Intel: Enttäuschende Green IT-Bilanz

Green-ITInnovation

Ein gerade erschienener Jahresbericht von Intel zeigt, dass der Chip-Riese sich schwer tut, die Öko-Bilanz zu verbessern. Vor allem bei chemischen Abfällen aus der Fertigung sind die Zahlen alarmierend. Allerdings gilt Intel insgesamt als sehr umweltfreundlich. Für 2012 hat das Unternehmen weitere konkrete Ziele genannt.

Höherer Energieverbrauch, mehr CO2 und mehr Abfall – Intels Umweltbilanz hat sich im vergangenen Jahr eher verschlechtert denn verbessert. Informationen, die diese Behauptung stützen, stammen keineswegs von unfreundlich gesinnten Industriekritikern, sondern von Intel selbst.

Steigender Energieverbrauch und mehr Giftmüll

Nachlesen kann diese Angaben jeder der sich Intels gerade veröffentlichtem Unternehmensbericht »Corporate Responsibility 2010« auf den Bildschirm holt. Zwar hat der Chip-Gigant in den letzten Jahren große Anstrengungen unternommen, die Umweltbilanz zu verbessern, doch 2010 war in dieser Hinsicht offenbar kein gutes Jahr.

Hier einige Beispiele:

• Lagen die Treibhausgas-Emissionen im Vorjahr 2009 noch bei 2,05 Millionen Tonnen, stiegen sie 2010 auf 2,12 Millionen Tonnen.
• Der Energieverbrauch stieg von 5113 Millionen Kilowattstunden auf 5192 Millionen Kilowattstunden.
• Besonders hoch wuchs der Berg von Chemie-Abfällen. Von 24 665 im Vorjahr auf 31 265 Tonnen. Das ist der schlechteste Wert seit fünf Jahren.
• Auch beim Wasserverbrauch steht das Unternehmen noch vor großen Herausforderungen: Zwar stieg der Wasserverbrauch seit 2006 nur um drei Prozent, das waren aber immer noch 30 Milliarden Liter Wasser. Davon werden allerdings 80 Prozent wieder verwendet, beispielsweise für Bewässerung oder andere Zwecke.
Intels Treibhausgas-Ausstoß ist 2010 deutlich gestiegen (obere Ellipse), ebenso wie der Berg an Chemie-Müll (untere Ellipse).

Mehr Nachfrage, mehr Produktion, mehr Abfall

Fairerweise muss man hinzufügen, dass die enorme Nachfrage nach Chips, insbesondere nach der vorangegangenen Finanz-und Wirtschaftskrise logischerweise auch zu einer viel intensiveren Produktion bei Intel und anderen Halbleiterherstellern geführt hat. Deshalb mussten auch Stromverbrauch oder Abfallmenge deutlich in die Höhe gehen. Gerade die Halbleiterproduktion hat einen besonders hohen Energieverbrauch.

Beim Recycling immerhin kann der Chip-Fabrikant Erfolge vorweisen. Wurden 2009 noch 71 Prozent der chemischen Abfälle wieder verwertet, so waren es 2010 schon 75 Prozent.

Intel setzt konkrete Ziele

Für 2012 hat sich Intel einige konkrete Ziele vorgenommen:
• Der Berg von chemischen Abfällen soll auf 20 934 Tonnen sinken.
• Der Wasserverbrauch in der Produktion soll pro Chip niedriger sein als noch 2007.
• Der Ausstoß von Treibhausgasen soll um 20 Prozent niedriger sein als noch 2007.
• Der Energieverbrauch pro Chip soll in der Fertigung um fünf Prozent sinken.
• Pro Chips sollen zehn Prozent weniger an chemischen Abfällen gegenüber 2007 anfallen.
• 80 Prozent des chemischen und des festen Abfalls sollen recycelt werden.
Vor allem das Ziel, den chemischen Abfall zu reduzieren, dürfte nicht leicht zu erreichen sein, wie Intel selbst einräumt. So heißt es in dem Bericht, man erwarte in Zukunft weitere Schwierigkeiten (»continuing challenges«) beim Reduzieren der chemischen Abfälle und werde sich daher darauf konzentrieren, »so viel Abfall wie möglich zu recyceln«.

Intels Webseiten zum Thema Umwelt und Nachhaltigkeit


Genügend Geld für Green IT-Investitionen hat der Halbleiter-Riese auf jeden Fall in der Kasse: Von 2009 auf 2010 stieg der Gewinn von 4,4 auf beeindruckende 11,5 Milliarden Dollar.

Intels soziale Ziele

Nachhaltigkeit ist ohne soziale Verantwortung, beispielsweise für die Mitarbeiter, nicht mehr denkbar.

Deshalb will Intel auch hier Verbesserungen erreichen. So sollen mehr Frauen und Mitarbeiter aus gesellschaftlichen Minderheiten eingestellt werden. Der Anteil von Frauen bei Intel liegt derzeit bei 28 Prozent. Gegenüber 2006 (30 Prozent) ist der Frauenanteil sogar leicht zurückgegangen.

Das liegt möglicherweise daran, dass die technikzentrierten Abteilungen des Unternehmens schneller gewachsen sind als die Verwaltung, in der der Frauenanteil traditionell höher liegt. Außerdem will das Unternehmen Fitness und Gesundheitsschutz der Belegschaft verbessern.

Der Intel-Report liegt in zwei Versionen vor, entweder komplett auf 120 Seiten oder in Kurzform (Executive Summary) auf 16 Seiten. Beide Versionen lassen sich als PDF-Dokument von der Intel-Webseite herunterladen.

HP-Report zu Global Citizenship

Was bei Intel »Social Responsibility« heißt, nennt HP »Global Citizenship«. Der entsprechende »HP Global Citizenship Report 2010« wurde ebenfalls gerade auf der Webseite des Unternehmens veröffentlicht.

So hat HP im Geschäftsjahr 2010 nach eigenen Angaben weltweit 121 000 Tonnen Elektronikprodukte und Druckpatronen recycelt. Etwa 1 Milliarde Tintenstrahlpatronen sind wenigstens teilweise aus Recycling-Material gefertigt.

Der Ausstoß an Treibhausgasen betrug 2010 laut HP 1,87 Millionen Tonnen. Allerdings habe der Konzern ungefähr 225 000 Tonnen an Treibhausgasen vermieden. Bis 2013 will HP seinen Treibhausgas-Ausstoß sowie den Energieverbrauch um 20 Prozent senken.

HP-Chef Léo Apotheker freut sich über HPs Umwelt- und Sozial-Aktivitäten, nachzulesen im Global Citizenship Report.

Auch sonst fällt HPs Selbsteinschätzung rundum positiv aus: Der Konzern habe 2010 über elf Milliarden Dollar in Projekte zur Steigerung der Energieeffizienz investiert. Dadurch könnten angeblich 70 Millionen Kilowattstunden eingespart werden.

Außerdem habe das Unternehmen 2010 mehr als doppelt so viel Strom aus erneuerbaren Energien bezogen wie noch im Vorjahr.

Forbes kürt Intel zum grünsten US-Unternehmen

An den Konkurrenten Intel kommt HP in Sachen Green IT aber offensichtlich nicht heran. Zumindest, wenn man »Forbes« glaubt. Das Magazin hat im April eine Liste der zehn »grünsten« Unternehmen in den USA veröffentlicht. Als Grundlage für die Bewertung diente vor allem, wie hoch der Anteil des Stroms aus sauberen Energiequellen wie Windkraft oder Photovoltaik ist, den das jeweilige Unternehmen bezieht. Da liegt Intel mit einem Anteil von über 85 Prozent im Gesamtstromverbrauch auf Platz eins.

Intel hat den Anteil von sauberem Strom 2011 um sage und schreibe 75 Prozent erhöht, wie Intel-Manager Marty Sedler (director of global utilities and infrastructure) gegenüber Forbes erklärt.

Intels Webseiten zum Thema Umwelt und Nachhaltigkeit

Cisco liegt in der Forbes-Liste auf dem achten Rang acht (29 Prozent Strom aus erneuerbarer Energie). HP taucht auf dieser Top-10-Liste nicht auf. Da die Forbes-Liste sich aber hauptsächlich auf den Aspekt der sauberen Energiegewinnung stützt, ist die Aussagekraft sehr begrenzt und die Behauptung, das seien die »grünsten Unternehmen« ziemlich gewagt.