Trotz Kurssturz: Google ist noch für Überraschungen gut

Mit dem Kauf des Handy-Herstellers Motorola durch den Such- und Smartphone-Betriebssystem-Giganten hat sich die Welt verändert. Zahlreiche Medien philosophieren über das, was jetzt anders wird – dabei ist der Kauf noch gar nicht durch die Behörden genehmigt. Dennoch ändern sich die Pläne vieler Investoren – eigentlich fällt Google so zurück. Technisch ändert dies jedoch nichts.

von Manfred Kohlen 1

Nach dem Milliardendeal zerbrach sich in den letzten Tagen die Welt den Kopf darüber, warum Google so viel Geld für Motorola ausgibt – und noch wichtiger, warum Motorola es schaffte, eine so hohe »break-up fee« auf das Nichteinhalten des Deals durch Google durchzusetzen. Wenn es sich Google anders überlegen sollte, wären  insgesamt 2,5 Milliarden US-Dollar Strafe fällig. Google zahlt dies zwar aus der Portokasse von seinen 40 Milliarden US-Dollar Barvermögen, doch jetzt ist der Suchprimus wirklich verpflichtet, Motorola und seine Patente zu kaufen.

Google-Chef Larry Page  schrieb gestern im Firmenblog selbst, warum Motorola für den hohen Preis von 60 Prozent über dem Börsenwert gekauft wurde: Man werde mit all den Patenten und den neuen Möglichkeiten der Android-Plattform noch einmal einen Schwung geben. Vielleicht aber geht dieser Schwung nach hinten los.

Denn ganz so einig mit den Ideen von Page sind sich die Investoren in Google-Aktien nicht. Am Dienstag, den 16.07. erklärte uns ein weltweit tätiger Investmentberater, er  habe derzeit viel zu tun, um Investoren auf die neue Situation im Smartphone-Markt vorzubereiten. Wen er beriet und was er seinen Kunden sagte, wollte er nicht mitteilen, und seinen Namen wollte er in diesem Zusammenhang lieber gar nicht genannt wissen. Vermutlich riet er zum Verkauf von Google-Aktien, bevor am Abend desselben Tages schließlich die Rating-Agentur Standard&Poors Google herunterstufte.

Die erworbenen  Patente seien nicht genug, um sich weiteren Feindseligkeiten gegen Android zu erwehren. Das hatte zuletzt auch Patentblogger Florian Müller in Twitter formuliert. Mit Motorola Mobility habe man sich einen hohen Risikofaktor ins Nest gesetzt, der die bisher gut laufenden Google-Aktien gefährde, meint S&P.

Als am 15.08. die Vereinbarung für den Kauf geschlossen wurde, hatte dieselbe Rating-Agentur noch zur Besonnenheit aufgerufen, das Google-Rating würde sich nicht verändern. Mitteilungen wie diesen sollte man nicht immer glauben: Inzwischen sind die Aktien des Suchprimus mächtig gefallen. Und S&P stufte die Google-Aktien auf »Verkaufen« ein. Schließlich machte die neue Entscheidung von S&P in den Medien die Runde und führte zu neuen Google-Kursstürzen.

Patent-Experte Müller hatte schon in seiner ersten Reaktion gewarnt, dass Google nun ein völlig neues Geschäftsmodell für Android haben werde. Dass mit dem neuen »Googorola«  die anderen Android-Hersteller Probleme haben werden,  glauben inzwischen viele. Die Geldquelle Android  fällt womöglich aus, weil Motorola nun als erster Handy-Hersteller die Neuheiten von Google bekommt – und die anderen vielleicht nicht.

Samsung und HTC, die einen großen Teil ihres Erfolges dem Google-System verdanken, haben nun wahrscheinlich ein mulmiges Gefühl – ihnen steht nicht nur Google gegenüber, sondern gleichzeitig der Konkurrent Motorola.
Manche glauben sogar, dass die Handyhersteller zu Microsoft überlaufen und damit Googles Marktmacht schwächen werden.

Die Finanzmärkte mögen derzeit schwierig sein – vor allem für Google. Doch an die vielen technischen Neuerungen, die das Unternehmen auf den Weg brachte und nun mit Motorola in neuer Art und Weise bringen wird, kann man nur glauben. Für Technikgläubige spielen die Finanzen alleine keine Rolle – Google wird seinen Weg gehen.

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