»Nur vier Zuschauer beim Apple-Stream können eine Internet-Verbindung komplett auslasten«

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In der nächsten Woche stellte Apple das neue iPhone vor und das große Interesse der Öffentlichkeit könnte laut Blue Coat Systems einige Firmennetzwerke vor gehörige Herausforderungen stellen. ITespresso.de sprache mit Arne Ohlsen, dem Senior Product Marketing Manager beim Sicherheitsspezialisten.

ITespresso.de: Herr Ohlsen, Sie warnen, die anstehende Vorstellung des iPhone 5 könnte die Netzwerke vieler Firmen überlasten, weil sich die Mitarbeiter den Stream am Arbeitsplatz anschauen. Wie kommen Sie darauf?

Arne Ohlsen: Dies ist eine ganz einfache Rechenaufgabe: In der Vergangenheit hat Apple Live-Streams seiner Pressekonferenzen in den Auflösungen 480p und 720p bereitgestellt. Das bedeutet, dass ein Stream – und damit also ein einziger Betrachter – zwischen 800 kBit/s und 2,5 MBit/s an Bandbreite konsumiert. Hochgerechnet brauchen Sie in Ihrem Unternehmen also nur ein bis vier Zuschauer der Pressekonferenz, um die Internetv erbindung einer typischen Außenstelle komplett auszulasten.

Die Apple-Veranstaltung findet um 10:00 Uhr US-Westküstenzeit statt. Die meisten deutschen Angestellten dürften da das Büro bereits verlassen haben…

Das ist sicher richtig. Daher werden die Auswirkungen der Live-Übertragung auf Firmennetzwerke in den USA auf alle Fälle deutlich heftiger ausfallen als in Deutschland. Doch dabei darf man eines nicht vergessen: Am nächsten Morgen werden wahrscheinlich viele Mitarbeiter entweder die Aufzeichnung der Pressekonferenz ansehen oder die Video-Berichterstattung darüber. Dies sind dann zwar keine Live-Streams mehr, aber der Bandbreitenbedarf ist derselbe.

Sollte es nicht reichen, einfach den Apple-Stream zu blockieren?

Wenn Sie Ihre Mitarbeiter verärgern wollen, können Sie das natürlich tun. Doch das würde wenn überhaupt nur einen Teil des Problems lösen. Denn am nächsten Tag müssten Sie konsequenterweise auch die Video-Streams aller Nachrichtenseiten blockieren, die über die Veranstaltung berichten. Und stellen Sie sich vor was passiert, wenn Apple zeitnah das Update auf iOS 5 bereitstellt und 300 Ihrer Kollegen mehr oder weniger gleichzeitig am Morgen ihr iPhone mit iTunes verbinden: Bei einer geschätzten Größe des Updates von 700 MByte bedeutet dies, dass rund 210 Gigabyte an Daten allein für die neue Version von iOS über Ihre Internetverbindung laufen müssen. Auch das ist also eine Gefahr für die Verfügbarkeit von unternehmenskritischen Anwendungen.

Was ist Ihr Lösungsvorschlag?

Vor solchen Szenarien – die übrigens immer häufiger werden – kann letztlich nur eine intelligente Lösung am Internet-Gateway schützen. Die Auswirkungen von Live-Übertragungen lassen sich hier beispielsweise durch Stream-Splitting auf ein Minimum reduzieren. Dabei wird ein Live-Stream nur einmal aus dem Internet bis an das lokale Gateway übertragen und erst dort auf die verschiedenen lokalen Nutzer aufgeteilt. Vor dem Anwendungsstillstand bei iOS-Updates oder anderen großen Massendownloads können entsprechende Caching-Mechanismen am Gateway schützen. Dabei würde beispielsweise das iOS-5-Update nur einmal aus dem Internet geladen und etwa auf einer Appliance zur WAN-Optimierung zwischengespeichert. Alle lokalen Abrufe des Updates würde die Appliance dann aus ihrem Cache bedienen und so das WAN für die wichtigen Anwendungen freihalten.

Herr Ohlsen, vielen Dank für das Gespräch.