Tablets gibt es schon seit Ewigkeiten

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Alle Pietät der Welt reicht nicht, um festzustellen: Steve Jobs ist nicht der Erfinder des Tablet-PC. Er ist nur der erste, der die Idee als iPad massentauglich machte. Ein kleiner Exkurs in die Geschichte.

Eigentlich wusste es die ganze Branche, aber keiner traute sich, es zu sagen. Der Tod von Steve Jobs ist schließlich noch zu nahe. Und klar, Jobs hatte die Welt verändert – indem er eine Idee vervollkommnete, die eigentlich in Microsofts Entwicklungsabteilung ihren Anfang erlebte: den Tablet-PC.

Ein Journalist, der Bill Gates im Jahre 2006 zu einem Kongress in Belgien auf Video aufnahm, behauptet, dass Gates die Idee des iPad schon 2006 ziemlich genau erklärt habe. In der Tat aber gab es die ersten Prototypen des Windows-Tablets schon im Jahre 2000, die offfizielle Vorstellung fand 2001 statt. Die Idee für derartige Windows-Rechner hatte es vielleicht schon in den 90er-Jahren gegeben – und selbst diese fußten auf einem Fundament, das sich schon in den Siebzigern gebildet hatte – damals entstand die Theorie stiftbedienter Computer, die in den 80ern in Form von PDAs Einzug in den Markt hielt. Der Apple Newton war eines der Geräte, die es jedoch alle kaum zum Massenerfolg brachten.

Die Windows-Tablets von Anfang des Jahrtausends waren zu teuer und in der Bedienung noch viel zu kompliziert, um sich auf dem Massenmarkt durchzusetzen. Zudem waren Touchscreens seinerzeit in den Produktdesigns noch gar nicht vorgesehen – im Gunde handelte es sich damals nur um umgebaute Notebooks – und die waren noch lange nicht so leicht und portabel wie heute. Intel hatte gerade mal die »Ultrabortable Computers« angekündigt – UMPCs hießen sie damals. Sie waren zwar nicht unerschwinglich, aber noch lange kein Massenprodukt.

Samsung geht bei der Verteidigung gegen Apples Klagen sogar noch einen Schritt weiter zurück als nur zu Windows-Tablets und PDAs: Das Design habe schon in den 60er-Jahren beim Dreh des Science-Fiction-Klassikers »2001 – a space odyssey« Gestalt angenommen.

(Bild: Das PARC Dynabook aus den Siebziger-Jahren, Quelle PARC)

Im realen Leben fanden zur selben Zeit tatsächlich die ersten Entwicklungen für ein Gerät ihren Anfang, das wie ein Notizbuch aussehen sollte – also noch nicht ganz genau dem Design-Formfaktor entsprachen, der heute als Pad verkauft wird, aber ihn immerhin schon andeuteten. Es wurde von Alan Kay, der es seinerzeit am Xerox PARC (Palo Alto Research Center) entwickelte, als »Dynabook« bezeichnet. Von Alan Kay hatte sich Steve Jobs schon einige Ideen geholt: Die grafische Benutzeroberfläche und die Mausbedienung, die Apple mit dem ersten Macintosh-Computer einführte, waren erste Versuche, die damaligen Wolkenkuckucksheime der PARC-Forscher in reale Produkte umzusetzen.

Ehre, wem Ehre gebührt: Die Ideen hatte Steve Jobs nicht alleine, und selbst bei ihrer Umsetzung war er nicht immer der erste. Doch was man ihm hoch anrechnen muss, ist, dass er all die Ideen der anderen zu einem nicht nur technisch umsetzbaren Ganzen, sondern auch zu einem emotional erfassbaren Produkt für die Massen führen konnte.

YouTube-Video: Bill Gates 2006
(ab einer Minute 13 Sekunden sollte man seinen Worten genau zuhören – und man glaubt, er beschreibt das iPad. Gates nimmt sogar schon den Trend des überall drahtlos verfügbaren Internets vorweg):

(Quelle: Youtube/Datanews)

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