MobileTabletTestsTests Mobile

Ausprobiert: Fujitsu Stylistic Q550

0 0 1 Kommentar

Das Fujitsu Stylistic Q550 ist gewiss ein sicheres Tablet, aber es scheint den Spagat zwischen Gadget und einem gegen Stürze gewappnetem Gerät nicht zu schaffen.

Seit einigen Wochen liefert Fujits sein Stylistic Q550-Tablet aus, das nach Angaben des Unternehmens hohe Sicherheitsanforderungen für mobile Geschäftsanwendungen erfüllen soll. Mit zahlreichen Funktionen wie einem eingebauten Fingerabdruckleser, einem Smartcard-Schacht und einer SSD mit Verschlüsselung werden diese Anforderungen sicherlich erfüllt. Aber welche Erfolgschancen hat das Gerät im Geschäftskundensegment?

Wir konnten mit dem Q550 anlässlich eines Events von Fujitsu herumspielen und waren etwas perplex. Die Kombination aus einem klobigen Gerät mit Windows 7 – das für eine Touchscreen-Oberfläche ungeeignet ist – und einem Retro-Stift sorgte dafür, dass der Wow-Effekt ausblieb.

Schwer und stabil

Fangen wir mit den Grundlagen an. Der Stylistic Q550 ist mit einem matten 10,1 Zoll großem Display ausgestattet und arbeitet mit Intels neuem Atom-Prozessor Z670 (Oak Trail), der angeblich einen Tag lang mit einer Akkufüllung durchhält. Ein Sprecher von Fujitsu erwähnte eine maximale Laufzeit von 9 Stunden, doch das bedarf mehrerer Eingriffe in die Einstellungen. Man muss zum Beispiel die Helligkeit der Displaybeleuchtung herunterfahren und einige Anwendungen beenden.

Das Gerät ist ziemlich kompakt und misst 27,5 x 19,2 cm bei 4,12 cm Höhe. Das Gewicht liegt bei 750 Gramm mit einem zweizelligen Akku und 860 Gramm mit einem 4-Zellen-Stromspender. Damit ist es etwas schwerer als die erste Generation des iPad. Der Akku ist auswechselbar, so dass ein Anwender, der eine längere Laufzeit benötigt, einen zweiten mitnehmen kann.

Das Tablet wurde auf Stabilität getrimmt und ist mit einem Plastikgehäuse und Verstärkungen aus einer Magnesiumlegierung ausgestattet. Die Ränder sind abgewinkelt, so dass bei einem Sturz nichts abbrechen sollte – behauptet zumindest Fujitsu, denn ausprobieren durften wir das nicht. Die Rückseite ist gummiert, so dass ein kleiner Stupser das Gerät anders als das iPad nicht über den Tisch fliegen lässt.

An einer Seite des Geräts sind zahlreiche Knöpfe angebracht, die sich konfigurieren lassen und dann die gewünschten Befehle ausführen. Einer davon ist der Stromschalter, ein anderer führt den Anwender zurück auf dem Home-Bildschirm.

Im Q550 ist eine 1,3 Megapixel-Webcam sowie eine zweite Kamera mit VGA-Auflösung eingebaut. Letztere ist für Videokonferenzen gedacht und zeigt zum Anwender. Das Gerät ist mit den üblichen Anschlüssen ausgestattet: Einem Speicherkartenleser, USB, HDMI und einer Dock-Schnittstelle. Das Tablet ist in einer reinen WLAN-Version und einer Variante mit zusätzlichem UMTS-Modul erhältlich.

Das Q550 ist ein stabiles Gerät aber nichts ausgefallenes – recht schwer und mangels schnittigem Design fehlt ihm der Pfiff, den viele Führungskräfte fordern.

Windows 7 – eine ungewöhnliche Wahl

Auf dem Stylistic Q550 läuft Windows 7 Professional, das auf einem Touchscreen sehr knifflig zu bedienen ist, wie zahlreiche Tester bestätigten. Deshalb hat Fujitsu vielleicht einen Stift beigepackt. Das Gerät kann sowohl mit der Hand als auch besagtem Stift bedient werden, aber die meisten Aufgaben sind schlicht zu fummelig, um sie mit den Fingern durchzuführen.

Zum Tippen kann eine Bildschirmtastatur verwendet werden. Alternativ kann mit dem Stift in ein Kästchen auf dem Bildschirm geschrieben werden. Die Schrift wird danach in Text umgewandelt. Natürlich lässt sich auch eine USB-Tastatur anschließen, doch dann kann man sich auch ein Netbook kaufen.

Ich habe versucht mit dem Stift eine URL in die Adressleiste des Browsers einzutragen, doch man benötigt mehrere Versuche, bis das Gerät die Handschrift entziffern kann. Die Fujitsu-Leute zeigten jedoch, dass es auch schneller geht – eventuell benötigt man etwas mehr Übung.

Jedoch waren auch bei einfachen Aufgaben manchmal mehrere Anläufe notwendig – zum Beispiel beim Anwendungsstart oder dem Schließen eines Fensters. Die Windows-7-Oberfläche verlangt nach präzisen Klicks und das funktioniert auf einem Touchscreen einfach nicht gut. Die intuitive Bedienbarkeit müsste verbessert werden.

Es ist natürlich verständlich, dass einige Unternehmenskunden nach einer vollständigen Windows-Umgebung verlangen und alle Probleme könnten sich in Luft auflösen, wenn Microsoft Windows 8 2012 auf den Markt bringt. Die kommende Windows-Version soll den Angaben von Microsoft zur Folge für Tablets optimiert sein und eine Bedienung ähnlich wie beim mobilen Betriebssystem Windows Phone erlauben. Hoffen wir es.

Der Stift darf nicht verloren gehen

Die Stiftbedienung ist allgemein bekannt. Mit einem Knopf kann man den Rechtsklick emulieren, der bei Windows 7 ziemlich wichtig ist. Seltsamerweise hat Fujitsu keinen Schacht im Tablet-Gehäuse vorgesehen, in den der Stift eingeschoben werden kann. Das dürfte bei vielen Anwendern dazu führen, dass der Stift innerhalb kurzer Zeit verloren geht.

Natürlich nur, wenn man keine der Hüllen erwirbt, die Fujitsu anbietet. Darin ist eine kleine Halterung für den Stift vorgesehen. Die Hülle dient auch als Ständer. Weitere feste Standfüße werden ebenfalls angeboten. Der derzeit erhältliche Schutzdeckel aus Leder zielt klar auf die Gruppe der Führungskräfte ab.

Fujitsu will künftig aber auch einige Gehäuse anbieten, die das Tablet vor widrigen Einflüssen im Freien schützen sollen. Und das fasst gut zusammen, was das Problem dieses Gerätes ist. Es scheint den Spagat zu wagen, einerseits ein sexy Tablet (wie iPad, Playbook oder Xoom) sein zu wollen und sich andererseits als stabiles Arbeitsgerät für Ingenieure, Handwerker und die Luftfahrtindustrie zu empfehlen, wie das CL900 von Motion Computing oder das Panasonic Toughbook.

Es gibt zweifelsfrei einige Interessenten, die nach einem Mix aus beiden Kategorien suchen, aber im Allgemeinen teilt sich die Anwenderschaft klar zwischen den beiden Gruppen auf, die ein Gerät für ihren speziellen Anwendungszweck suchen.

  1. Oh man. Schwer, unhandlich und ein Stift zum Bedienen. Manchmal fragt man sich wirklich wer bei solchen renommierten Unternehmen, wie Fujitsu es nun einmal ist, in der Entwicklungsabteilung sitzt.

    Das Ding kauft halt niemand, das kann man so schon sagen. Ein Glück machen es Konkurrenten wie Samsung oder Motorola besser, die mit soliden Tablets wie dem Galaxy oder dem Xoom den Apfelfressern zumindest etwas auf die Pelle rücken!

    Gruß,
    Daniel