Apple: Jobs tritt ab, Cook übernimmt

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Steve Jobs’ Rücktritt war unvermeidlich, und doch ist er für viele ein Schock. Eric Doyle über Jobs’ Erfolge und was die Zukunft für Apple bringen wird.

Steve Jobs ist als Vorstandschef von Apple zurückgetreten nach einer langen und ereignisreichen Karriere bei dem Unternehmen, das er in den 70er Jahren zusammen mit Steve Wozniak gründete.

Es zeichnet ihn aus, dass er 36 Jahre lang an vorderster Front an der Weiterentwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologie mitgewirkt hat, angefangen von der Einführung des Apple 1 im Jahr 1975 bis hin zu der neuesten Erfolgswelle mit Produkten wie dem iPad und dem iPhone.

Mit seinem sprunghaften Charakter bot Jobs den Menschen, mit denen er zusammenarbeitete, stets Reibungsflächen und manchmal kam ihm dieser Wesenszug auch teuer zu stehen. Ins Positive gewendet trugen seine charismatischen Fähigkeiten als Redner enorm dazu bei, dass Apple sich zum wertvollsten Unternehmen der Welt mauserte – oder sich zumindest ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefert mit dem Ölmulti Exxon.

Die Tatsache, dass Apple heute eine führende Stellung einnimmt, ist erstaunlich, und hätte man noch vor fünf Jahren diesen Triumph vorhergesagt, wären Hohn und Spott die Folge gewesen. Dann kam der gesprächige Freund des Musikabspielgerätes iPod auf den Markt, das iPhone, gefolgt vom iPad – allesamt Mobilgeräte mit modernstem Funktionsumfang, und das Design ist ein echter Blickfang.

Apple galt die meiste Zeit seines Bestehens als Firma für Nischenprodukte. Obwohl er mit der Markteinführung des erfolgreichen Apple II im Jahr 1977 viel dazu beitrug, die Branche des Personal Computers aus der Taufe zu heben, bestand Jobs stets darauf, Apple-Produkte mit einem unverkennbaren Design zu versehen und auf qualitativ hochwertige Komponenten zu setzen, außerdem beschützte er seine Produkte mit kämpferischem, proprietärem Eifer.

Nachdem er von Firmenchef John Sculley und dem Apple-Verwaltungsrat aus der Firma gedrängt worden war, gründete er das Unternehmen NeXT, das Computer mit wundervollem Design zu Preisen anbot, die nur wenige zu zahlen bereit schienen. Obwohl NeXT von der Bildfläche verschwand, leistete es einen Beitrag: man sollte nicht vergessen, dass ein junger Tim Berners Lee die Grundlagen des World Wide Web auf einem NeXT-Computer entwarf, am Forschungsinstitut CERN.

Während der zehn Jahre, die er nicht bei Apple arbeitete, kaufte Jobs sich außerdem bei Pixar ein, was letztendlich zum ersten komplett computergenerierten Zeichentrickfilm in Spielfilmlänge führte: Toy Story.

Als er 1996 zu Apple zurückkehrte, brachte er das Betriebssystem NeXTSTEP mit, ein Überbleibsel der gescheiterten Firma, und legte damit den Grundstein für OS X. Zu jener Zeit befand sich Apple in einer existenzbedrohenden Krise, aber Jobs’ Einsatz als Firmenchef brachte das Unternehmen wieder auf Erfolgskurs.

Dann kam 2001 der iPod, der Apple nicht nur als feste Größe im Endverbrauchermarkt etablierte, sondern auch Apples Umsatz mit Computern übertrumpfte. Der Rest ist Geschichte, aber als Steve Jobs seinen teilweisen Rückzug aus der Firma ankündigte, gelangte die Apple-Story ans Ende eines Kapitels, wenn nicht sogar an das Ende des Buches.

Jobs leidet seit 2003 an einer Form von Bauchspeicheldrüsenkrebs, einem neuroendokrinen Tumor. Wie so häufig zog diese Diagnose auch bei Jobs eine Lebertransplantation nach sich, wodurch Spätfolgen auftreten können. Als er sich im Januar aus dem Tagesgeschäft bei Apple zurückzog, wurden keine weiteren Informationen dazu bekannt gegeben, aber anscheinend befindet er sich noch nicht auf dem Weg der Besserung und kann seiner eigenen Meinung nach seine Pflichten nicht mehr wahrnehmen.

Cook – ein kühler Revolutionär

Damit steht nun Tim Cook im Rampenlicht als der neue Firmenchef – obwohl er während Jobs’ Auszeit bereits lange Zeit stellvertretend das Unternehmen führte. Obwohl Cook zurückhaltender ist als Jobs, war er die treibende Kraft hinter der stillen Revolution, an deren Ende Apple sich vom Hersteller immer mehr hin zu einer Marketing-Firma wandelte, die die Produktherstellung Drittfirmen überließ. Dadurch konnte das Unternehmen seine Lagerbestände verringern und seine Margen über alle Produktlinien hinweg verbessern.

Es scheint, als wäre Cook eine grundsolide Wahl; Apples Aktienkurs ist seit der Ankündigung von Jobs’ Rücktritt nur leicht gefallen und nicht abgestürzt. Ob Cook der richtige Nachfolger ist, wird sich dann herausstellen, wenn es an der Zeit ist, das Unternehmen zukunftsfähig zu machen. Cook ist nicht als Visionär bekannt, sondern eher als besonnener Geschäftsmann, der in der Lage ist, Jobs’ Pläne für die unmittelbare Zukunft in die Tat umzusetzen.

Langfristig gesehen gibt es Gerüchte, dass Apple sich in den nächsten Jahren einem neuen Produktbereich zuwenden will und als Vorsitzender des Verwaltungsrates ist Jobs’ lenkende Hand nach wie vor spürbar. Die Zeit für Kursängste ist noch nicht gekommen und Steve Jobs’ Präsenz vor Ort wird Befürchtungen zerstreuen. Wahrscheinlich ist »business as usual« in der Firmenzentrale in Cupertino angesagt, bis zu dem Tag, an dem Jobs seine Mitarbeit bei Apple beendet.