Java-Streit: Oracle will große Anteile von Googles Mobilwerbungs-Einkünften

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Diese Woche reichte Oracle ein Dokument vor Gericht ein, das grobe Hinweise darauf gibt, wie viel Schadensersatz und Lizenzgebühren das Software-Unternehmen im Streit um Androids Java-Bestandteile verlangen will.

Google verwendet für sein Mobilbetriebssystem Android  die Virtualisierungs-Engine Dalvik von Sun Microsystems. An sich ist Dalvik OpenSource, die kommerzielle Nutzung allerdings kostet Lizenzgebühren. Mit Sun konnte sich Google seinerzeit nicht einigen, doch als Sun von Oracle übernommen wurde, begann der Streit.

Patent-Experte Florian Müller, der in seinem FOSS Patents Blog (FOSS=Free and OpenSource Software) alle aktuellen Rechtsstreitigkeiten um Softwarepatente beleuchtet, hat sich die Klage, die Oracle im Bezirksgericht von Kalifornien einreichte, näher angesehen. Die Forderungen von Oracle würden alle Summen, die Android je an Umsätzen brachte, bei Weitem übersteigen, rechnete der Spezialist aus.

Das Wort  »Ansprüche« zu nennen, sei eine klare Untertreibung. Oracle wolle auch für alle vorhergegangenen Patent-Missbräuche nachzahlungen verlangen und noch mehr einnehmen durch zukünftige Lizenzen.Das offizielle Dokument lässt sich hier in »Scribd« (eine Art YouTube für Dokumente) lesen.

Wie der hinter der Oracle stehende Rechtsexperte Iain Cockburn die Forderungen Oracles berechnete, hat Müller auseinandergenommen und in seinem FOSS-Artikel ausführlich erläutert.

Die beiden Unternehmen seien meilenweit entfernt von einer Einigung, und würde Google vor Gericht verlieren, müsste die komplette Virtualisierungs-Software in Android völlig neu geschrieben werden. Viele Apps würden dann allerdings nicht mehr funktionieren. Die Klage, so Müller, sei ein »Make or break«-Fall und könnte Android den Todesstoß versetzen.

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