Wikipedia verliert Autoren

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Immer weniger Freiwillige wollen die Online-Enzyklopädie füllen. Vielleicht seien die komplizierten Eingaberoutinen und –vorschriften der Grund, dass keine neuen Autoren dazukämen, vermutet Gründer Jimmy Wales.

Wikipedia-Gründer Wales erkärte anlässlich der aktuellen Konferenz Wikimania in Haifa, der typische Wikipedia-Autor sei ein 26jähriger Computer-Geek, der sich aber früher oder später mehr solchen Themen wie Frau und Kind zuwende. Wales hat also mit der Wikipedia ein ähnliches Problem wie die deutsche Bevölkerungs-Demografie: der Nachwuchs fehlt.

Er erzählte in einem Gespräch mit einem Associated-Press-Autoren: »Es ist keine Krise, aber ich sehe das als wichtig an«. Wikipedia hat derzeit recht komplizierte Bearbeitungsprozesse und etwa 90.000 aktive Freiwillige in aller Welt, die die strengen Vorgaben zur ehrlichen Befüllung des Lexikons benutzen. Mit einer Vereinfachung dieser Prozesse will Wales frisches Blut in die Enzyklopädie bringen und grübelt schon eine ganze Zeit darüber nach, wie man diesen Eingabewirrwarr vereinfachen könne.

Schon im Juni dachte Wikipedia über eine Art »Gefällt mir«-Button nach, damit mehr positives Feedback an neue Wikipedia-Autoren geht – die übliche Kritik und die Belehrungen neuer Autoren durch alte Hasen würden die Neuen abschrecken, weiter Beiträge zu veröffentlichen. Diese Funktion ist jetzt unter dem Namen »Wikilove« umgesetzt.

Und bis nächstes Jahr, so Wales, wolle man 5000 Autoren zu den derzeit aktiven 90.000 dazugewinnen. Das erreiche man vielleicht auch durch gezieltes Herangehen an Universitätsprofessoren, wie es derzeit laut internationaler Chefredakteurin Sue Gardner in Deutschland, Indien, Brasilien, Kanada und Großbritannien geplant wird. Die Professoren sollen Wikipedia-Pflegetätigkeiten an ihre Studenten verteilen.

Trotz Vereinfachungen im Eingabeprozess werde man jedoch Kritiken weiterhin zulassen, denn die Neutralität von Artikeln müsse immer gewährleistet sein. Insbesondere der Hinweis auf Quellen müsse vorhanden sein, erwähnte Wales. Den typischen »Guttenberg-Effekt« will  er für Wikipedia erst gar nicht nicht riskieren.

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