Könnte Windows 8 das Betriebssystem sein, auf das alle warten?

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Microsoft glaubt, dass sich die IT-Landschaft in den letzten paar Jahren verändert hat und dass Windows 8 das dazu passende Betriebssystem ist. Ob dem wirklich so ist, wird sich zeigen, doch die Neuerungen machen schon mal Lust auf mehr.

Geheimnistuerei kann man das nicht gerade nennen: Während manche IT-Produkte bis zum offiziellen Vorstellungstermin unter Verschluss gehalten werden und andere wiederum nur in der Betaphase gezeigt werden, scheint Microsoft darauf bedacht zu sein, die neue Windows-Version 8 möglichst früh und oft der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Diese Bereitschaft, häppchenweise Details zu Windows 8, das irgendwann 2012 erscheinen soll, preiszugeben, verschafft Microsoft einige Vorteile. Zweifellos am wichtigsten dabei ist, dass das Betriebssystem der neuen Generation damit bei den Medien und potenziellen Nutzern im Gespräch bleibt. Zweitens erhält Microsoft dadurch in großem Umfang Feedback weit vor der Produkteinführung, was dem Unternehmen hilft, Fehler zu beheben, bevor diese sich in der heißen Phase als kritisch herausstellen.

Auf der BUILD-Conference gab Microsoft erstmals tiefere Einblicke in Windows 8 und zeigte zahlreiche Geräte, auf denen das neue Betriebssystem bereits lief.

Letzeres spiegelt Microsofts übliche Strategie bei der Einführung neuer, wichtiger Versionen von Softwareprodukten wieder: Es werden nach und nach mehrere Versionen der Software unter die Anwender gebracht, in der Hoffnung dass eine Vielzahl von frühen Nutzern die Fehler in der Software findet, noch vor der offiziellen Vorstellung des Produktes.

Betrachtet man die Herausforderungen, die Windows 8 bevorstehen, kann Microsoft das öffentliche Interesse gut gebrauchen. Windows 7 hat sich als beachtlicher Erfolg herausgestellt; seit seiner Markteinführung im Oktober 2009 sind hunderte Millionen von Lizenzen über den Ladentisch gegangen. Es könnte äußerst schwierig werden, Unternehmen und Privatnutzer davon zu überzeugen, nach so kurzer Zeit auf eine neue Version umzusteigen, besonders bei herkömmlichen Desktop- und Laptop-Computern.

Geeignet für Tablet-Computer und PCs

Microsoft versichert ebenfalls, dass Windows 8 auf Tablet-Computern genauso gut läuft wie auf herkömmlichen PCs dank zweier Benutzeroberflächen, die »kompromisslos« miteinander harmonieren. Im Tablet-Modus bietet Windows 8 dem Anwender eine Benutzeroberfläche im farbenfrohen Kachel-Look, der an Windows Phone angelehnt ist, aber das Umschalten auf den altbekannten Desktop-Modus ist ganz einfach.

Dieses duale System könnte Microsoft potenziell Chancen auf dem Tablet-Markt eröffnen, aber gleichzeitig legen sich die Redmonder damit mit Apples guteingeführtem iPad und mit einer ganzen Reihe von Google Android-Geräten an. Microsoft muss sich hier auf einen Wettbewerb mit harten Bandagen einstellen.

Im offiziellen »Building Windows 8«-Blog gibt Microsoft erste Einblicke in das Innenleben des Betriebssystems, darunter den Support für USB 3.0, die schnellen Boot-Zeiten und die Fähigkeit, mehrere virtualisierte Betriebssystem auf der gleichen Hardware laufen zu lassen.
Was die generelle Betriebssystem-Ästhetik betrifft, setzt Microsoft bei Windows 8 voll auf die »Metro«-Oberfläche, die auch beim Mediaplayer Zune und bei der Windows-Phone-Software zum Einsatz kommt. Sie ersetzt den »Aero«-Look, der bei Windows Vista und Windows 7 dominiert.

Das Blog verteidigt auch einige von Microsofts Design-Entscheidungen hinsichtlich der Benutzeroberfläche, besonders die Verwendung der »Ribbon«-Technik im neuen Windows Explorer. Durch die Einführung von Ribbons, die Tabs und Symbole in einer horizontalen oder vertikalen Leiste darstellen, wurden bereits einige Nutzer vergrätzt.

»Wir haben uns für die Ribbon-Technik entschieden, und denjenigen, die das für eine Fehlentscheidung halten, können wir nur sagen, dass wir anderer Meinung sind«, teilte Steven Sinofsky, Chef der Windows- und Windows-Live-Sparte am 2. September in einem Blog-Eintrag mit. »Wir waren uns sicher, und es hat sich als richtig herausgestellt, dass die Abneigung gegenüber den Ribbons hauptsächlich unter den Lesern dieses Blogs verbreitet ist.«

Geschaffen für eine neue IT-Welt

Auf seiner BUILD-Konferenz, die am 13. September in Anaheim in Kalifornien startete, bot Microsoft weitere Einblicke in Windows 8. In seiner Eröffnungsrede erläuterte Sinofsky den zahlreichen Entwicklern, die an der Veranstaltung teilnahmen, den Nutzwert von Windows 8: Schreibt Anwendungen für die Windows-Plattforum und Ihr habt Zugang zu einem Marktplatz, der hunderte Millionen von Nutzern umfasst.

Windows 8 sei für eine neue IT-Welt geschaffen worden, in der es eine »ganze Reihe von neuen Anwendungsbereichen« gebe, fügte er hinzu, als er vor einer Reihe von Monitoren, auf denen das Betriebssystem der nächsten Generation in Aktion gezeigt wurde, auf- und abschritt. Die Computernutzung würde nun von unterwegs erfolgen, auf einer immer größer werdenden Zahl von kleinen und leichten Geräten, in einer Welt, in der Verbraucher immer stärker an Dingen wie berührungsempfindlichen Oberflächen und Apps interessiert seien.
Die Aufgabe von Windows 8 sei es, erklärte Sinofsky, »auf dem Erfolg von Windows 7 aufzubauen«, während es gleichzeitig Funktionen und Tools anbieten würde, die den Anforderungen, die dieser Wandel mit sich bringe, gerecht werden würde. Programme, die unter Windows 7 liefen, würden auch von Windows 8 unterstützt. Das Betriebssystem der nächsten Generation werde »sowohl ARM- als auch x86-Prozessoren unterstützen«, sagte er.

Während der zweistündigen Präsentation betraten eine Reihe von Managern aus der Microsoft-Führungsriege die Bühne, um einige der neuen Fähigkeiten von Windows 8 vorzustellen. Darunter unter anderem die Bilder-Passwort-Funktion, bei der man durch Berühren von Teilen eines Bildes den Rechner entsperrt, und den Windows 8 App Store, der neben den »Metro«-Apps, die auf den berührungsgesteuerten Tablet-Modus abgestimmt sind, auch Win32-Apps enthalten wird. Von der Optik her unterscheidet dieser Marktplatz sich beträchtlich vom App Store für Windows Phone, obwohl auch hier Spiele und andere Arten von Apps im Vordergrund stehen, die Endverbraucher ansprechen.

Sinofsky und seine Kollegen überreichten den BUILD-Teilnehmern ein Konferenz-Souvenir der Luxusklasse: ein Samsung-Tablet mit der Entwickler-Vorschauversion von Windows 8. Das Gerät mit einem 11,6-Zoll-Display kann mit Entwickler-Apps, Wiederherstellungsfunktion, Dock, mit dem eine Tastatur oder mehrere Bildschirme angeschlossen werden können, 64 GByte SSD und 4 GByte Arbeitsspeicher aufwarten, außerdem können die Entwickler damit ein Jahr lang kostenlos das UMTS-Angebot des US-Mobilfunkbetreibers AT&T nutzen. Unter der Haube steckt ein Intel-Chipsatz, außerdem ist auch ein MicroSD-Anschluss integriert.

Alle Teilnehmer der BUILD-Conference erhielten den Prototyp eines Samsung-Tablets mit der Developer Preview von Windows 8.

Sicherheit als Eckstein

Obwohl die BUILD-Konferenz schwerpunktmäßig auf Tablets ausgerichtet war, verwendete Sinofsky einen beträchtlichen Teil seiner Präsentation darauf, bei sicherheitsfanatischen IT-Profis und Endverbrauchern Interesse für das neue Betriebssystem zu wecken. Windows 8 wird mit einer Reihe von verbesserten Sicherheitsfunktionen ausgeliefert, darunter besonders hervorzuheben ist Windows Defender.
Während einer Präsentation schloss ein Microsoft-Manager einen USB-Stick mit einem Rootkit-Virus an ein Tablet mit Windows 8 an; das Gerät bootete daraufhin nicht und die Systemsicherheit blieb gewahrt. Dies ist nur ein Aspekt des digitalen Panzers, den Microsoft für das Betriebssystem baut.

Sinofsky demonstrierte während seiner Präsentation immer wieder den Umschalt-Vorgang zwischen Desktop- und Tablet-Modus. Zu diesem relativ frühen Zeitpunkt erscheinen die Fenster und die Taskleiste der Desktop-Umgebung weniger poliert als bei der Aero-Optik unter Windows 7, aber ob dies dem Look der Endfassung von Windows 8 entspricht, bleibt abzuwarten. Microsoft hat den Task-Manager überarbeitet und mit einer abgespeckten Ansicht sowie mit einer Bedienleiste für das Feintuning für Power-User ausgestattet.

Auch bei Windows 8 hat Microsoft die Erfahrungen, die man mit Windows Vista gemacht hat, einfließen lassen – damals hagelte es aufgrund der aufdringlichen Warnmeldungen und Popup-Fenster Proteste seitens der Anwender. Beim neuen Betriebssystem sind die Benachrichtigungen (zumindest die Benachrichtigungen, die auf der BUILD-Konferenz gezeigt wurden) dezent in kleiner Schrift am unteren Ende eines Fensters dargestellt.

Noch ist Vieles Spekulation. Man kann sich jedoch darauf verlassen, dass Microsoft in den kommenden Wochen und Monaten den Nutzwert von Windows 8 betonen und die Welt darauf hinweisen wird, dass die Technik nun soweit gediehen ist, dass ein neues Betriebssystem mit einem größeren Funktionsumfang benötigt wird.


Bildergalerie Windows 8