Kinderpornografie im Internet: Verbreitung in abgeschotteten Bereichen

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Die Bekämpfung von Kinderpornografie im Internet stellt Politik und Strafverfolger immer wieder vor Probleme. Eine Studie der Initiative „White IT“ nennt nun die Gründe dafür: Demnach findet die Verbreitung des illegalen Materials vor allem in hermetisch abgeschlossenen Tauschbörsen und Newsgroups statt.

Hier gibt es laut der Untersuchung ein breites und nahezu unerschöpfliches Angebot. Grund dafür ist die ständige Nachfrage nach neuem und einzigartigem Material. Unentgeltliche Tauschbörsen (P2P) sind demnach der größte Markt für die Verbreitung von Kinderpornografie. Für Fahnder sei es extrem schwierig, diese illegalen Marktplätze zu betreten. Bei geschlossenen Benutzergruppen, zu denen der Zutritt nur ausgewählten Personen gewährt wird, stünden die Strafverfolger vor einer Herausforderung. Denn der Zugang werde nur bei persönlicher Bekanntschaft oder durch Lieferung von Bildern oder Filmen oder möglicherweise auch gegen Geld geöffnet. „Personen, die in diese hermetischen Bereiche gelangen wollen, müssen […] neues kinderpornographisches Material liefern“, sagt Professor Dr. Bernd-Dieter Meier, Direktor des Kriminalwissenschaftlichen Instituts der Leibniz Universität Hannover.

Er vermutet auch, dass in diesen Bereichen nicht nur kinderpornographisches Material getauscht, sondern auch gezielt Missbrauch begangen oder vorbereitet wird. “White IT” plädiert daher für eine Erweiterung der Strafprozessordnung auf die Straftaten des sexuellen Missbrauchs von Kindern bzw. auch auf die Herstellung und Verbreitung dieser kinderpornographischen Inhalte, um verdeckten Ermittlern einen Einsatz zu ermöglichen.

Nach derzeitigen Erkenntnissen bestehe kein Markt auf dem eine Regulierung des Preises nach Angebot und Nachfrage stattfindet. Trotzdem sei es möglich, mit Kinderpornografie Geld zu verdienen. Es gebe kostenpflichtige Angebote im Web, deren Material meist aus kostenlosen Quellen stammt. Das Angebot werde oft von so genannten Einsteigern genutzt, die bereits sind, dafür zu zahlen, keine tieferen Kenntnisse über die Infrastruktur besitzen und sich daher im WWW bewegen.

Die Ergebnisse der Studie fußen auf Experteninterviews und Aktenuntersuchungen, die aus dem Jahr 2008 stammen. Auf über 50 Prozent der ausgewerteten Bilder waren schwere Missbrauchshandlungen (gewalttätige und gravierende sexuelle Handlungen) von Erwachsenen an Kindern zu sehen.