Studie: Schere zwischen Arm und Reich in der IT-Branche klafft weiter auseinander

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Laut einer Studie von AlixPartners wächst der IT-Sektor zwar ordentlich, doch in der Branche gibt es Gewinner und Verlierer. Fast der Hälfte aller Unternehmen droht in den nächsten zwei Jahren die Zahlungsunfähigkeit – besonders gefährdet sind TK-Unternehmen und die Hersteller von Unterhaltungselektronik.

Während Apple auf riesigen Bar-Reserven sitzt und Google sich die Übernahme von Motorola für 12,5 Milliarden Dollar leisten kann, müssen andere Unternehmen der IT-Branche ums Überleben kämpfen. Das geht aus einer Studie von AlixPartners hervor, der zufolge 44 Prozent der Unternehmen in den nächsten zwei Jahren die Zahlungsunfähigkeit droht, sollten keine drastischen Korrekturmaßnahmen ergriffen werden. Für die Branche sei das insofern bedrohlich, da diese Unternehmen für 54 Prozent des gesamten Umsatzes der Branche verantwortlich seien.

Die IT-Industrie habe die Krise zwar relativ gut überstanden, urteilt man bei AlixPartners, doch sie stünde vor großen Herausforderungen. Dazu zählt man nicht nur den heftigen Wettbewerb, der zu geringeren Gewinnmargen führt, sondern auch den hohen Verschuldungsgrad und die Notwendigkeit, trotz schwierigem Kapitalmarktumfeld neue Investitionsprogramme aufzulegen. Zudem würden die wachsenden Ansprüche der Verbraucher die Unternehmen unter Druck setzen. »Das dürfte die Kluft zwischen den Gewinnern und Verlierern der Branche noch weiter auseinandertreiben«, meint Michael Baur, Managing Director und Deutschland-Chef von AlixPartners. Er ist sich sicher, dass es noch zu einigen »markanten Aktionen … der stärksten Player [kommt], die den Technologiesektor noch mehrmals durcheinander wirbeln könnten«.

Vor allem für Europa erwartet man eine aggressive Konsolidierung der Branche. Die Unternehmen hätten ihre Investitionen von 10,2 Prozent ihres Umsatzes im Jahr 2006 auf 9,6 Prozent zurückgefahren und hätten mit der anhaltend schwerfälligen Konjunktur zu kämpfen. Dadurch könnten selbst große Unternehmen zu Übernahmekandidaten werden, urteilen die Berater. »Private Equity Häuser, die sich insbesondere auf kleinere oder angeschlagene Unternehmen spezialisieren, werden zukünftig einer ganzen Menge lohnenswerter Turnaround- und Konsolidierungsfälle begegnen«, sagt Baur.

Problematisch ist die finanzielle Situation laut AlixPartners vor allem im Bereich Unterhaltungselektronik, wo 87 Prozent der Unternehmen die Zahlungsunfähigkeit droht. Die Ursache dafür sieht man in erster Linie in den dünnen Gewinnmargen, die durch die gebremste Wirtschaftsentwicklung und den harten weltweiten Wettbewerb bedingt werden. Doch auch in der eigentlich starken Telekommunikationsindustrie seien drei Viertel der Unternehmen finanziell gefährdet, so die Studie. Hier ist es vor allem der hohe Verschuldungsgrad, der den Unternehmen zu schaffen macht. Schließlich musste die TK-Industrie in den vergangenen Jahren massiv in den Ausbau der Infrastruktur investieren, dazu kamen einige Übernahmen.

Hinsichtlich der finanziellen Überlebensfähigkeit einiger Unternehmen seien erhebliche Bedenken gerechtfertigt, heißt es denn auch wenig zuversichtlich in der Studie.

(Quelle kleines Bild oben: mipan – Fotolia.com)