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Ausprobiert: Samsung Series 5 Chromebook

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Das Samsung Series 5 Chromebook ist ein solider Client für Cloud-Dienste, doch viele Anwender werden wahrscheinlich die lokale Speichermöglichkeit schmerzlich vermissen.

Eine Woche lang habe ich mich nun mit dem Samsung Series 5 Chromebook beschäftigt und das 1,5 Kilogramm schwere Notebook mit Googles Betriebssystem Chrome ist genau das, was ich mir vorgestellt habe. Es bietet eine verbesserte Version von Chrome OS, das ich bereits letzten Dezember auf dem Chromebook-Vorläufer Cr-48 getestet habe, in deutlich leistungsfähigerer Hardware-Verpackung.

Das Samsung Series 5 Chromebook wurde auf der Entwicklerkonferenz Google I/O im Mai vorgestellt und wird ab dem 24. Juni bei Amazon Deutschland in zwei Varianten verkauft: die WLAN-Version kostet 399 Euro, die mit WLAN und UMTS 449 Euro. Letztere kommt mit SIM-Karte von E-Plus nebst jeweils 1 GByte kostenlosen Datenvolumen in den ersten beiden Monaten.

Klavierlack-Optik

Ich habe das Modell in Arctic White getestet, die Farbe war ganz nett, obwohl ich eigentlich die Modellvariante in maskulinerem Titansilber bevorzuge. Das Chromebook ist 29,5 cm breit, 2 cm hoch und 21,8 cm tief. Im Gegensatz zum samtig-matten Design des Cr-48, das ich letzten Dezember getestet habe, setzt Samsung beim Chromebook auf Klavierlack-Optik.

Auf dem Deckel sind die Samsung- und Chrome-Logos abgebildet, wobei das Chrome-Symbol auf dem Deckel reliefartig hervorgehoben ist, wie eine stolze Kühlerfigur. Beim ersten Hochheben des Gerätes war ich von seinem Gewicht überrascht, was seltsam ist, da ich mit einem Lenovo ThinkPad T60 arbeite, dessen gefühltes Gewicht doppelt so hoch ist.

Als ich mich fragte, weshalb mir das Chromebook so schwer vorkommt, fiel mir ein, dass die einzigen mobilen Endgeräte, die ich regelmäßig mit mir herumschleppe, mein Motorola Droid X und mein Samsung Galaxy Tab 10.1 sind, die etwas mehr als 140 Gramm beziehungsweise 570 Gramm wiegen. Deswegen fühlt sich das Chromebook anfangs etwas schwer an, aber das ist es eigentlich nicht.

Verbessertes Touchpad

Wenn man den Deckel aufklappt, sieht man zuerst die schwarze Tastatur mit Tasten im Insel-Stil, die mir noch vom Cr-48 vertraut sind. Das großzügig bemessene Touchpad, das unterhalb der 74 Tasten positioniert ist, dient zur Navigation und als Ausführtaste für Befehle.

In der obersten Tastenreihe finden sich Tasten für die Webbrowser-Steuerung, darunter Tasten für Vorwärts- und Rückwärtsnavigation und zum Aktualisieren des Browsers, außerdem gibt es Tasten für Lautstärke, Helligkeit und das Umschalten auf den Vollbildmodus.

Natürlich hat das Gerät auch einen Ein-/Aus-Schalter; wenn man ihn lange gedrückt hält, kann man wählen zwischen Ausschalten und Energiesparmodus.

Ich gebe zu, dass mir das Touchpad anfangs etwas suspekt war, da es mich an das Tastfeld des Cr-48 vom letzen Jahr erinnerte, das kaum auf Eingaben reagierte und bei dem die Geste zum Simulieren des rechten Mausklicks, für die zwei Finger benötigt werden, eine echte Qual war. Meine Befürchtungen bestätigten sich später in diesem Zusammenhang jedoch nicht. Dieses Touchpad ist wesentlich reaktionsfreudiger. Allerdings erfordert der rechte Mausklick immer noch etwas Fingerballett, wenn man daran gewohnt ist, auf Windows-Notebooks zwei Tasten zur Verfügung zu haben.

Als ich das Chromebook aufklappte und den Startbildschirm vor mir hatte, forderte mich das Gerät auf, die Nutzereinstellungen vorzunehmen. Zuerst wurde ich nach meinen Spracheinstellungen und dem Netzwerk gefragt. Ich entschied mich für Englisch und wählte mein privates WLAN als Netzwerk aus, dann loggte ich mich über meine Zugangsdaten in mein Google-Konto ein – dieselben Schritte waren damals beim ersten Einloggen auch beim Cr-48 nötig gewesen.

Dann wurde ich dazu aufgefordert, ein Nutzerbild auszuwählen. Dabei hatte ich die Wahl, ein Foto mithilfe der 1MP-Webcam zu knipsen oder mich für ein Symbolbild zu entscheiden. Ich wählte unter den Benutzersymbolen das Bild eines Roboters aus. Dann war ich drin – oder zumindest größtenteils. Im Unterschied zu Chrome OS Version 0.11 auf meinem Cr-48 forderte mich Version 0.12 auf diesem Chromebook dazu auf, ein Touchpad-Training zu absolvieren, um mich an die Steuerung zu gewöhnen.

Anwendungen, Daten und Einstellungen aus der Cloud

Nach dem Ende des Tutorials fiel mir auf, dass das Chromebook sämtliche Lesezeichen, die ich damals auf meinem Cr-48 gespeichert hatte, importiert hatte. Dies ist bedeutsamer als es scheint, denn es führt mustergültig vor, welche Rolle Cloud-Computing in der Zukunft laut Google spielen soll im Zusammenhang mit Anwenderdaten und der Verfügbarkeit von Applikationen auf jedem Endgerät, mit der Cloud als Datenspeicher.

Doch das ist nicht alles. Das Chromebook erinnerte sich auch an all die Apps, die ich damals auf dem Cr-48 über den Chrome Webstore installiert hatte. Als die Google-Vertreter damals auf der Google I/O herumgealbert hatten, dass man ein Chromebook ins Wasser werfen könne und man dabei keine wichtigen Daten verlieren würde, war das kein Scherz. Obwohl sie natürlich übertrieben haben; man würde vielleicht keine Daten verlieren, aber man wäre um 400 Euro ärmer!

YouTube-Videos und Flash-Multimedia-Inhalte wurden dank des matten (ernsthaft!) 12,1-Zoll-Bildschirms mit Hintergrundbeleuchtung angenehm dargestellt; das Display verfügt über eine Auflösung von 1280 x 800, ein Seitenverhältnis von 16:10 und eine Helligkeit von 300 Candela.

Samsung behauptet, dass seine Series-5-Chromebook-Reihe bis zu 40 Prozent heller sein soll als ein durchschnittliches Laptop. In meinem Test traten beim Lesen von Text und beim Betrachten von anderen Inhalten keinerlei Probleme auf, weder in hellen noch in dunklen Umgebungen. Das Display ist solide, aber nichts Weltbewegendes.

Es gibt mehr als 4500 Apps in Googles Chrome Webstore, die meisten davon sind kostenlos. Ich habe die Webcam mithilfe von Google Talk-Videochats getestet und sie hat einwandfrei funktioniert. Außerdem habe ich Gmail, Picasa, Google Docs, Google Reader und andere Anwendungen ausprobiert, die alle problemlos liefen, dank Intels Atom-CPU N570 mit 1,66 GHz.

Dann installierte ich die neue Chrome-Version von Angry Birds mit einem einzigen Mausklick innerhalb von ein paar Sekunden. Beim Spielen von Angry Birds bekam ich zum ersten Mal wirklich ein Gefühl dafür, was der Intel NM10-Grafikprozessor des Chromebooks leisten kann.

Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass die Web-Variante von Angry Birds flüssig lief. Das ist eben das Internet. Im Gegensatz zu den mobilen Applikationen für Android und iPhone, bei denen es kein Stocken und kein Hängen gibt, sind Hänger bei der Internet-Verbindung normal. Im Großen und Ganzen empfand ich das Spielen auf dem Chromebook aber als angenehme Erfahrung.

Um die UMTS-Fähigkeiten des Chromebooks außerhalb der heimischen Netzwerk-Umgebung zu testen, navigierte ich zum Tools-Menü in Chrome, klickte auf Einstellungen, dann Internet. Dort war meine WLAN-Verbindung aufgelistet sowie eine Option, sich mit dem UMTS-Netz des US-Providers Verizon zu verbinden. Damit das klappt, muss man – in den USA – die Postleitzahl oder die Stadt eingeben und weitere Angaben machen, zum Beispiel, ob man die kostenlosen 100 MByte an Datenvolumen, die Verizon in den USA als Chromebook-Partner zur Verfügung stellt, verwenden möchte. Nachdem ich die entsprechenden Angaben gemacht hatte, konnte ich das Chromebook dank des UMTS-Netzes des Mobilfunkbetreibers weiternutzen, als ob das Notebook ein Smartphone oder ein Tablet-PC wäre. Wie das Prozedere beim deutschen Chromebook-Partner E-Plus ablaufen wird, bleibt abzuwarten.

Speicherplatz und Dateimanager

Das Chromebook ist nur mit einer 16GB SSD ausgestattet, daher kann man nicht viel darauf abspeichern. Aber was haben Sie erwartet bei einem Laptop, das auf das Arbeiten in der Cloud ausgelegt ist? Einer der größten Unterschiede zwischen dem Cr-48 und dem Chromebook ist der Dateimanager – das Pilotmodell musste noch ohne auskommen. Dieses Chromebook, auf dem eine neuere Version von Chrome OS läuft, hat einen.

Anwender können den Dateimanager aufrufen, indem sie auf das Schraubenschlüssel-Symbol rechts oben klicken, dann auf Tools. Das Chromebook besitzt ein 4in1-Kartenlesegerät (unterstützt werden die Formate SD, SDHC, SDXC und MMC) und zwei USB-Eingänge. Über den Dateimanager können Anwender auf die Inhalte des Datenträgers zugreifen, zum Beispiel Fotos, Videos und Musik. Das Abspielen von Musikstücken klappt gut auf dem Gerät dank der Stereolautsprecher – eine wesentliche Verbesserung gegenüber der qualitativ minderwertigen Sound-Ausstattung des Cr-48.

Mein Chromebook-Testgerät wurde mit einer SD-Speicherkarte ausgeliefert, auf der sich Testmaterial in Form von Fotos, Videos und Dokumenten befand. Mit Hilfe dieser Dateien habe ich mich mit dem Dateimanager vertraut gemacht, bevor ich meine eigenen USB-Sticks an das Gerät angeschlossen habe.

Der Dateimanager arbeitet schnell und unkompliziert, spielte einige Videodateien ab, erkannte jedoch meine Flip-Videos im WMV-Format nicht. Wenn jemand Flip-Videos besitzt und diese nicht länger diesem todgeweihten Kamera-Ökosystem anvertrauen möchte, sondern woanders abspeichern will, kann das ein Problem darstellen. Für mich bedeutet das, ich muss meine Videos in ein anderes Format konvertieren, was angesichts eines Internet-basierten Chromebooks irgendwie sinnlos erscheint.

Das Chromebook ist ebenfalls mit einem VGA-Anschluss ausgestattet, damit Anwender einen größeren Bildschirm wie zum Beispiel einen Fernseher als Ausgabegerät verwenden können. Einer der größten Pluspunkte des Chromebooks ist die lange Akkulaufzeit. Ich konnte mein Testgerät dank des eingebauten 8280mAh-Akkus bei mittlerer Nutzungsintensität im Schnitt acht Stunden lang verwenden.

Ist das Chromebook business-tauglich?

Es wird viel darüber diskutiert, ob das Chromebook für Endkunden oder Geschäftskunden oder beide Märkte tauglich ist. Für mich als Endkunden stellt sich das Chromebook wie ein multifunktionaler Tablet-PC dar. Ich kann damit so ziemlich alle meine im Internet abgelegten Inhalte zügig abrufen. Ich kann lange Texte eingeben, Kurzgeschichten und Briefe in Google Docs schreiben und sie für später abspeichern – das funktioniert auf einem Tablet nicht so gut. Ich kann darüber hinaus Spiele spielen und Videos ansehen. In dieser Hinsicht ist das Chromebook ein hervorragendes Gerät, selbst wenn es bei der Auswahl an Apps im Vergleich zu iOS oder Android noch einige Schwächen aufweist.

Im Büro käme ein Chromebook nicht in Frage. Wir in der Redaktion nutzen Microsoft Exchange für E-Mails und verwenden andere proprietäre Software, auf die nicht per Chrome zugegriffen werden kann, geschweige denn per Chrome OS.

Ich vermute, dass Google irgendwann nachgeben muss und Hardware-Herstellern erlauben wird, den Chromebooks in Zukunft mehr Speicherplatz zu genehmigen. Anwendern gefällt die Neuartigkeit der Cloud, aber man darf nicht vergessen, dass es bequem und einfach ist, Daten lokal abzuspeichern. Tut mir leid, Google.

Und deswegen glaube ich, dass die Chromebook-Hersteller es wahrscheinlich schwer haben werden, Einsatzszenarien für die Geräte außerhalb einer Nische zu finden. Als Privatanwender hingegen habe ich nun ein weiteres internetfähiges Gerät, mit dem ich mich im Wechsel mit meinem Smartphone und meinem Tablet-PC vergnügen werde.

Bildergalerie Samsung Chromebook



Screenshots von Chrome OS