iOS 5 von Apple übertrifft die Vorgängerversionen: Erste Eindrücke

Mobile

Apple hat wichtige neue Funktionen, wie zum Beispiel iMessage und iCloud, in iOS 5 integriert, ohne in puncto Design und Handhabung Kompromisse einzugehen.

Als Apple iOS 5 ankündigte, teilte das Unternehmen mit, dass die neue Version mehr als 200 Verbesserungen gegenüber dem Vorgänger iOS 4 enthalten würde. Diese Verbesserungen reichen von der Einführung einer neuen Messaging-Plattform namens iMessage bis zur Integration von Twitter auf Betriebssystem-Ebene.

Zusätzlich zu diesen Funktionen gibt es ein neues Benachrichtigungssystem und ein Übersichtsfenster, über das man auf diese Benachrichtigungen schnell zugreifen kann. Es ist daher leicht nachvollziehbar, weshalb alle Nutzer von iOS4 sich zu Recht darauf freuen, die nächste Version von Apples mobilem Betriebssystem in die Finger zu bekommen.

Dezente, aber wichtige Unterschiede
Die überwiegende Mehrzahl der Nutzer wird sich allerdings bis Herbst 2011 gedulden müssen. Apple hat iOS 5 Beta 5 jedoch bereits für Entwickler freigegeben, und die Redaktion hatte Gelegenheit, diese Version einmal auszutesten. In vieler Hinsicht ist iOS 5 seinem Vorgänger ähnlich. Nutzer werden kaum dramatische Unterschiede zwischen den beiden Versionen des Betriebssystems ausmachen können.
Aber die Verbesserungen, die vorgenommen wurden, sind eminent und stellen eine willkommene Bereicherung einer Plattform dar, die im mobilen Bereich bereits führend war.

Es sollte jedoch beachtet werden, dass es sich hier um den Test einer Beta-Version handelt und nicht um die Endfassung von iOS 5. Es besteht daher die Möglichkeit, dass einige der Eigenschaften und Eigenheiten dieser Version nicht in der Endversion, die im Herbst veröffentlicht werden wird, enthalten sein werden. Aber wenn die Vollversion das hält, was diese Beta-Fassung verspricht, könnte iOS 5 die bisher beste Version des Apple-Betriebssystems werden.

Design
Das Erste, was Nutzern bei iOS 5 auffallen wird, ist die Tatsache, dass das „Look and Feel” im Prinzip mit der Vorgängerversion identisch ist. Man sieht den bekannten Sperrbildschirm, und das Design des Betriebssystems selbst hat sich auch nicht groß geändert. Der einzige Unterschied, der ins Auge fällt, sind die Schalter, die nun im Gegensatz zu den rechteckigen Vorgängern oval gestaltet sind. Es soll auch darauf hingewiesen werden, dass Apple sich in manchen Fällen von der alten blauen Benachrichtigungsbox, die schon etwas öde wirkte, verabschiedet hat.

Zum Beispiel, wenn ein Nutzer einen Weckruf eingestellt hat, wird dies nun durch eine schwarze Benachrichtigungsbox mit einem roten „Schlummer“-Knopf angezeigt. Vorher setzte Apple hier auf das blaue Standard-Design.

Befasst man sich eingehender mit iOS 5, dann wird deutlich, wie viele Änderungen in dieses Update eingeflossen sind. Zum Beispiel, wenn man mit dem Finger vom oberen Bildschirmrand nach unten wischt, erscheint ein neues Benachrichtigungszentrum, in dem SMS-Nachrichten, entgangene Anrufe, Nachrichten von Applikationen und mehr zu finden sind.

Die Einstellungsseite von iOS 5 wurde ebenfalls völlig neu gestaltet, hauptsächlich aufgrund der vielen neuen zusätzlichen Features. Die auffälligste Neuerung ist natürlich die iCloud-Anwendung. Über die Einstellungsseite kann iCloud aktiviert werden, außerdem können Nutzer festlegen, was genau synchronisiert werden soll, einschließlich E-Mail, Kontakte und Bookmarks.

Das Einstellungsmenü bei iOS 5 enthält nun auch eine Twitter-Option, bei der Nutzer ihre Login-Daten für das soziale Netzwerk eingeben können. Sobald diese Daten eingegeben sind, ist die heiß erwartete, systemweite Twitter-Integration aktiv, das heißt, Nutzer können über die bordeigenen Applikationen Tweets versenden.

Apples Entscheidung, das Design von iOS 5 kaum zu verändern, kann auf zweierlei Arten interpretiert werden. Einige Kritiker werden aufgrund der Entscheidung des Unternehmens enttäuscht sein und darauf hinweisen, dass es kein neues Standard-Hintergrundbild gibt oder dass das grundlegende Design nicht geändert wurde. Andere hingegen werden sich darüber freuen, dass Apple kaum etwas verändert hat.
Wie heißt es doch so schön: Bewährtes soll man bewahren. Und bis jetzt funktioniert iOS 5 Beta 5 genauso gut wie alle anderen, früheren Versionen des Betriebssystems.

Benachrichtigungen
Es gibt eine ganze Reihe an neuen Funktionen bei iOS 5 Beta 5, darunter die Einbindung von Twitter, neue Möglichkeiten, Web-Content zu konsumieren, iMessage und noch einiges mehr. Für Anwender wird jedoch wahrscheinlich Apples neues und verbessertes Benachrichtigungssystem am Wichtigsten sein.

Vorher war es so, dass das Betriebssystem die aktuell vom Nutzer verwendete Applikation pausierte, wenn eine Benachrichtigung einging. Das heißt, wenn ein Nutzer gerade in ein Spiel vertieft war und währenddessen eine SMS erhielt, zeigte iOS die SMS an. Der Nutzer musste die Benachrichtigung wegklicken, um weiterspielen zu können. Mit der neuen Version wurde dies komplett geändert.

Wenn sich Nutzer nun gerade in einer Anwendung befinden, wenn eine Benachrichtigung eintrifft, müssen sie sich nicht mehr mit dem Benachrichtigungsfenster auseinandersetzen. Stattdessen wird die Benachrichtigung am oberen Bildschirmrand dargestellt, außerhalb des Fensters der Applikation. Anwender können dann entweder auf die Benachrichtigungsbox klicken, um die Applikation aufzurufen, die die Benachrichtigung geschickt hat, oder sie können sie einfach ignorieren. Wird die letztere Option gewählt, verschwindet die Benachrichtigung nach ein paar Sekunden.

Darüber hinaus stellt Apple ein Übersichtsfenster namens Benachrichtigungszentrum zur Verfügung. Indem man mit dem Finger vom oberen Bildschirmrand nach unten wischt, kann man von überall im Betriebssystem aus ersehen, welche Benachrichtigungen man verpasst hat. Angefangen von SMS-Nachrichten bis hin zu entgangenen Anrufen und Nachrichten von Anwendungen wird dort alles aufgelistet. Das Zentrum enthält auch Informationen zum Wetter und zur Börse.

Wenn man auf eine Benachrichtigung im Benachrichtigungszentrum klickt, öffnet sich die entsprechende Anwendung automatisch. Darüber hinaus werden die Benachrichtigungen auch auf dem Sperrbildschirm angezeigt und können über die Wischgeste aufgerufen werden.

Alles in allem ist das Benachrichtigungssystem in iOS 5 hervorragend gelungen. Es wird nun auf dezentere Weise auf neue Nachrichten hingewiesen und die Tatsache, dass Nutzer nun das tun können, was sie wollen und wann sie es wollen, war eine kluge Entscheidung seitens Apple. Das Benachrichtigungszentrum ist allerdings noch ausbaufähig; Nutzer können derzeit keine weiteren Inhalte zu den bereits integrierten Informationen zu Wetter und Börse zu dieser Seite hinzufügen. Man kann nur hoffen, dass Apple dies in der Endfassung zulässt.

iMessage
Apple hat darüber hinaus den BlackBerry Messenger mit der Anwendung iMessage ins Visier genommen. Diese Applikation ermöglicht es Anwendern, Kurznachrichten an andere iOS-basierte Geräte zu schicken, so dass keine Kosten für SMS (Short Message Service) entstehen, um Nachrichten zwischen den beiden Geräten zu versenden. Da momentan kaum jemand iOS 5 benutzt, konnte ich diese SMS-Ersatzfunktion nicht testen. Die Plattform scheint allerdings gut zu funktionieren, was ein Hinweis darauf ist, dass es eine nette Zusatzfunktion sein wird, sobald die Endversion von iOS 5 verfügbar ist.

Die Integration von Twitter in die iOS 5-Plattform auf Systemebene ist ein netter Service für die Nutzer dieses sozialen Netzwerks. Mithilfe dieser Funktion können Nutzer Tweets aus verschiedenen eingebauten Applikationen heraus versenden, darunter Fotos, Kamera, Safari, YouTube und Maps. Dazu muss man als Nutzer einfach nur auf die Tweet-Schaltfläche klicken, eine Nachricht eingeben und fertig ist der Tweet. Meiner Erfahrung nach funktioniert diese Anwendung außergewöhnlich gut und löst Apples Versprechen ein, soziale Funktionen einfacher zur Verfügung zu stellen. Bedenkt man jedoch, wie beliebt Facebook ist, wäre es schön gewesen, wenn man Content auch über dieses soziale Netzwerk hätte veröffentlichen können.

Darüber hinaus hat Apple eine Funktion hinzugefügt, mit der man Bilder aus der Fotoanwendung der Plattform heraus bearbeiten kann. Obwohl man damit Fotos zuschneiden und drehen kann sowie den Rote-Augen-Effekt entfernen kann, war ich etwas enttäuscht von den Bearbeitungsfunktionen. Die Bildbearbeitung ist einfach zu handhaben, aber das Tool erscheint nicht so mächtig, wie es hätte sein können, und ich bin mir nicht sicher, wie viele Anwender diese Funktion wirklich schätzen werden.

Es soll jedoch erwähnt werden, dass die Tatsache, dass man nun Fotos vom Sperrbildschirm aus machen kann, ganz großartig ist. Dazu muss man, wenn der Sperrbildschirm erscheint, den Home-Button doppelklicken. Dann erscheint das Kamerasymbol und man kann auf die Schnelle einen Schnappschuss machen. Auf diese Zusatzfunktion habe ich lange gewartet; es fällt dadurch wesentlich leichter, jene flüchtigen Momente einzufangen.
Apple neue Erinnerungsfunktion ist ebenfalls eine willkommene Bereicherung. Man kann ganz einfach neue Aufgaben hinzufügen, und über die Einstellungen kann man zeitgesteuerte Erinnerungen ohne Probleme einrichten. Die Anwendung ist etwas spartanisch und es gibt bessere Alternativen im App Store. Aber Anwendern, die nach einer einfachen Lösung suchen, wird die Erinnerungsfunktion sicher gefallen.

iCloud
Dank iOS 5 erhalten Nutzer nun auch Zugang zu Apples kostenlosem iCloud-Dienst. Dieses Angebot ermöglicht es Anwendern, ausgewählte Inhalte in der Cloud abzuspeichern sowie E-Mail, Kontakte, Kalender und andere Applikationen zu synchronisieren.

Ich war positiv überrascht, wie schnell und unkompliziert man iCloud in iOS 5 integrieren konnte. Nachdem die Software auf mein iPhone geladen war, konnte ich den Cloud-Dienst konfigurieren und festlegen, welche Dateien und Daten ich synchronisieren wollte. Darüber hinaus hatte ich auch per Web Zugriff auf den Dienst und konnte ganz einfach meine Dateien wieder finden.

Das Schöne an iCloud ist, dass alle Dateien und Daten auf dem neuesten Stand bleiben, ohne dass Nutzer irgendetwas dazu tun müssen. Als ich die Erinnerungsfunktion auf meinem iPhone aktivierte, war diese sofort auch auf der iCloud-Webseite verfügbar. Und als ich in iCloud einen Termin in meinen Kalender eintrug, war dieser auch innerhalb von Sekunden auf meinem iPhone verfügbar.

iCloud eignet sich in vieler Hinsicht für Geschäftsleute. Die Kalenderfunktion kann von überall abgerufen werden, und es ist ganz einfach, Inhalte über alle Plattformen hinweg hinzuzufügen. Das ist ein Vorteil, den viele andere Dienste nicht haben, und es könnte sich als sinnvolle Funktion für viele Business-Profis herausstellen.

Kurz gesagt, ich war beeindruckt von iCloud. Wie Apple selbst es ausgedrückt hat: Diese Funktion tut genau das, was sie soll und erleichtert es Anwendern ungemein, sich auf dem Laufenden zu halten. Wenn das die Beta-Version des Dienstes ist, dann kribbelt es mir schon in den Fingern, endlich die Endversion auszutesten.

Fazit
Apples Betriebssystem iOS 5 Beta 5 beeindruckt in jeder Hinsicht. Es fing an mit einem Drahtlos-Update, das in nur wenigen Minuten eingespielt war und keine Aufhänger aufwies. Am Ende des Testes stand das Gefühl, dass dies die bislang beste iOS-Version ist.

Vor der iOS-5-Ankündigung gab es viele Anwender, die einige Funktionen bei Android, Blackberry OS und sogar bei Windows Phone 7 dem Angebot von Apple vorzogen. Und zweifellos gibt es Nutzer, für die das nach wie vor zutrifft. Aber iOS 5 ist, im Großen und Ganzen gesehen, das derzeit beste mobile Betriebssystem auf dem Markt und hat Maßstäbe gesetzt, an denen sich alle anderen Hersteller messen lassen müssen.