
Bring Your Own Device: Geht das auch sicher?
Dass Mitarbeiter ihre privaten Geräte auch am Arbeitsplatz nutzen liegt im Trend und hat sowohl für Mitarbeiter als auch Unternehmen Vorteile. Dennoch ergeben sich dadurch vor allem hinsichtlich der Sicherheit einige neue Herausforderungen, wie Prof. Dr. Sachar Paulus erklärt.
Aktuelle Trends, ein paar Statistiken
»Consumerization der IT« – ein Begriff, unter dem man sich kaum etwas vorstellen kann. Auf Deutsch würde man – wortwörtlich übersetzt – in etwa »Verbraucher-ifizierung der Informationstechnologie« verwenden müssen. Doch auch die deutsche Version dieses Wortungetüms macht es nicht anschaulicher.
Gemeint ist damit, dass die Informationstechnologie, die bis dato im Wesentlichen getrennt war in Unternehmenslösungen und Informationstechnologie für den Privatgebrauch, nun im Wesentlichen zusammenwächst, bzw. etwas spezifischer, die IT für den Privatgebrauch nun die Unternehmenslösungen erobert. In der Vergangenheit gab es zwei getrennte Märkte, und entsprechend waren die Produkte und Lösungen nicht gleich. Wenn auch gleichartige Komponenten in professionellen Laptops und High-End-Privat-PCs zum Einsatz kommen, so sind diese unterschiedlich designt und unterschiedlich vertrieben worden.
Aus Sicht der Unternehmens-IT war das rückblickend betrachtet eine sehr komfortable Position, denn durch die getrennten Geräte und zum Teil auch inkompatiblen Lösungen bestand gar nicht die Gefahr, dass ein Mitarbeiter ein privates Gerät für die Arbeit verwenden könnte. Im Gegenteil, viele Menschen brüsteten sich mit dem Statussymbol, das ihnen vom Arbeitgeber überlassen wurde, welches sie sich niemals privat kaufen würden, etwa einen Blackberry von RIM oder ein IBM Thinkpad.
Genau dies hat sich geändert: zum einen getrieben durch immer hübschere Endgeräte – dort hat sicherlich Apple einen wesentlichen Anteil, z.B. mit MacBook Pro Unibody oder iPhone und iPad – und zum anderen ermöglicht durch die inzwischen fast vollständige Kompatibilität der Lösungen, wollen immer mehr Mitarbeiter auch ihre privaten Endgeräte im Umfeld der Arbeit nutzen. Hinzu kommt, dass die Integration von Berufsleben und Privatleben immer mehr zunimmt, und dass viele nicht mehr nur für einen einzigen Arbeitgeber tätig sind, gleichwohl aber nicht für jedes Umfeld ein unterschiedliches Gerät verwenden wollen – vor ca. 2 Jahren sah ich einen Reisenden, der 4 Telefone dabei hatte – und auch tatsächlich alle 4 benutzte. Der Anspruch heute ist, dass dies alles auch in einem Gerät möglich sein soll.
»Bring Your Own Device« ist das Schlagwort für die Problematik des Einsatzes von privaten Endgeräten im Unternehmensumfeld. Wie viele Trends kommt auch dieser aus den USA. Statt Mitarbeitern einen PC, ein Telefon zur Verfügung zu stellen, bekommt der Mitarbeiter eine gewisse Geldsumme (zusätzlich), dafür ist er für die Entscheidung, den Kauf und den Support des Endgeräts selbst verantwortlich. Ob er dann einen PC oder einen Mac kauft, ist ihm überlassen. Dies stellt die »Endstufe« dar, natürlich sind eine Vielzahl von Varianten denkbar, auch die Einbindung von eigenen Smartphones zur Bearbeitung im Unternehmenskontext wird schon als BYOD bezeichnet.
Vorteile von BYOD
Auf den ersten Blick hat BYOD nur Vorteile: für den Mitarbeiter ergibt sich eine höhere Synergie zwischen Beruf und Privatleben, mehr Flexibilität und mehr Individualität führen zu einer deutlich höheren Mitarbeiterzufriedenheit. Der Arbeitgeber ist modern, und unterstützt, idealerweise mit einer großzügigen Präsenzregelung und flexiblen Arbeitszeiten, innovative Arbeitsmodelle, die auch z.B. für Alleinerziehende eine interessante Konstellation bieten können.
Auch für die Unternehmens-IT gibt es durchaus Vorteile: es ist nicht mehr notwendig, eine komplette Abteilung damit zu beschäftigen, Standard-PCs nach Firmenvorgaben zu entwickeln, zu beschaffen und zu warten. Diese Mitarbeiter werden frei für innovativere Aufgaben. Der Zwang zum möglichen Einsatz von mehreren Komponenten führt auch dazu, dass die Anwendungen maximal standardisiert werden müssen, und dass proprietäre Lösungen kaum noch Einsatz finden können. E-Mail oder Kalender-Synchronisation ist problemlos über IMAP und CalDav mit offenen, standardisierten Protokollen möglich, dafür sind keine eigenen Client-Anwendungen mehr erforderlich. Insgesamt zwingt BYOD die IT-Abteilung dazu, sich auf nachhaltige und flexible Architekturen zu konzentrieren (in Verbindung mit Cloud Computing eröffnet das ganz neue Möglichkeiten).
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