Green IT mit System

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Als eines der ersten Unternehmen in der IT-Branche hat Host Europe im Sommer 2007 beim Bau eines Rechenzentrums die Energieeffizienz in den Mittelpunkt gestellt. Patrick Pulvermüller, Geschäftsführer von Host Europe, erzählt, worauf es ankommt, welche Mehrkosten entstehen und ob sich der Aufwand lohnt.

Im Vergleich zu Rechenzentren herkömmlicher Bauweise bietet das »grüne« Rechenzentrum von Host Europe in Köln mit einer im Vergleich zu traditionell gebauten Rechenzentren um bis zu 30 Prozent höheren Energieeffizienz. Während Rechenzentren weltweit einen durchschnittlichen Energieeffizienzwert (Power Usage Effectiveness PUE) von 1,6 – 2,0 aufweisen, erreicht das Rechenzentrum von Host Europe einen durchschnittlichen Energieeffizienzwert von 1,38.

Optimierung der Klimatisierung

Entscheidende Einsparungen konnten durch die Optimierung der Klimatisierung und Stromversorgung erzielt werden.

Einige Beispiele:
• Die Steuerung der Luftströmungen durch kalte und warme Gänge
• Die Möglichkeit der freien Kühlung reduziert den Energiebedarf für Kühlleistungen zusätzlich um bis zu 33 Prozent
• Durch den Einsatz von Deltawandler-USV-Technik lassen sich bis zu 60 Prozent Verlustleistung einsparen!
•Die Serverabwärme wird für das Beheizen der Büroräume genutzt

Zweite Ausbaustufe des Datacenters

Ziel von Host Europe war es, den Energieeffizienzgrad seines »grünen« Rechenzentrums weiter zu steigern. In umfangreichen Modellversuchen testete Host Europe kontinuierlich neue Formen der Wärmerückgewinnung und führte Studien zur idealen Umgebungstemperatur der Serversysteme sowie zur optimalen Ansaugtemperatur und relativen Luftfeuchtigkeit durch.

Das »Grüne« Rechenzentrum von Host Europe wurde 2009 durch die Deutschen Energie Agentur GmbH (dena) mit dem Label »Good Practice Energieeffizienz« ausgezeichnet. (Foto: Host Europe)

Da es auf diesen Gebieten momentan noch keine Best Practice-Ansätze gibt, werden verschiedenste Szenarien simuliert und ausgewertet.

Diese Erkenntnisse fanden unter anderem Anwendung bei der zweiten Ausbaustufe des Datacenters, das Host Europe 2009 realisierte. Seitdem nutzt Host Europe im gesamten Rechenzentrum konsequent eine Kalt- und Warmgang-Einhausung. Eine Durchmischung der Luftströme wird so vollkommen unterbunden. Dadurch kann die Ansaugtemperatur bei den Klimaanlagen auf ungefähr 30 bis 32 Grad Celsius erhöht werden.

6000 Stunden ohne mechanische Kühlung

Dies wiederum ermöglicht eine indirekte, freie Kühlung bis zu Außentemperaturen von 17 Grad, wodurch das Rechenzentrum im Schnitt an über 6000 Stunden im Jahr ohne Einsatz jeglicher mechanischer Kühlung betrieben werden kann. Die Einhausung von kalten und warmen Gängen führt weiterhin zu konstanten Temperaturen vor den jeweiligen Racks, wodurch die Drehzahl der Serverventilatoren reduziert werden kann.

Durch all diese Maßnahmen können Wirkungsgrade von bis zu 75 Prozent erzielt werden. Der Energieeffizienzwert des Datacenters von Host Europe wurde so auf einen Wert von weniger als 1,35 optimiert.

 

Bei Außentemperaturen von bis zu 17 Grad lässt sich die Umgebungsluft zur Kühlung im Rechenzentrum nutzen. (Foto: Host Europe)

Weitere Komponenten der Green-IT-Strategie von Host Europe sind der Einsatz von stromsparender Qualitätshardware, Servervirtualiserung sowie die Verwendung von regenerativ erzeugtem Strom.

Mehrkosten von bis zu 20 Prozent

Bei der gesamten Bausumme schlagen die Mehrkosten zur Erhöhung der Energieeffizienz mit 15 -20 Prozent zu Buche. Durch deutlich geringere Energiekosten amortisieren sich diese zusätzlichen Kosten bei einer Vollauslastung des Rechenzentrums mit 18 000 Servern innerhalb von etwa zwei bis drei Jahren.

Bereits heute senkt die Nutzung des Rechenzentrums auf einer Grundfläche von 2500 qm mit derzeit 8000 Servern die CO2-Emissionen um circa 250 Tonnen sowie die Stromkosten um etwa 500 000 Euro pro Jahr.