Ausprobiert: Parallels Desktop 7

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Mit hervorragender Client-Software für mobile Endgeräte und der Unterstützung für Masseninstallationen setzt Parallels Desktop 7 sich im Bereich Mac-basierter Virtualisierung an die Spitze des Feldes.

Eines der ersten Dinge, mit der ein Mac-Nutzer sich abfinden muss, ist die Tatsache, dass die Mehrheit der Programme nicht für seine Rechner-Plattform verfügbar ist. In manchen Fällen stellt dies kein Problem dar, wenn es entsprechende Anwendungen gibt, die mit Apples Betriebssystem kompatibel sind. Aber die Anwender innerhalb eines Unternehmens und die Abteilung, die diesen Nutzern Support leistet, haben diese Alternative nicht – besonders dann nicht, wenn es sich um Software handelt, die firmenintern entwickelt wurde. In solchen Situationen läuft es auf zwei Behelfslösungen hinaus: Entweder eine Dual-Boot-Konfiguration mit Mac OS X und Windows als Betriebssystem oder der Einsatz eines Virtualisierungstools, mit dessen Hilfe die Anwender mehrere Betriebssysteme innerhalb der Mac-Umgebung nutzen können. Mit Parallels Desktop 7, das Anfang September vorgestellt wurde, bietet das Unternehmen eine solide Grundlage für Virtualisierung im Unternehmen, sollte man sich für diesen Ansatz entscheiden. Dabei ist Parallels Desktop 7 mehr als nur eine reine Betriebsplattform für »artfremde« Anwendungen.

Die Stärke von Parallels liegt in der Fernwartung

Was Parallels von Tools wie VMware Fusion oder Oracle Virtual Box unterscheidet, ist nicht die Möglichkeit, fremde Betriebssysteme als Gastsysteme auf einem Mac-Hostsystem zu installieren. Das kann man als gegeben voraussetzen, obwohl alle drei Lösungen die verschiedenen Gastsysteme unterschiedlich gut unterstützen. Auch die Fähigkeit, die Anwendungen eines installierten Gastsystems bruchlos in den Kontext der Mac-Umgebung einzufügen, ist kein Unterscheidungsfaktor. Viele Virtualisierungslösungen können dies leisten, daher würde man eher Notiz nehmen, wenn diese Funktion nicht vorhanden wäre.

Stattdessen tut sich Parallels bei den Fernwartungsfunktionen hervor. Die Parallels Mobile App für auf iOS basierende Geräte, die im iTunes App Store separat erworben werden muss, ermöglicht es Nutzern, den Parallels Desktop mithilfe eines iPads, iPhones oder iPod Touchs aus der Ferne zu verwalten, unabhängig vom Aufenthaltsort. Virtual Machines (VMs) können mit der Parallels Mobile App gestartet, gestoppt oder heruntergefahren werden, was für Außendienstmitarbeiter, die nur mit kleinem Hardware-Gepäck reisen wollen, einen hohen Komfortfaktor bedeutet.

Die neue Version des Parallels Desktop unterstützt, wie man sich bereits denken konnte, die neuen Benutzeroberflächenelemente von OS X Lion. Dazu gehört die Integration in Launchpad und Mission Control und die Unterstützung für den Vollbildmodus von Lion, wenn man mit Windows-Anwendungen arbeitet. In meinen Tests, bei denen ich sowohl die Server- als auch die Client-Versionen von Windows benutzt habe, darunter auch die Client-Version der Windows 8 Developer Preview, konnte ich keinen wahrnehmbaren Leistungsunterschied feststellen zwischen Parallels Desktop 7 sowohl auf Lion oder Mac OS X Snow Leopard und VMware Fusion 4 in einem ähnlichen Testaufbau. Ich bin sicher, dass irgendwer irgendwo Benchmarks gefahren hat, die »beweisen«, dass eine der beiden Lösungen in irgendeiner Form schneller ist. Aber meinen Testergebnissen zufolge liegt der große Unterschied nicht in der Geschwindigkeit.

Masseninstallationen verwalten

Zusätzlich zu den »Basic«- und «Switcher«-Versionen des Parallels Desktop 7, wobei letzterer ein USB-Kabel beiliegt, mit dessen Hilfe eine bestehende Windows-Installation von einem PC auf eine Gast-VM übertragen werden kann, und außerdem eine Video-Anleitung für neue Nutzer, bietet Parallels eine Volumenlizenz-Option, genannt Enterprise Edition. Diese Version wurde im Juli vorgestellt (damals als Option für Parallels Desktop 6) und ermöglicht die Masseninstallation über einen Install Package Builder. Die Enterprise-Version des Parallels Desktop ist mit einer Reihe von Tools zur Fernwartung für das Mac-Betriebssystem kompatibel, darunter Absolute Manage (vormals LANrev), Casper Suite von JAMF Software, LANDesk und natürlich auch Apple Remote Desktop. Die Enterprise Edition ist einfach zu konfigurieren und man kann auf diese Weise sicherstellen, dass eine Masseninstallation auf Dutzenden oder Hunderten Rechnern auf jedem einzelnen Mac identisch abläuft.

Eine weitere erwähnenswerte Eigenschaft des Parallels Desktop ist die Einfachheit, mit der neue VMs aufgesetzt werden können. Der Parallels Wizard ermöglicht es dem Administrator, eine bestehende Installation auf einem Rechner umzuwandeln, egal ob auf einem anderen Computer oder einem externen Speichergerät. Man kann damit vorkonfigurierte Parallels-Appliances herunterladen, auf denen Fedora, Google Chrome oder Ubuntu läuft. Es lassen sich damit bestehende VMs kopieren, unabhängig davon, ob diese mit Parallels oder VMware erstellt wurden. Und es besteht die Möglichkeit, damit auf einfache Weise Windows 7 direkt von Microsoft zu erwerben oder einen physischen Datenträger zu verwenden, um damit Windows zu installieren.

Um den Parallels Desktop 7 zu installieren, wird mindestens ein Mac mit Intel Core 2 Duo-Prozessor benötigt, außerdem ein Minimum von 2 GByte an Arbeitsspeicher. Der Hersteller empfiehlt 4 GByte, wenn man Windows 7 als Gast-Betriebssystem nutzen möchte. Aber wie bei jeder Virtualisierungslösung gilt auch hier mein Motto, dass, wenn man vorhat, regelmäßig Gast-Betriebssysteme zu verwenden, man nicht mit Arbeitsspeicher geizen und in mindestens 8 GByte RAM investieren sollte. Wie erwähnt, kann man Parallels Desktop 7 nur dann voll ausreizen, wenn man die Software unter OS X Lion installiert, aber sie ist auch mit den Endversionen von Leopard (10.5.8) und Snow Leopard (10.6.8) kompatibel.

Vorteil: Parallels

Die Fernwartungs-Funktion ist nicht hundertprozentig idiotensicher, kommt dem aber schon sehr nahe. Ich hatte einige Schwierigkeiten, als ich für diesen Artikel die Client-Software für den Parallels Desktop konfigurieren wollte, da die Parallels-Server auf der anderen Seite der Cloud die Benutzer-ID und das Passwort nicht annehmen wollten, bis ich einen Dienst auf dem Client stoppte, bis hundert zählte und dann den Dienst neu startete. Vielleicht nur ein Ausrutscher. Bis zum Redaktionsschluss konnten weder die Entwickler bei Parallels noch ich selbst den Fehler reproduzieren. Nachdem dies geklärt war, funktionierte die Parallels Client-Software für mobile Endgeräte einwandfrei und ich konnte damit ganz einfach sowohl auf die Parallels Desktop Clients im Testlabor in San Francisco als auch auf meine eigene Workstation am anderen Ende der Stadt zugreifen.

Dadurch, dass ich erst vor kurzem VMware Fusion 4 unter die Lupe genommen habe, kann ich diese Virtualisierungslösung nun optimal mit Parallels Desktop 7 vergleichen. Beide Lösungen stellen eine solide Virtualisierungsplattform für das Mac-Betriebssystem dar und unterstützen ein breites Spektrum an Gast-Betriebssystemen. Beides sind relativ ausgereifte und stabile Softwareprodukte und darüber hinaus relativ einfach zu benutzen. Obwohl Fusion eine etwas Mac-ähnlichere Benutzeroberfläche bietet und die bessere Wahl ist, wenn man mit VMs arbeitet, die in einer Rechenzentrums-Umgebung betrieben werden, hat Parallels im Bereich Masseninstallationen die Nase vorn. Das Tüpfelchen auf dem i ist die Tatsache, dass die Parallels Client-Software für mobile Endgeräte alles, was VMware für Mobilgeräte zu bieten hat, bei weitem übertrifft. Vorteil: Parallels.