VMware greift mit vSphere 5 und umfangreicher Cloud Infrastructure Suite an

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Nachdem Virtualisierung weitgehend in Unternehmen etabliert ist, steht bei VMware nun die Verlagerung geschäftskritischer Anwendungen in die Cloud im Vordergrund – bei höchstmöglicher Performance und Sicherheit. Dafür hat man die eigenen Infrastruktur-Angebote komplett überarbeitet.

Es handele sich um den »größten Produktlaunch in der Geschichte von VMware«, erklärte Joerg Hesske, Country Manager Germany bei VMware, heute auf dem VMware Forum 2011 in München, wo der Virtualisierungsspezialist nicht nur vSphere 5 vorstellt, sondern auch neue Versionen von vShield, vCenter Site Recovery Manager und vCloud Director sowie eine neue vSphere Storage Appliance.

Heske wies auf den großen Druck hin, unter dem Unternehmen stünden, Leistungen schneller und kostengünstiger erbringen zu müssen. In diesem Zusammenhang werde die IT wichtiger, müsse sie doch flexible Services bereitstellen. Dies sei mit der Cloud möglich, die gleichzeitig die Komplexität der IT-Infrastruktur verringere und für Kosteneinsparungen sorgen könne – zumal die meisten Unternehmen den ersten Schritt in Richtung Cloud schon genommen hätten. »Mit Virtualisierung kommen Unternehmen ganz automatisch in die Cloud«, so Hesske.

Der Deutschland-Chef von VMware betont, dass Unternehmen keine »Massen-Cloud« brauchen, sondern eine spezifisch angepasste. Technisch sei im Prinzip schon alles möglich, schwierig sei aber noch immer die Anpassung der Prozesse. Hier sollen die neuen VMware-Lösungen ansetzen, allen voran vSphere 5.

vSphere 5

VMware verspricht mit vSphere 5 eine bessere Performance und Skalierbarkeit, so dass auch anspruchsvolle und geschäftskritische Anwendungen gefahrlos in die Cloud umziehen können. Dabei helfen soll beispielsweise das neue Feature Auto-Deploy, mit dem neue Hosts dank vorgefertigter Images und Profile in kürzester Zeit eingerichtet sind. Die Speicherverwaltung sollen zudem Profile-Driven Storage und Storage DRS vereinfachen: hier lassen sich Storage-Profile vordefinieren, etwa eine bestimmte Speichermenge mit bestimmter Verfügbarkeit und Bandbreite, die den virtuellen Maschinen einfach zugewiesen werden können. Im Hintergrund wacht vSphere stetig darüber, dass die Anforderungen immer erfüllt sind und verlagerte eine VM selbständig, wenn das notwendig sein sollte. Der Admin braucht sich darum nicht zu kümmern, was VMware als »Set it and forget it« beschreibt.

vSphere 5 unterstützt leistungsfähigere virtuelle Maschinen als die Vorgängerversionen. Wie Martin Niemer, Director SMB Solution Marketing EMEA bei VMware, erklärte, habe man die Leistungswerte bislang in der Regel verdoppelt, nun aber vervierfacht. So können VMs bis zu 32 virtuelle CPUs und bis zu 1 TByte RAM besitzen und mehr als eine Million I/O-Operationen pro Sekunde abwickeln.

Mit Version 5 ändert VMware das Lizenzmodell für vSphere und berechnet die Lizenzkosten nicht mehr anhand von CPU und RAM der physikalischen Server, sondern auf Basis des virtuellen RAMs (vRAM), der den virtuellen Maschinen zugeordnet ist. Der Kunde zahlt quasi für einen vRAM-Pool, den er nach Bedarf aufteilen kann. Während die Kunden bereits rebellieren, preist der Hersteller die größere Flexibilität dieses Abrechnungsmodells, schließlich sollte man in virtuellen und Cloud-Umgebungen die Lizenzen nicht an die Hardware koppeln, so Niemer.

Cloud Infrastructure Suite

Neben vSphere hat VMware auch anderen Produkten ein Update mit zum Teil spannenden neuen Features verpasst. So soll vShield 5 bei der Einhaltung von Compliance-Anforderungen helfen: es lassen sich verschiedene Regeln für sensible Daten definieren sowie unterschiedliche Sicherheitsstufen, deren Einhaltung überwacht wird, wenn Daten und Anwendungen zwischen verlagert werden oder gar in die Public Cloud wandern.


Der vCenter Site Recovery Manager 5 soll mit verbesserten Replikationsmechanismen ein automatisiertes Failover für komplette Rechenzentren ermöglichen. Neu sind etwa die host-basierte Replikation und dass Primär- und Sekundär-System mit unterschiedlichen Storage-Systemen arbeiten können. Mit den Linked Clones im neuen vCloud Director 1.5 sollen sich zudem neue Server binnen Sekunden bereitstellen lassen.

vSphere Storage Appliance

Speziell für kleine und mittlere Unternehmen führt VMware die neue vSphere Storage Appliance ein, die die Massenspeicher der physikalischen Server in einen Storage-Pool überführt. So sollen sich die Vorteile einer virtuellen Speicherinfrastruktur ohne großen finanziellen und technischen Aufwand nutzen lassen. Kleine Firmen können flexibel Speicherressourcen zuweisen sowie Hochverfügbarkeitslösungen konfigurieren. Die Installation soll mit wenigen Mausklicks erledigt sein, verspricht VMware.

Die VMware vSphere Storage Appliance unterstützt laut Niemer drei physikalische Hosts und soll im dritten Quartal 2011 auf den Markt kommen. Der Preis liegt bei knapp 6000 Dollar, es soll aber auch ein Einführungsangebot geben, bei dem die Appliance im Paket mit vSphere und vSphere Essentials für knapp 8000 Dollar zu haben ist.

Mitarbeiter als Vorreiter in Sachen Cloud

Mit den neuen Lösungen sollen Unternehmen laut VMware bestens fürs Cloud Computing gerüstet sein. Sie sollen Anwendungen flexibel mit zusätzlichen Ressourcen versorgen können – die nicht nur aus dem eigenen Rechenzentrum, sprich: der Private Cloud, kommen müssen, sondern auch von Partner stammen können, sprich: aus der Public Cloud, wie Hesske erklärte.

Ohnehin sieht man bei VMware eher auf Unternehmensseite Nachholbedarf in Sachen Cloud, denn die Mitarbeiter hätten das Konzept längst verinnerlicht. »Die Nutzer leben die Cloud heute schon in ihrem Privatleben«, sagte Niemer auf dem VMware Forum und beschreibt die Situation so: »Wenn Sie nicht in der Lage sind, vernünftige Anwendungen etwa für den Dateiaustausch bereitzustellen, dann holt sich irgendwann ein Mitarbeiter Dropbox.« Das breite sich dann im ganzen Unternehmen aus, ebenso wie andere Dienste. Ein Account bei Google Mail sei in einer Minute angelegt, bei der IT-Abteilung müsse der Mitarbeiter dagegen Tage warten.

Die Anwender würden an die Unternehmens-IT die gleichen Erwartungen haben wie an die Dienste, die sie privat nutzen. Die IT müsse diese Chance erkennen und die passenden Services bereitstellen. »IT muss ein Produktionsfaktor im Unternehmen sein«, so Niemer. »IT muss den Anwender produktiv machen.«