Chromebooks taugen nicht für den Einsatz in Unternehmen

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Die Kombination aus hohen Kosten, automatischen Updates und permanenten Zugriffen auf das WLAN macht das Chromebook untauglich für den Einsatz im Enterprise-Sektor, meint Wayne Rash.

Keine Frage, dass Google sich wohl gedacht hatte, das Chromebook könnte im Großkundenbereich zum Superstar aufsteigen. Das zeigt aber nur, wie wenig diejenigen, die das Gerät konzipiert haben, darüber Bescheid wissen, wie es in der realen IT-Welt von Großkonzernen zugeht. Bei Privatnutzern mag ein solches Gerät ja unter Umständen gut ankommen, vorausgesetzt, sie können sich einen Moment lang von ihren iPads und Android-Tablets trennen, aber selbst dann muss die Firma aus Mountain View noch viel Überzeugungsarbeit leisten.

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Das erste Problem, das sich bei den Chromebooks im Enterprise-Einsatz auftut, sind die fehlenden Kontrollmechanismen. Kurz gesagt, IT-Manager und Sicherheitsbeauftragte in Großunternehmen werden von Google nicht darüber informiert, wann Updates eingespielt werden, sie können keine Auswahl darüber treffen, welche Updates installiert werden, welche erst noch weitere Tests durchlaufen müssen und welche von vornherein von der Installation ausgeschlossen werden sollen. Hier hat Google erheblich gepatzt.

Aber es gibt noch andere Patzer, zum Beispiel bei den Kosten. Vielen wird die monatliche Mietgebühr für Unternehmen von 28 US-Dollar (zirka 20 Euro) niedrig erscheinen, aber darin sind die Gebühren der Netzbetreiber für Chromebook-Modelle mit UMTS noch nicht enthalten. Verglichen mit den Kosten für ein Windows-Laptop sind Googles Preise recht gesalzen: HP beispielsweise vermietet ein Business-Laptop für 16 US-Dollar (11 Euro) pro Monat, inklusive Windows 7.

Bei einer großen Anzahl von Geräten macht sich der Preisunterschied schnell bemerkbar. Und selbst wenn der Mietpreis die Kosten für Google Apps bereits enthält, ist das Gerät immer noch teuer. Rechnet man die UMTS-Kosten hinzu, wird es noch teurer. Man kann es drehen und wenden, wie man will: Das Chromebook macht einfach keinen Sinn.

Automatische Updates und versteckte Kosten

Die automatischen Updates, die ohne Zustimmung des Nutzers durchgeführt werden, sind wahrscheinlich das größte Problem für alle Unternehmen, abgesehen von wirklich kleinen Betrieben. Das liegt daran, dass IT-Manager dafür sorgen müssen, dass die IT-Umgebungen, die sie verwalten, sowohl sicher als auch funktional sind.

Aus diesem Grund haben viele Großunternehmen ihre eigenen Sicherheitsstrategien bei Update-Vorgängen entwickelt. Bevor Betriebssystem-Updates eingespielt werden, nehmen IT-Fachleute die Software genau unter die Lupe, damit sichergestellt wird, dass dadurch keine unternehmenswichtigen Anwendungen zerschossen werden, darunter selbst entwickelte Webapplikationen. IT-Manager sind auch dazu verpflichtet, dafür zu sorgen, dass neue Updates mit den bestehenden Sicherheitssystemen zusammenarbeiten und dass der Update-Vorgang keine vermeidbare, zusätzliche Netzwerklast erzeugt.

Wenn also Google ein Chrome-OS-Update einspielt, das problemlos mit Google Apps zusammenarbeitet, aber bei Microsoft Office 365 Schwierigkeiten bereitet, ist das dann ein Problem, wenn im Unternehmen hauptsächlich Microsoft-Produkte zum Einsatz kommen. In gleicher Weise muss ein Update mit allen betriebsinternen Applikationen kompatibel sein, ansonsten darf es nicht installiert werden. Das Problem dabei ist, dass Google dem IT-Leiter keine Wahl lässt. Die Updates für das Chromebook werden eingespielt, wann immer es Google gefällt, ohne vorherige Ankündigung.

Ein weiteres Problem für die IT-Abteilung ist, dass Chromebooks zwingend ein Funknetzwerk benötigen. Das bedeutet, dass entweder überall im Firmengebäude WLAN zur Verfügung stehen muss oder Chromebooks nur in bestimmten Firmenbereichen eingesetzt werden können. Obwohl viel von kabellosem Internet die Rede ist, verfügen nur bemerkenswert wenige Unternehmen über ein gebäudeweites WLAN oder UMTS-Netz. Für den Aufbau eines derartigen Funknetzwerkes muss ein Unternehmen unter Umständen tief in die Tasche greifen, was den Umstieg auf Chromebooks noch mehr verteuert.

Der Grund dafür, dass ein Funknetzwerk benötigt wird, liegt darin, dass das Chromebook zwar über begrenzte integrierte Speicherkapazitäten verfügt (zirka so viel wie die Speicherkarte in Ihrer Digitalkamera), die Chromebook-Applikationen aber in der Cloud abgelegt sind. Obwohl die von Ihnen benötigten Daten auf dem Gerät gespeichert sind, haben Sie ohne Funknetzwerk keinen Zugriff darauf.

Überteuert?

Was uns wieder zum Preis zurückführt. Ein Betrieb zahlt 28 US-Dollar pro Monat pro Gerät. Das heißt, im Laufe des 3-jährigen Lebenszyklus eines Chromebooks, bei dem es sich ja um nicht mehr als ein Netbook ohne Festplatte handelt, kommen mehr als 1000 US-Dollar (zirka 700 Euro) zusammen. Für diesen Betrag können Sie sich auch ein hochwertiges Notebook mit Festplatte, Windows 7 und Microsoft Office zulegen. Oder einen Windows-Rechner von HP für 16 US-Dollar pro Monat mieten. Zählt man dazu noch die 50 US-Dollar (35 Euro) pro Jahr, die Google für die Nutzung von Google Apps berechnet, landet man bei 20 US-Dollar (14 Euro) pro Monat mit dem HP-Gerät.

An diesem Punkt müssen sich IT-Manager klarmachen, dass ein Chromebook 8 US-Dollar (zirka 6 Euro) pro Gerät mehr kostet als ein Standard-Business-Notebook mit Windows 7 vorinstalliert und dass wahrscheinlich einiges an Kosten für die Aufrüstung des Firmen-WLANs investiert werden muss, während sie gleichzeitig die Kontrolle über die Update-Zyklen verlieren, was zu einem Verlust an Sicherheit und unter Umständen Stabilität bei betriebswichtigen Applikationen führen kann. Rechnet man noch eventuell anfallende Providerkosten bei den UMTS-Modellen hinzu, stellt sich die Frage: Weshalb sollte ein Leiter einer IT-Abteilung einen solchen Schritt wagen? Weshalb sollte ein CFO seine Zustimmung zu einer derartigen Umstellung geben?

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Der einzige mögliche Grund könnte sein, dass der IT-Leiter auf Google und die Cloud zeigen und sagen kann, es sei deren Schuld, wenn eines dieser automatischen Updates eingespielt wird und geschäftskritische Software-Komponenten daraufhin die Arbeit einstellen. Ich habe den Verdacht, dass ein IT-Leiter, der ein solches Experiment wagt, nicht auf Begeisterungsstürme seitens der Geschäftsleitung stoßen wird. Diejenige Person, die den Umstieg auf Chromebooks genehmigt hat, wird sich Sorgen um den Arbeitsplatz machen müssen.


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