Yahoo feuert Carol Bartz

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Yahoo hat sich überraschend von seiner Chefin Carol Bartz getrennt und damit neuerlichen Spekulationen, wie es mit dem Portalbetreiber weitergehen soll, Tür und Tor geöffnet. Nun ist man auf der Suche nach einem neuen CEO. Bis der gefunden ist, übernimmt Finanzchef Timothy Morse das Ruder.

Entgegen den sonst üblichen Gepflogenheiten der Branche, denen zufolge man sich »in gegenseitigem Einvernehmen trennt« oder sich entscheidet, »künftig getrennte Wege zu gehen«, wurde Bartz bei Yahoo schlicht gefeuert. Sie sei abgelöst worden, hieß es lapidar bei Yahoo, dessen Verwaltungsrat Finanzchef Timothy Morse zum Interims-CEO berief und sich nun auf die Suche nach einem neuen Chef begibt. Gleichzeitig formt man aus verschiedenen Personen des Top-Managements ein Executive Leadership Council, das Morse im Tagesgeschäft unterstützen und die Strategie des Unternehmens eingehend prüfen soll.

Da dürften denn auch die Gründe für die Trennung von Bartz liegen, die Anfang 2009 die Nachfolge von Yahoo-Gründer Jerry Yang angetreten hatte, nachdem diesem vor allem die gescheiterten Übernahmegespräche mit Microsoft angelastet wurden. Bartz handelte die Zusammenarbeit mit Microsoft bei Suche und Anzeigenvermarktung aus und startete eine Umstrukturierung, um das Unternehmen fit im Wettbewerb mit Google und neuen Gegnern wie Facebook zu machen. Richtig erfolgreich war man damit bislang nicht – zudem warfen ihr Gegner vor, keine Vision für die Zukunft von Yahoo zu haben.

Daher erfolgte nun wohl die Trennung, von der Bartz telefonisch von Ray Bostock, dem Vorsitzenden des Verwaltungsrats, informiert wurde, wie sie in einer Abschiedsmail an die Yahoo-Mitarbeiter schrieb.

Dem Börsenkurs tat der Personalwechsel an der Yahoo-Spitze jedenfalls gut, er kletterte im nachbörslichen Handel um mehrere Prozentpunkte. Womöglich weil die Anteilseigner darauf hoffen, dass nun wieder Übernahmegespräche mit potenten Investoren oder anderen Unternehmen geführt werden. Oder weil einige Geschäftsbereiche lukrativ verkauft werden könnten.