So gar nichts Neues an der IT-Front

Cloud

Hochkarätig besetzt war ein von Dell veranstaltetes Expertenforum zur Rolle der IT in Unternehmen. IT-Spezialisten und ein Professor diskutierten auf dem Podium. Doch viel Neues hatten sie offenbar nicht zu erzählen.

Es gibt Veranstaltungen, die verpasst man nur ungern. So zum Beispiel die von Dell organisierte Diskussionsreihe »Meet the Experts«, die sich am 19. Juli mit dem Thema »Herausforderungen für CIOs – Trends, Chancen und Gefahren der Unternehmens-IT von heute« auseinandersetzen sollte. Nicht gerade ein Thema mit Zündstoff, aber doch eines, zu dem man sich interessante Einsichten und die ein oder andere spannende Aussage erhofft.

CIOs, Director, Vice President und ein Professor

Wer als Journalist so eine Veranstaltung doch mal verpasst, wartet auf die Pressemitteilung, die dann wenigstens das Wichtigste zusammenfasst.

Diese kam diesmal auch und berichtete das Nötigste. Das Podium war hochkarätig besetzt. Neben Dells Uwe Wiest (Advanced Solution Group Director) diskutierten Wolfgang Krips von SAP (Senior Vice President Global Infrastructure Services), Andreas König, CIO der Pro7 Sat1 Media AG, Dietmar Schlößer, CIO von Deloitte sowie Professor Walter Brenner vom Institut für Wirtschaftsinformatik, Universität St. Gallen.

An Expertise hat es also nicht gefehlt.

»Breiter Konsens: Wichtige Rolle für IT«

Welche interessanten Einsichten waren aus der Expertenrunde zu vernehmen? Nun, eigentlich gar keine, wenn man die Zusammenfassung in der Pressemitteilung studiert.

So beginnt der Bericht mit der Mitteilung, es gebe in der Runde »breiten Konsens, dass die IT künftig eine noch wichtigere und strategischere Rolle für die Sicherung des Unternehmenserfolges spielen« werde.

Wer würde da widersprechen wollen?

Dem Bericht zufolge wurden aber auch wichtige Thesen formuliert. So beispielsweise von Professor Walter Brenner. Er sieht die Unternehmens-IT an einer Zeitenwende. »Die letzten Jahre waren durch Innovationen und Neuentwicklungen von Diensten und Konzepten gekennzeichnet. Nun beginnt der Abschnitt, in dem in der Unternehmens-IT die effiziente Nutzung dieser Innovationen im Vordergrund steht«. Als Beispiel wird Cloud Computing angeführt.

Schön und gut, aber Innovationen soll es früher auch schon gegeben haben und danach kommt immer die Phase, in der es auf die praktische Nutzung ankommt. So wirklich neu ist das also nicht, was der Professor aus St. Gallen da vorgetragen haben muss.

Die Experten auf der Dell-Veranstaltung »Meet the Experts« von links nach rechts: Wolfgang Krips (SAP), Andreas H. König (ProSiebenSat1 Media), Uwe Wiest (Dell), Professor Walter Brenner (Institut für Wirtschaftsinformatik, Universität St. Gallen), Dietmar Schlößer (Deloitte).

 

IT-Sicherheit in der Cloud

SAP-Manager Wolfgang Krips äußerte sich zum Thema IT-Sicherheit bei Cloud-Lösungen. Er meinte, dass die derzeitigen Regelungen, wo Daten gespeichert werden müssten, nicht ausreichten, da sie dem Problem der unberechtigten Zugriffe nicht gerecht werden würden. Es spiele für die Datensicherheit keine Rolle, ob der Einbruch in ein IT-System »aus dem selben Bundesland oder aus China« erfolge.

Man dürfe nicht nur an die Absicherung der Systeme denken, sondern auch an die Absicherung der Inhalte. Außerdem sei es »eine Unternehmensentscheidung, wie viel man in die Absicherung der Systeme investieren wolle«.

Wohl wahr. Ob das aber die Art von These ist, die den Zuhörer aufhorchen lässt?

Private Endgeräte in der Firma

Auch Andreas König, CIO bei ProSiebenSat1 Media, hatte dem Bericht nach zu schließen, keine weltbewegenden Einsichten mitgebracht. Er hatte bemerkt, dass immer mehr Mitarbeiter ihre privaten Endgeräte mitbringen. Gut beobachtet. Das verändere die Unternehmens-IT. Da gebe es aber auch »starke Sicherheitsbedenken« hinsichtlich der Sicherheit unternehmenskritischer Daten.

Tja, wer hätte das gedacht?

Dietmar Schlößer, der CIO von Deloitte war mit einer anderen Erkenntnis zur Stelle: Die Informationstechnologie entwickle sich immer mehr zum »Gebrauchsgut in Unternehmen«. War das nicht schon vor zehn Jahren so? Immerhin merkte Schlößer an, dass dadurch womöglich die Position des CIO, »wie sie heute besteht«, überflüssig werde.

Für Andreas König wiederum kann es sein, dass die Frage nach der IT-Infrastrukur in Zukunft eine »eine untergeordnete Rolle spiele«, denn der CIO werde sein Know-how auch in Richtung externer Ressourcen entwickeln. Er zielte damit wohl auf Cloud Computing- und Outsourcing-Dienstleister, die sich über sattes Wachstum freuen.

Aber auch dies ist keine wirkliche Neuigkeit.

 

In einem Münchner Hotel fand die Veranstaltung von Dell zum Thema »Herausforderungen für CIOs – Trends, Chancen und Gefahren der Unternehmens-IT von heute« statt.

Experten fällt nichts mehr ein

Möglicherweise ist die Tatsache, dass den Experten auch nichts Neues mehr einfällt, die eigentliche Botschaft der Dell-Veranstaltung. Das Know-how zu den klassischen IT-Themen wie Effizienz, TCO, Sicherheit oder Datenschutz ist in Unternehmen schon so weit verbreitet, dass es zunehmend schwer fällt, noch interessante Aspekte zu entdecken.

Standard-Themen wie Cloud Computing, Service oder Consumerisierung sind schon alle totdiskutiert. Das hat dieses Experten-Forum möglicherweise gezeigt.

Es gibt Veranstaltungen, bei denen es nicht schade ist, dass man sie verpasst hat. Das war wohl so eine.