nicht; sie integriert vielmehr nur viele kleine Standards für relativ hohe Dienstleistungssummen in ein (nicht offenes) Ganzes.

Last but not least nennen die Finanz-Experten von fi-ts ein nötiges professionelles Mobile-Device-Management. Der Trend »Bring your own device« , also die Mitnahme privater Mobilgeräte in Büro, ist noch lange nicht sicher, meint etwa Professor Sachar Paulus von der Analystengruppe Kuppinger Cole. Vereinzelte Lösungen zum Einbinden der Privatgeräte ins Firmennetz gibt es zwar schon einige – doch solche, die bei Nutzung in der Cloud genügend Sicherheit bieten, sind noch selten.

Die »Trends« sind im Grunde also Forderungen, und die erste genannte nach Umstellung in reale Cloud-Dienste hat noch einige weitere Forderungen in sich: Eine garantierte »Uptime« von 99,998 Prozent wird zum Beispiel noch fast kein Cloud-Anbieter in seinen Service-Level-Agreements unterbringen. Die oft angebotene »Hochverfügbrkeit« muss sich erst noch zu einer »Höchstverfügbarkeit« mausern.

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