Bill Gates: Atomkraft statt Energieeffizienz

Green-ITInnovation

In einem Vortrag in New York kritisiert Bill Gates, dass die Industriestaaten zu stark auf Energieeffizienz setzen und zu wenig Geld in die Entwicklung bezahlbarer Energien steckten. Auch die Kernenergie ist für Gates noch lange nicht am Ende.

Die Diskussion um Atomenergie und erneuerbare Energien findet nicht nur in Deutschland statt. Auch in den USA reden Experten und Industrievertreter sich die Köpfe heiß. Und mittendrin: Microsoft-Gründer Bill Gates.

In einem Vortrag mit anschließender Podiumsdiskussion hat Bill Gates jetzt für die Weiterentwicklung der Kernenergie geworben.

Der Vortrag fand auf einer Veranstaltung der renommierten Zeitschrift Wired in New York statt, der Wired Business Conference 2011. Die Konferenz wurde von Microsoft selbst organisiert, Wired lieferte offensichtlich die journalistische Plattform.

Vorträge gab es neben dem von Gates auch von anderen Vertretern der Computerbranche, darunter Carl Bass, Chef des Software-Unternehmens Autodesk, Netflix-Chef Reed Hastings oder Google-Managerin Susan Wojcicki.

Bill Gates über erneuerbare Energien

In seiner Eigenschaft als »elder Statesman« der IT-Branche und Gründer der Bill & Melinda Gates Foundation diskutierte Gates gemeinsam mit Wired-Chefredakteur Chris Anderson über Technologien, die die Energiegewinnung aus Kohle und Öl ablösen könnten.

 

Wired-Chefredakteur Chris Anderson auf der Wired Business Conference 2011.

Dabei glaubt Gates offenbar nicht, dass der vor allem im IT-Bereich viel diskutierte Aspekt der Energieeffizienz das Energieproblem in Zukunft lösen kann. Vor allem die reichen Industriestaaten würden allzu sehr auf »coole« energieeffiziente Technologien oder Solarpaneele setzen.

Besser wäre es nach Ansicht von Gates die Energie für Entwicklungsländer billiger zu machen. Dazu sollte mehr Geld in die entsprechenden Bereiche von Forschung und Entwicklung investiert werden.

Energieeffizienz hilft kaum beim Klimaschutz

Energieeffizienz ist laut Gates letztlich auch kein wirksames Mittel, um die CO2-Emissionen zu reduzieren. Der Effekt von Strom sparenden Techniken wie LED-Beleuchtung oder Solar-Paneelen sei hauptsächlich ein ökonomischer, denn schließlich spart man Stromkosten.

Das PC Magazine zitiert Gates mit den Worten: »Können wir unser Klimaproblem lösen, indem wir die Energieeffizienz erhöhen? Die Antwort darauf lautet grundsätzlich, nein«. Der Klimaschutz erfordere eine Senkung der Kohlendioxid-Emissionen um 90 Prozent, das ließe sich nicht allein durch Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz erzielen.

Während zwar in den Industrieländern die Energieeffizienz sich jedes Jahr verbessere, werden diese Einsparungen durch den rapide steigenden Energiehunger der Entwicklungsländer wieder zunichte gemacht. Wichtig sei es daher, »dem Rest der Welt zu helfen, Energie zu vernünftigen Preisen zu bekommen«.

Gates unterstützt neuen Reaktor-Typ

Laut Gates müsse man aufhören, Geld in alte Formen der Energiegewinnung wie Öl und Kohle zu stecken.

In dem Vortrag und der Podiumsdiskussion mit Wired-Chefredakteur machte Bill Gates auch klar, wo seine Präferenzen in punkto Energieversorgung liegen. Gates setzt unter anderem auf die Weiterentwicklung der Kernenergie.

Das Unglück in Fukushima hätte durch neue Technologien verhindert werden können. Die Technik des havarierten Reaktors stamme noch aus den sechziger Jahren. Da es in der Nukleartechnik nach Ansicht von Gates in den letzten Jahrzehnten kaum Innovationen gegeben habe, gebe es jetzt eine Menge Spielraum für Verbesserungen.

Seine Ideen zur Energiewende hat Gates auch auf seiner Homepage The Gates Notes erläutert.

 

Auf seiner Website The Gates Notes setzt sich Bill Gates auch mit dem Thema Energieversorgung und Klimawandel auseinander.

Gates hat laut Presseberichten schon vor Jahren einige 100 Millionen Dollar in ein Unternehmen namens Terrapower gesteckt, das einen neuen Typus Nuklearreaktor entwickelt. Terrapower hat im US-Bundesstaat Washington bereits einen Prototypen des Reaktors konstruiert. Das Besondere daran: Der Reaktor kann angeblich 50 Jahre laufen, ohne, dass Brennstäbe ausgetauscht werden müssten. Er nutzt also die vorhandenen Kernbrennstäbe wesentlich effizienter aus als herkömmliche Kernkraftwerke. Bei dieser Technik fällt also weniger Atommüll an.

Ex-Microsoft-Manager unterstützen Terrapower

Die Terrapower-Reaktoren sind angeblich kleiner, billiger und sicherer als aktuelle Kernkraftwerke. Die Anlage könnte sogar unterirdisch gebaut werden und da für 100 Jahre laufen, wie Terrapower-Experten dem Wall Street Journal erklären. Außerdem würden die Uranium-238 Brennstäbe nicht so heiß werden, wie in herkömmlichen Atomkraftwerken. Der Verlauf der Kernreaktion sei wesentlich langsamer und daher kontrollierter.

Das Konzept hat neben Gates noch weitere prominente Befürworter mit Microsoft-Vergangenheit. Nathan Myrhvold, ehemals Chief Technology Officer bei Microsoft und heute Gründer und CEO von Intellectual Ventures, einem Hightech-Investor, der sich in der Hauptsache um die Förderung von Erfindungen und Innovationen kümmert. Auch Mitgründer und Chief Technology Officer Edward Jung war früher bei Microsoft. Gates selbst hat Millionen US-Dollar in Intellectual Ventures gesteckt.

Nathan Myrhvold, ein ehemaliger Spitzenmanager bei Microsoft, ist Gründer und CEO des Hightech-Investors Intellectual Ventures. (Foto: Intellectual Ventures)

Für Deutschland kommt die Diskussion um neue und sicherere Atomkraft-Techniken zu spät. Der Ausstieg aus der Kernenergie ist hierzulande beschlossene Sache. Aus dem Engagement von finanzkräftigen Investoren aus der IT-Branche wie Bill Gates, Nathan Myrhvold und anderen lässt sich aber der Schluss ziehen, dass in vielen anderen Ländern die Kernkraft nicht abgeschaltet, sondern eher weiterentwickelt werden wird.

Energieeffizienz wird überbewertet

An Gates Diskussionsbeitrag wird deutlich, dass der gerade in der IT-Branche immer hochgelobte Aspekt der Energieeffizienz möglicherweise überschätzt wird.

Andererseits: Ob von IT-Gurus hochgelobte Technik-Visionen wie die von Terrapower jemals realisiert werden, ist heute noch völlig unklar. Deshalb ist es sicher kein Fehler, wenn die IT-Branche weiter daran arbeitet, die Energieeffizienz zu verbessern.