Hyperbraille: Flächendisplay für Blinde soll in Serienfertigung gehen

KomponentenWorkspaceZubehör

Das Forschungsprojekt Hyperbraille hat angekündigt, dass sein Flächendisplay für Blinde und Sehbehinderte, das berührungsempfindlich ist und auch grafische Elemente darstellen kann, Ende 2011 in Serie gefertigt werden soll.

Die Displays sollen zunächst in schulischen und institutionellen Einrichtungen zum Einsatz kommen, später sollen dann auch Arbeitsplätze mit ihnen bestückt werden. »Sehbehinderte Computernutzer sind heute praktisch von grafischen oder strukturierten Informationen am Bildschirm ausgeschlossen. Eine einfache Braillezeile reicht nicht aus, um den Betroffenen die gleichen Chancen in Bildung und Beruf zu ermöglichen. Mit Hyperbraille ändern wir die Situation schlagartig«, sagte Uwe Grotz, Vorstand des Unternehmens Metec, das das Projekt leitet und die Displays künftig produzieren wird.

Das von Hyperbraille entwickelte Display ersetzt zwölf konventionelle Braillezeilen und bietet so genug Raum für größere Strukturen und grafische Symbole. So sollen beispielsweise auch Textabsätze, Tabellen, Menüs und andere optische Elemente der Windows-Welt dargestellt werden können sowie geometrischen Zeichnungen, Raumskizzen, Wegepläne und Diagramme. In den vergangenen Monaten wurden dafür Schritt für Schritt die Oberflächen von Windows, Office-Programmen und Browsern angepasst und die Entwicklung regelmäßig durch Anwendertests mit blinden Nutzern überprüft.

Das Braille-Flächendisplay besteht aus 7200 Stiften (60 Zeilen mit je 120 Stiften), die durch einen vertikal montierten Piezobieger 0,7 Millimeter aus der Platte herausgeschoben werden können. Sensoren erfassen die Berührungen durch den Nutzer, so dass auch Interaktionen möglich sind und der Nutzer das Display als Eingabegerät nutzen kann. Es kostet knapp 50 000 Euro und ist damit etwa vier- bis fünfmal so teuer wie einer 80er Braillezeile.

Das Hyperbraille-Projekt wurde 2007 gestartet und wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie gefördert. Zu den Projektpartnern gehören neben Metec auch die Unternehmen F.H. Papenmeier und T.O.P, die Universitäten Dresden, Potsdam und Stuttgart sowie die Deutsche Blindenstudienanstalt, die Hahn-Schickard-Gesellschaft und das Institut für Mikroelektronik Stuttgart.